Wien (OTS) – „Vor zehn Jahren haben die Britinnen und Briten für den
Austritt des
Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union gestimmt. Heute
sieht mehr als die Hälfte den Brexit als Fehler und die Mehrheit
befürwortet eine Wiederannäherung an die Union. Die von vielen
erwartete splendid isolation hat sich im Rückblick als
Wunschvorstellung erwiesen, die der Realität nicht Stand hält“,
kommentiert Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen
Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), den zehnten Jahrestag des
britischen Austrittsreferendums.
„Zwar argumentieren die Brexit-Befürworter mit der
Wiedererlangung der nationalen Souveränität, der Kontrolle über
Grenzen und Einwanderungsregeln – in einer multipolaren und immer
stärker vernetzten Welt sind deren tatsächlichen Effekte allerdings
überschaubar. Weniger gilt dies für die negativen wirtschaftlichen
Folgen der Austrittsentscheidung, für Handel und Investitionen, für
Forschung und Entwicklung und für die Mobilität der Britinnen und
Briten in Europa – sowie nicht zuletzt für ihre tagtäglichen
Rechnungen und Kosten.
Es verwundert daher nicht, dass der Brexit keine Nachahmer
gefunden hat, auch in Österreich ein Öxit kein Thema ist, und
schrittweise von Seiten des Vereinigten Königreichs eine Annäherung
an die Europäische Union gesucht und verstärkt zusammengearbeitet
wird. Sei es, um Handelshemmnisse abzubauen, sei es bei der
Unterstützung der Ukraine und der Verteidigungszusammenarbeit, durch
die Rückkehr in das europäische Forschungsprogramm Horizon Europe
oder die Teilnahme am Erasmus+ Programm mit kommendem Jahr.
Dass die Britinnen und Briten laut einer aktuellen Umfrage des
European Council on Foreign Relations den Beziehungen zur EU deutlich
stärkere Priorität einräumen, als dies zu den USA der Fall ist,
sollte als Auftrag verstanden werden, die britisch-europäische
Kooperation wieder zu vertiefen. Das Experiment Brexit ist
gescheitert – jetzt gilt es, pragmatisch an Lösungen zu arbeiten, die
helfen, weitere Hindernisse abzubauen und miteinander an einem
starken Europa zu bauen. Vielleicht ja mittel- bis langfristig wieder
mit dem Vereinigten Königreich als Mitglied der Europäischen Union“,
betont Paul Schmidt.