Fachkräftemangel in der Pathologie: Biomedizinische Analytiker*innen können Versorgungssicherheit stärken

Wien (OTS) – Die aktuellen Warnungen der Österreichischen Ärztekammer
vor einem
drohenden Fachkräftemangel in der Pathologie verdeutlichen den
Handlungsbedarf im österreichischen Gesundheitssystem. Biomed Austria
– Österreichische Fachgesellschaft für Biomedizinische Analytik –
sieht insbesondere in der stärkeren Nutzung bestehender Kompetenzen
und in einer vertieften interprofessionellen Zusammenarbeit großes
Potenzial, um Patholog*innen nachhaltig zu entlasten und die
diagnostische Versorgung langfristig sicherzustellen.

„Die Pathologie ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner
Medizin. Nahezu jede Krebsdiagnose, zahlreiche Therapieentscheidungen
sowie die Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin basieren auf
pathologischer Expertise. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen
personellen Ressourcen bestmöglich einzusetzen und die Kompetenzen
aller Gesundheitsberufe optimal zu nutzen“, betont Katharina Wagner,
MSc, Präsidentin von Biomed Austria.

Laut den aktuellen Zahlen der Österreichischen Ärztekammer sind
von derzeit 365 tätigen Patholog*innen bereits rund ein Drittel älter
als 60 Jahre. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Ausbildungsstellen
unbesetzt. Die Herausforderungen betreffen damit nicht nur die
Pathologie selbst, sondern mittel- und langfristig die gesamte
diagnostische und therapeutische Versorgung in Österreich.

Biomedizinische Analytiker*innen leisten bereits heute einen
wesentlichen Beitrag in der Histologie, Zytologie,
Molekularpathologie und weiteren diagnostischen Spezialbereichen. Das
MTD-Gesetz 2024 trägt dieser hochspezialisierten Tätigkeit Rechnung
und stärkt die eigenverantwortliche Berufsausübung der
Biomedizinischen Analytiker*innen. Zu den gesetzlich verankerten
Kompetenzen zählen insbesondere die Durchführung, fachliche
Beurteilung, Validierung und Qualitätssicherung diagnostischer
Untersuchungen.

„Biomedizinische Analytiker*innen arbeiten tagtäglich an
zentralen Schnittstellen der Diagnostik. Sie verfügen über umfassende
Expertise bei der Aufbereitung, Analyse und fachlichen Beurteilung
von Proben und Untersuchungsergebnissen. Diese Kompetenzen können
einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diagnostische Prozesse noch
effizienter zu gestalten und Patholog*innen gezielt zu entlasten“, so
Sylvia Handler, MBA, Vizepräsidentin von Biomed Austria.

Vor diesem Hintergrund sieht Biomed Austria insbesondere bei
standardisierten diagnostischen Abläufen, der erweiterten fachlichen
Beurteilung von Untersuchungsergebnissen sowie der strukturierten
diagnostischen Vorbereitung von Befunden zusätzliche
Entwicklungsmöglichkeiten.

Dadurch könnten Patholog*innen verstärkt für jene Tätigkeiten
eingesetzt werden, die ihre ärztliche Expertise in besonderem Maß
erfordern – etwa bei komplexen diagnostischen Fragestellungen, der
abschließenden Befunderstellung oder der interdisziplinären
Therapieplanung.

Internationale Entwicklungen zeigen, dass moderne
Gesundheitssysteme zunehmend auf kompetenzorientierte und
multiprofessionelle Versorgungsmodelle setzen. Die gezielte
Einbindung spezialisierter Gesundheitsberufe trägt dabei nicht nur
zur Entlastung knapper personeller Ressourcen bei, sondern stärkt
auch Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit.

„Die Herausforderungen in der Pathologie lassen sich nicht durch
einzelne Berufsgruppen allein bewältigen. Gefragt sind innovative
Versorgungskonzepte, die die Kompetenzen aller Gesundheitsberufe
bestmöglich nutzen. Das MTD-Gesetz 2024 bietet dafür eine zeitgemäße
Grundlage und eröffnet neue Möglichkeiten für eine partnerschaftliche
Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, betont Karin Tomicek-Gründl, MBA,
Finanzreferentin von Biomed Austria.

Biomed Austria spricht sich daher für einen strukturierten Dialog
zwischen Ärzteschaft, Gesundheitsberufen, Universitäten,
Sozialversicherungsträgern und Gesundheitspolitik aus. Ziel müsse es
sein, die diagnostische Versorgung der Bevölkerung nachhaltig
sicherzustellen, bestehende Fachkompetenzen gezielt einzusetzen und
die Potenziale des MTD-Gesetzes 2024 im Sinne einer modernen,
interprofessionellen Gesundheitsversorgung konsequent zu nutzen.

„Biomedizinische Analytiker*innen sind bereit, ihren Beitrag zur
Bewältigung der Herausforderungen in der Pathologie zu leisten. Die
Sicherung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik erfordert das
Zusammenwirken aller beteiligten Berufsgruppen – zum Wohl der Patient
*innen und der Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems“, so
Biomed Austria abschließend.