Wien (OTS) – Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni warnt
CARE Österreich
vor einer folgenschweren Unterfinanzierung der internationalen
Flüchtlingshilfe. Laut Daten der Vereinten Nationen wurden seit
Jahresbeginn für die Unterstützung von Geflüchteten in Krisenländern
wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der
Zentralafrikanischen Republik nur bis zu rund 15 Prozent der
benötigten Mittel bereitgestellt (Stand: 16. Juni 2026). Millionen
Menschen drohen dadurch gravierende Einschränkungen beim Zugang zu
Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz.
Ähnlich prekär ist die Finanzierung der regionalen Hilfspläne,
die die Unterstützung von Geflüchteten über Ländergrenzen hinweg
sicherstellen sollen. Für Menschen, die vor dem Krieg im Sudan in
Nachbarländer geflohen sind, stehen derzeit nur rund 13 Prozent der
benötigten Mittel zur Verfügung. Der regionale Hilfsplan für
Geflüchtete aus Venezuela ist sogar nur zu etwa 10 Prozent
finanziert.
„Flucht ist keine Wahl – für Millionen Menschen ist sie die
letzte Möglichkeit zu überleben. Während Konflikte, Hunger und die
Klimakrise immer mehr Menschen zur Flucht zwingen, geht die Hilfe für
sie zurück. Diese Entwicklung ist alarmierend“, mahnt Andrea
Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich . „Wenn die
Finanzierung für Geflüchtete ausbleibt, bedeutet das weniger Nahrung,
weniger medizinische Versorgung und weniger Schutz, insbesondere für
Frauen und Kinder. Die internationale Gemeinschaft darf Menschen auf
der Flucht nicht im Stich lassen. Humanitäre Hilfe muss ausreichend
finanziert werden, unabhängig davon, woher Menschen kommen oder wohin
sie fliehen. Gleichzeitig müssen die Ursachen von Flucht stärker
bekämpft werden, etwa durch Konfliktprävention und Investitionen in
Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit.“
Vertreibungskrise Sudan: Ein Drittel der Bevölkerung auf der
Flucht
Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat die derzeit größte
Vertreibungskrise weltweit ausgelöst. Rund 11,5 Millionen Menschen
wurden innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg vertrieben.
Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer wie den Tschad,
Südsudan, Ägypten oder Libyen geflohen. Viele leben dort in
überfüllten Aufnahmezentren, Flüchtlingscamps oder informellen
Unterkünften, ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und
Medikamenten. Frauen und Kinder sind auf der Flucht einem hohen
Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.
Welche Folgen die Finanzierungslücken vor Ort haben, schildert
Sarah Easter, Nothilfereporterin von CARE Österreich . Sie war im
März an der südsudanesischen Grenze zum Sudan: „Täglich fliehen
Zehntausende Menschen über Sudans Grenzen. Ich habe überfüllte
Transitzentren gesehen, Familien, die im Freien schlafen, Kinder, die
wegen Hunger und Erschöpfung kaum noch gehen können, und Mütter, die
nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Gleichzeitig
müssen Hilfsorganisationen Programme kürzen und schwierige
Entscheidungen treffen, weil die Finanzierung fehlt. Die Folgen:
geschlossene Gesundheitsstationen, fehlende Mahlzeiten, Geburten im
Freien ohne medizinisches Personal. Humanitäre Hilfe rettet Leben.
Dies ist nur möglich, wenn die internationale Gemeinschaft diese
Hilfe auch finanziert.“
So hilft CARE : Mit Programmen in über 120 Ländern erreichte CARE
im Jahr 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon
Frauen und Mädchen. Im Sudan und den Nachbarregionen leistet CARE
lebensrettende Soforthilfe mit Nahrung, Trinkwasser, Notunterkünften
und medizinischer Versorgung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem
Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt. Gemeinsam mit lokalen
Partnerorganisationen leistet CARE psychosoziale Unterstützung,
sichert Lebensgrundlagen und stärkt die Resilienz der Gemeinschaften.
Quellen: UN OCHA Financial Tracking Service (Stand 16. Juni 2026)
und UNHCR Refugee Funding Tracker (Stand 16. Juni 2026).
Hinweis für Redaktionen : Sarah Easter, Nothilfereporterin CARE
Österreich , war kürzlich in der Grenzregion Südsudan/Sudan, um sich
ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. Sie steht
für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung . Bei Interesse
melden Sie sich gerne.