Waitz/Grüne: EU öffnet Tür und Tor für Patentierbarkeit auf Saatgut

Straßburg/Brüssel: (OTS) – Heute hat das Europäische Parlament über
die komplette Deregulierung
der Neuen Gentechnik abgestimmt. Unsere grünen Abänderungsanträge,
die für mehr Schutz für Konsument*innen, Landwirt*innen und Züchter*
innen gesorgt hätten, wurden abgelehnt. Das übergibt die Macht und
Kontrolle über Saatgut an eine Handvoll multinationaler Großkonzerne.

Thomas Waitz, Delegationsleiter der Grünen im Europäischen
Parlament und Agrarsprecher der Greens/EFA, kritisiert: „Die
Sektkorken bei Bayer und Monsanto knallen heute besonders laut. Wie
kann es sein, dass die angebliche Bauern-Partei ÖVP derartig gegen
die Interessen einer eigenständigen österreichischen Landwirtschaft
stimmt? Die neue Regelung öffnet Tür und Tor für patentiertes
Saatgut, wodurch unsere Lebensmittelproduktion massiv von großen
Multinationalen wie Bayer/Monsanto, Corteva und Syngenta abhängig
sein wird. Die Krisen der Gegenwart sollten uns gelehrt haben, dass
starke Abhängigkeiten von Mega-Konzernen fatale Konsequenzen mit sich
ziehen können. Während die heute beschlossene Gentechnikderegulierung
hohe Profite für Mega-Konzerne einbringt, sehen sich kleine und
mittelständische Zuchtbetriebe sowie kleine und mittlere Landwirt*
innen vor schier unbewältigbare administrative, rechtliche und
finanzielle Probleme gestellt. Aber der ÖVP scheint das Klingeln der
Großkonzernkassen wichtiger zu sein als die Rechtssicherheit der
Bäuerinnen und Bauern. Patente auf Leben sind eine klare Gefahr für
unsere Ernährungssicherheit und die Unabhängigkeit
landwirtschaftlicher Betriebe.“

Wichtige Transparenz für Konsument*innen wie die
Kennzeichnungspflicht im Supermarkt wurde abgeschafft. Hersteller*
innen müssen nicht mehr offenlegen, dass Organismen mittels Neuer
Gentechnik bearbeitet wurden.

„85% der Konsument*innen in Österreich wollen eine Kennzeichnung
für Produkte aus der Neuen Gentechnik, diese wurde ihnen heute durch
EVP und Co. jedoch verwehrt. Das ist das Ende der Konsument*innen-
Transparenz. Durch den Wegfall der Kennzeichnungspflicht wird die
gentechnikfreie Produktion, ein Erfolgsmodell der österreichischen
Landwirtschaft, vor immense Herausforderungen gestellt. Das neue
Gesetz ignoriert Sorgen und reale Gefahren und ist ein Geschenk an
die globalisierte Chemie-Industrie, um ihre Marktmacht zu stärken und
zwar auf Kosten von Konsument*innen, Züchter*innen und Landwirt*
innen. Es ging hier nicht um für oder gegen Neue Gentechnik, sondern
um sinnvolle Schutzkonzepte und die Verteidigung unserer regionalen
Landwirtschaft. Doch genau die Interessen letzterer wurden hier der
Profitgier multinationaler Konzerne geopfert.“, so Waitz.