Markus Aspelmeyer erhält den FWF-Wittgenstein-Preis 2026

Wien (OTS) – Die Austrian Science Awards, Österreichs höchstdotierte
Wissenschaftspreise, sind vergeben: Der Wissenschaftsfonds FWF
zeichnet auf Empfehlung einer internationalen Fachjury den
Quantenphysiker Markus Aspelmeyer, der an der Universität Wien und an
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig ist, mit einem
FWF-Wittgenstein-Preis im Umfang von 2 Millionen Euro aus. 18
Forschende, darunter 11 Frauen, erhalten die mit bis zu einer Million
Euro dotierten FWF-ASTRA-Preise. Insgesamt bringt der FWF durch das
Wittgenstein- und das ASTRA-Programm Forschungsvorhaben mit einem
Volumen von rund 24 Millionen Euro ins Rollen.

„Der FWF-Wittgenstein-Preis ist eine tolle Anerkennung der
gemeinsamen Leistungen unseres gesamten Teams – und eine ebenso große
Motivation für die Zukunft. Die Förderung gibt uns die Möglichkeit,
unsere Experimente an der Universität Wien und an der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften langfristig mit voller
Energie weiterzuführen und die großen offenen Fragen an der
Schnittstelle von Quantenphysik und Gravitation mit voller Kraft
anzugehen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Jahre“, so Markus
Aspelmeyer .

„Herzlichen Glückwunsch an Markus Aspelmeyer und sein Team! Als
einer der weltweit führenden Quantenforscher widmet er sich in seinen
Experimenten einer der noch ungelösten Fragen der modernen Physik.
Seine Erkenntnisse haben das Potenzial, unser Verständnis der
Naturgesetze entscheidend zu erweitern und langfristig
Innovationsimpulse auszulösen. Mit seiner Forschung an der
Universität Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
und im Exzellenzcluster quantA fügt er der international sichtbaren
Erfolgsgeschichte der österreichischen Quanten-Community ein weiteres
vielversprechendes Kapitel hinzu“, so Wissenschaftsministerin Eva-
Maria Holzleitner .

„Mit Markus Aspelmeyer zeichnet die internationale Jury einen
Grundlagenforscher aus, der sich in seiner Arbeit einer der ganz
großen offenen Fragen widmet: dem Zusammenhang zwischen Quantenphysik
und Gravitation. An der Schnittstelle zwischen diesen beiden Säulen
der Physik sind neue experimentelle Ergebnisse dringend notwendig für
weitere Entwicklungen zum Verständnis der Naturgesetze. Diese
Experimente sind extrem herausfordernd und das Team von Markus
Aspelmeyer verschiebt immer wieder die Grenzen des technisch
Machbaren. Die Auszeichnung durch die internationale Jury
unterstreicht die weltweite Vorreiterrolle Österreichs im Bereich der
Quantenforschung“, so FWF-Präsident Christof Gattringer . „Ebenso
gratuliere ich den 18 Forschenden, die mit den FWF-ASTRA-Preisen
attraktive Forschungsperspektiven in Österreich erhalten. Dass sich
in diesem hochkompetitiven Umfeld heuer mehr Frauen als Männer
durchsetzen konnten und die geförderten Projekte eine breite
Themenpalette widerspiegeln, bestätigt den eingeschlagenen Weg in der
Karriereförderung. Die FWF-ASTRA-Preise schaffen faire Chancen für
exzellente Nachwuchsforschende und stärken den Wissenschaftsstandort
Österreich nachhaltig.“

„Ich gratuliere Markus Aspelmeyer zu diesem herausragenden
Erfolg. Er macht seit Jahren exzellente Grundlagenforschung und hat
wesentlich dazu beigetragen, dass Österreich in Sachen Quantenphysik
ein international führender Standort ist. Dieser Erfolg macht auch
deutlich, wie wichtig die ausreichende Finanzierung der
Grundlagenforschung beim FWF und an den Universitäten ist. Um den
Forschungsstandort Österreich zu sichern, braucht es
Planungssicherheit, ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu
international leistungsfähigen Universitäten und eine ausreichende
Finanzierung für 2028–2030“, so Sebastian Schütze, Rektor der
Universität Wien .

„Markus Aspelmeyer hat den Wittgenstein-Preis hochverdient
gewonnen. Er ist eine herausragende Persönlichkeit der Quantenphysik
und ein Leuchtturm, der weit über die Österreichische Akademie der
Wissenschaften hinaus die gesamte Wissenschaftslandschaft prägt. Sein
Erfolg unterstreicht eindrücklich, wie wichtig starke ÖAW-Institute
sind, denn sie sorgen für die wissenschaftliche Schwerpunktbildung in
Österreich und sie offerieren ein attraktives Umfeld für die besten
Forschenden der Welt. Ich gratuliere Markus Aspelmeyer sehr
herzlich“, so Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften .

Zwischen Einstein und Quantenwelt: Neue Experimente zur
Gravitation

Zwei der wichtigsten Theorien der modernen Physik beschreiben die
Welt äußerst erfolgreich – doch sie passen nicht zusammen: die
Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie. Die Frage, ob
beide Theorien vereinbar sind, zählt zu den größten
wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Allgemeine
Relativitätstheorie, die Albert Einstein vor mehr als 100 Jahren
entwickelte, erklärt die Gravitation. Sie beschreibt, wie Massen Raum
und Zeit krümmen und dadurch die Anziehungskraft erzeugen, die
Planeten auf ihren Bahnen hält oder Schwarze Löcher entstehen lässt.
Die Theorie liefert bis heute präzise Vorhersagen für alle Phänomene
der Gravitation, von Gravitationswellen bis hin zur Zeitverschiebung
durch die Schwerkraft der Erde.

Die Quantenmechanik hingegen beschreibt die Welt der kleinsten
Teilchen. Anders als in der klassischen Physik bewegen sich Teilchen
nicht auf eindeutig festgelegten Bahnen, sondern werden durch
Wahrscheinlichkeiten beschrieben. Sie können mehrere Zustände
gleichzeitig einnehmen und zeigen Verhaltensweisen, die unserer
Alltagserfahrung widersprechen. Dennoch wurde die Quantenmechanik in
den vergangenen 100 Jahren in zahllosen Experimenten bestätigt und
bildet die Grundlage moderner Technologien wie Halbleiterchips, Laser
oder Quantensensorik und Quantencomputer. Das Problem: Beide Theorien
funktionieren in ihren jeweiligen Bereichen hervorragend,
widersprechen sich aber grundlegend. Während die Relativitätstheorie
Raum und Zeit als fix vorgegeben beschreibt, legt die Quantenmechanik
nahe, dass auch die Raumzeit in einer Überlagerung und vom Beobachter
abhängig sein muss. Welche Sichtweise richtig ist, ist bislang
ungeklärt.

Genau hier setzt die Forschung des Wiener Quantenphysikers Markus
Aspelmeyer mit seinem Team an. Ziel ist es, Experimente zu
entwickeln, die erstmals zeigen könnten, wie sich Gravitation und
Quantenphysik tatsächlich zueinander verhalten. Die Forschenden
untersuchen, wie klein eine Masse sein kann, deren Gravitationsfeld
noch messbar ist, und gleichzeitig, wie große Objekte sich nach den
Gesetzen der Quantenphysik verhalten können. Es gelang bereits, das
Gravitationsfeld einer nur einen Millimeter großen Goldkugel zu
messen – ein Effekt, der rund 30 Milliarden Mal schwächer ist als die
Anziehungskraft der Erde. In hochspezialisierten Laboren werden
Glasteilchen von der Größe eines Sandkorns im Vakuum mit Licht
kontrolliert und in Quantenzustände versetzt. Langfristig sollen
diese Experimente zeigen, ob auch die Gravitation den Gesetzen der
Quantenwelt folgt. Gelingt dies, könnte das ein entscheidender
Hinweis für eine Theorie der Quantengravitation sein – und damit zu
einem tieferen Verständnis der grundlegenden Naturgesetze unseres
Universums führen.

Über Markus Aspelmeyer

Markus Aspelmeyer zählt zu den weltweit renommiertesten
Forschenden auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quantenoptomechanik.
Nach seinem Studium der Physik und Philosophie promovierte er 2002 in
Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Anschließend
wechselte der gebürtige Bayer an die Universität Wien, wo er in der
Forschungsgruppe des Nobelpreisträgers Anton Zeilinger arbeitete.
Seit 2009 ist Aspelmeyer Professor für Physik an der Universität Wien
und seit 2019 auch Direktor am Institut für Quantenoptik und
Quanteninformation (IQOQI) Wien der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften. Er ist Teil des Vorstands des vom FWF geförderten
Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“. Aspelmeyer gehört zu den
Pionieren der Quantenoptomechanik. Gemeinsam mit seinem Team
erforscht er Quantenphänomene in völlig neuen Bereichen. Seine
aktuellen Arbeiten tragen wesentlich zum Verständnis der Grenzen
zwischen Quantenphysik und Gravitation bei.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt der 52-Jährige
zahlreiche Auszeichnungen, darunter den FWF-START-Preis, den Ignaz-
Lieben-Preis sowie den Berthold Leibinger Innovationspreis. Im Jahr
2025 wurde ihm für seine wegweisenden Beiträge zur
Quantenoptomechanik der Prize for Fundamental Aspects der European
Physical Society (EPS-QEOD Prize) verliehen. Der dreifache ERC-
Preisträger ist unter anderem Fellow der American Physical Society
und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie
der Akademie der Wissenschaften und der Künste in Hamburg.

Jurybegründung: Neues Kapitel in Österreichs Quantenforschung

„Im Zentrum der Arbeiten von Markus Aspelmeyer steht eine der
tiefgreifendsten Fragen der Physik: Kann die Schwerkraft selbst
quantenmechanische Eigenschaften besitzen? Ein positiver
experimenteller Nachweis würde Einsteins Relativitätstheorie nicht
widerlegen, aber erstmals zeigen, dass die Schwerkraft
Quanteninformationen vermitteln kann. Gelingt dieser Nachweis, könnte
dies unser Verständnis der Natur grundlegend verändern – vergleichbar
mit den Experimenten zur Quantenverschränkung, die 2022 mit dem
Physiknobelpreis gewürdigt wurden. Der diesjährige FWF-Wittgenstein-
Preis zeichnet nicht nur die herausragende wissenschaftliche Karriere
von Markus Aspelmeyer aus, sondern ist auch eine Investition in eines
der ambitioniertesten Vorhaben in der modernen Physik, das
Österreichs erfolgreiche Tradition in der Quantenforschung um ein
weiteres vielversprechendes Kapitel bereichert“, so die
internationale FWF-Jury .

FWF-Wittgenstein-Preis: Österreichs höchstdotierter
Wissenschaftspreis

Der FWF-Wittgenstein-Preis richtet sich an exzellente Forscher:innen
aller Fachdisziplinen. Die mit 2 Millionen Euro dotierte Auszeichnung
unterstützt die Forschung des:der Preisträger:in und garantiert
Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung. Forschende können so
ihre Forschungstätigkeit auf international höchstem Niveau vertiefen.

Zwtl.:

Zwtl.: FWF-ASTRA-Preise: 22 Millionen Euro für aufstrebende
Spitzenforscher:innen

Um hochtalentierte Forschende im internationalen Wettbewerb zu
halten und neue Talente zu gewinnen, vergibt der FWF heuer 18 FWF-
ASTRA-Preise. Die mit jeweils rund einer Million Euro ausgestatteten
Förderungen unterstützen fortgeschrittene Postdocs auf dem Weg an die
Spitze ihres Forschungsfelds. Unter den Ausgezeichneten sind elf
Frauen, die ihre fünfjährigen Projekte an Universitäten und weiteren
Forschungsstätten in ganz Österreich durchführen werden.

Alle FWF-ASTRA-Preisträger:innen 2026 (in alphabetischer
Reihenfolge):

– Mahmoud Abdellatif (Medizinische Universität Graz)

– Matija Bucic (Universität Wien)

– Marta Campiglio (Medizinische Universität Innsbruck)

– Carlos Eduardo Cancino-Chacón (Johannes Kepler Universität Linz)

– Christian Dorninger (BOKU University)

– Katja Fahrion (Universität Wien)

– Isabella Fritz (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

– Anna Galler (Technische Universität Graz)

– Bettina Glasl (Universität Wien)

– Kathrin Göritzer (BOKU University)

– Daniel Hörcher (Wirtschaftsuniversität Wien)

– Jose Julian Valenzuela (BOKU University)

– Bettina Könighofer (Technische Universität Graz)

– David Krych (Kunstuniversität Linz)

– Anna Lopatina (Medizinische Universität Wien)

– Anne Sophie Meincke (Universität Klagenfurt)

– Sarah Pati (Universität Wien)

– Fangyuan Yang (Technische Universität Wien)

Acht weitere Forschende, die sich aufgrund ihrer hervorragenden
wissenschaftlichen Gutachten für das Jury-Hearing qualifizieren
konnten, dann aber nicht mit dem vollen FWF-ASTRA-Preis ausgezeichnet
wurden, erhalten mit dem „Merit Award“ eine Anschubfinanzierung für
ihr Forschungsprojekt im Volumen eines durchschnittlichen FWF-
Projekts. Das sind Nicole Amberg (Medizinische Universität Wien),
Anaïs Angelo (Österreichische Akademie der Wissenschaften), Markus
Faulhuber (Universität Wien), Katharina Jandl (Medizinische
Universität Graz), Pavel Pokhilko (Universität Wien), Hannes Vietzen
(Medizinische Universität Wien), Yunteng Wang (BOKU University),
Scott Zukowski (Universität Graz).

Insgesamt begutachtete der FWF in der zweiten Ausschreibungsrunde
der FWF-ASTRA-Preise Einreichungen von 170 Forschenden. Im Zuge der
Programmreform erhöhte er die Gesamtfördersumme bei diesen
hochkompetitiven Karriereförderungen auf 22 Millionen Euro,
Forschende aus einem breiteren Themenspektrum kommen so zum Zug – bei
einer ausgewogenen Beteiligung von Frauen.

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