Wien (OTS) – Die Bioenergie hat das klimaschädliche Erdgas erstmals
überholt, geht
aus den Daten der vorläufigen Energiebilanz 2025 hervor. Demnach
deckt der regional verfügbare Energieträger rund 21% des
Bruttoinlandsverbrauchs. „Auch die Biomassestrategie der
Österreichischen Energieagentur zeigt, dass bis 2040 ein Anteil von
30 bis 50% an der Energieversorgung möglich ist. Jetzt gilt es: die
Wälder klimafit machen, das anfallende Holz für den raschen Ausstieg
aus Öl und Gas nutzen und gleichzeitig fossile Materialien durch Holz
ersetzen. Dadurch werden fossile Energien kurzfristig ersetzt.
Langfristig werden klimafitte Wälder wieder mehr Kohlenstoff
aufnehmen und durch negative Emissionen aus Bioenergie und
Kohlenstoffabscheidung samt Pflanzenkohle ergänzt werden“, erklärt
Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-
Verbandes. „Es fehlt nicht an erneuerbaren Lösungen, sondern am
Willen zum Ausstieg aus fossilen Energien. Die Elektrifizierung auf
der einen Seite und der Ausbau der Biomasse auf der anderen
ermöglichen gemeinsam ein zu 100% fossilfreies, leistbares und
umweltfreundliches Energiesystem. Die Österreichische Energieagentur
hat mit der Biomassestrategie einen konsistenten Rahmen aufgezeigt,
wie der Ausstieg aus fossilen Energiequellen mithilfe der Bioökonomie
umgesetzt werden kann. Erstmals wurden dabei die Systemgrenzen am
natürlichen Kohlenstoffkreislauf ausgerichtet – von der Urproduktion,
über die Verarbeitung, bis hin zum Konsum der Produkte und dem dafür
notwendigen Energiebedarf.“ (siehe Grafik auf Homepage;
Bruttoinlandsverbrauch 2025)
Zwtl.: Detailanalyse: Wärmesektor zeigt wachsende Bedeutung der
Bioenergie
Die Biomassestrategie basiert auf einer Vielzahl von
Detailstudien. Darin wurden u.a. die Biomasseflüsse in Österreich,
Szenarien der künftigen Nutzung sowie Klimaeffekte und die
volkswirtschaftlichen Effekte der Bioenergie analysiert. Die
Strategie wurde aktuell um eine Detailanalyse des Wärmesektors
erweitert, da dieser einen der wichtigsten und größten „Hebel“ zur
Defossilisierung unseres Energiesystems darstellt. Insbesondere der
Markt für Niedertemperatur-Wärme, etwa für die Beheizung von
Gebäuden, zur Bereitstellung von Warmwasser oder auch für
betriebliche Prozesse, ist in Österreich ein zentraler Grundpfeiler
des Energiesystems. Bioenergie – vor allem in Form von Pellets,
Hackgut oder Brennholz – ist hierbei systemrelevant. Im Detail wurde
der Wärmeverbrauch im Zeitverlauf betrachtet und die Lastspitzen im
Bereich Wärme und Strom analysiert. „Die Erneuerbaren im Wärmebereich
müssen massiv ausgebaut werden, um die Erzeugungslücke – vor allem im
Winter – zu schließen“, erklärt Lorenz Strimitzer, Head of Center
Renewable Materials & Resources bei der Österreichischen
Energieagentur und einer der Studienautoren (siehe Grafik auf
Homepage; Wärme- und Strombedarf über erneuerbarer Erzeugung).
Folgende zentrale Punkte lassen sich aus der Studie ableiten:
–
Wir brauchen deutlich mehr Wärme als Strom: Der saisonale
Energiebedarf im Bereich Wärme ist fünf Mal größer als im Stromsektor
–
Die direkte Nutzung von Bioenergie im Wärmebereich ist ein
wesentliches Instrument zur Erreichung der Energie- und Klimaziele
–
Massive Bedarfsspitzen bei Wärme: Der maximale Wärmebedarf
beträgt bis zu 63 GW und ist damit sechs Mal größer als im
Stromsektor
–
Rund die Hälfte der Wärme wird bereits jetzt durch Biomasse
bereitgestellt
–
Erzeugungslücken sind eine große Herausforderung aber auch Chance
für ein erneuerbares Energiesystem der Zukunft
–
Bioenergie ist zur Erreichung der EU-Erneuerbaren-Ziele
alternativlos
–
Bei hohem Wärmebedarf wird viel CO 2 -intensiver Strom importiert
Zwtl.: Studie zeigt: Win-Win-Situation mit Wachstumspotenzial
Die Defossilisierung des Wärmesektors ist mit vielfältigen
Vorteilen wie heimischer Wertschöpfung und Beschäftigung verbunden.
Der Ausbau der Bioenergie ist volkswirtschaftlich sinnvoll und sollte
anhand der in der Biomassestrategie aufgezeigten Potenziale erfolgen.
Diese ergeben sich vor allem durch den beschleunigten Waldumbau hin
zu klimafitten Beständen. Die Szenarien der Biomassestrategie zeigen
auf, dass die Biomasse-Nutzung mit ambitionierten
Mobilisierungsmaßnahmen bis 2040 von derzeit rund 250 PJ auf
zumindest 300 – 350 PJ gesteigert werden kann (siehe Grafik auf
Homepage; Anteil der Biomasse am Endenergieverbrauch 2040 in den
Szenarien).
Des weiteren wurde in der Studie aufgezeigt, dass der Ersatz
aller Ölkessel durch Erneuerbare (insbesondere Bioenergie) bis 2040
machbar ist, wenn der Kesseltausch forciert wird. Der Ausstieg aus
fossilen Heizungen macht zudem Rohstoffe für andere (hard-to-abate
bzw. kaum defossilisierbaren) Sektoren frei (z.B. nichtenergetische
Nutzung, Nutzung als Flugtreibstoff, etc.). Gleichzeitig schafft
Bioenergie heimische, regionale Wertschöpfung und Beschäftigung sowie
fiskalische Rückflüsse an den Staat. Dies bedeutet, dass Förderungen
für Bioenergie volkswirtschaftlich sinnvoll sind. Das erhöht zudem
die Versorgungssicherheit und Krisenresilienz in Österreich.
Zwtl.: Aktiv den Wald der Zukunft gestalten
Wie dringend der Umbau unserer Energiesysteme und die
Abschwächung des Klimawandels ist, zeigt sich im österreichischen
Wald: binnen eines Jahrzehntes ist dieser vom Hoffnungsträger zu
einem der am stärksten Betroffenen des Klimawandels geworden.
Nassschneeereignisse, Stürme und Dürreperioden sowie die darauf
unvermeidlich folgende Massenvermehrung von Schadinsekten haben im
letzten Jahrzehnt zu einem Rekordaufkommen an Schadholz geführt und
die Notwendigkeit eines zügigen Waldumbaus aufgezeigt. „Trotz eines
seit mehr als drei Jahrzehnten steigenden Anteils an Laub- und
Mischwäldern, stellen die hohen Holzvorräte der Fichte und die
unzureichende Verjüngung weiterhin das größte Risiko für den Wald in
Österreich und dessen Kohlenstoffspeicher dar“, erklärt Silvio
Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum und Waldbau am
Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Das Bundesforschungszentrum
für Wald hat daher im Auftrag des Österreichischen Biomasse-
Verbandes, der Landwirtschaftskammer Österreich und der Land- und
Forstbetriebe Österreich eine Studie für einen beschleunigten
Waldumbau erstellt.
Zwtl.: Szenario für beschleunigten Waldumbau
Vitale Wälder mit einer hohen CO2-Aufnahmeleistung sind wichtig
für die Zukunft. Neben dem Umbau zu klimaresilienten Mischbeständen,
dem Abbau von Wäldern mit höherem Klimarisiko und einer langfristigen
Rohstoffversorgung sollte daher bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts
eine hohe Substitutionsleistung und anschließend ein verstärkter
Vorratsaufbau im Wald sichergestellt werden. Die Studie basiert auf
dem aktuellen Zustand des Waldes und berücksichtigt die neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnisse zur klimatischen Eignung von
Baumarten sowie der zunehmenden Mortalität im Zeitalter des
Klimawandels. Im unterstellten Nutzungsszenario werden bis 2050
bewusst die Erntemengen erhöht, um den Zuwachs anzukurbeln und das
Risiko von Schadereignissen zu verringern. Dabei müssen bevorzugt die
relativ ältesten, zuwachsschwachen Bestände verjüngt werden. Ab 2050
– wenn die Substitutionsleistung biogener Rohstoffe aufgrund einer
vollständig emissionsneutralen Wirtschaft geringer ausfällt, wird die
Nutzung reduziert, um langfristig die Kohlenstoffvorräte im Wald
wieder zu steigern. Die am häufigsten beim Waldumbau gezielt
bevorzugten Baumarten sind Lärche, Tanne, Eiche und die beiden
heimischen Kiefernarten (siehe Grafik Homepage; Bauartenanteile in %
bis 2095).
Zwtl.: Diversifizierung zeigt Wirkung und sichert Rohstoff bis zum
Ende des Jahrhunderts
Die unterstellte Diversifizierung zeigt deutliche Wirkung: bis
zum Ende des Jahrhunderts sinkt zwar der Fichtenanteil an der
Waldfläche auf unter 30%, während die Häufigkeit der anderen Arten
steigt. Der Wald wird also vielfältiger. Die Holzvorräte reagieren
langsamer, jedoch sinkt auch hier der Fichtenanteil unter 50%. Die
Holzverwendung wird noch bis zum Ende des Jahrhunderts von der Fichte
dominiert und trägt wesentlich zu den jährlich rund 15 Mio. Efm
Sägerundholz bei. Die Altersklassenverteilung verschiebt sich durch
die verstärkte Nutzung bis 2050 hin zu jüngeren wuchskräftigen
Beständen und sorgt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts für
steigende Zuwächse und Vorräte (siehe Grafik Homepage; Entwicklung
des Holzvorrats bis 2100)
Die Grafiken und Abbildungen zum Download finden Sie HIER