Österreich (OTS) – Beim EWO-Branchentalk am 9.6.2026 im Kelsen im
Parlament Wien
diskutierten führende Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und
Recht über die Chancen und Herausforderungen erneuerbarer flüssiger
Energieträger. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Für eine
sichere, leistbare und klimafreundliche Energieversorgung werden
flüssige Brenn- und Kraftstoffe auch künftig eine wichtige Rolle
spielen.
„Flüssige Energieträger sind aufgrund ihrer hohen Energiedichte
der beste Langzeit-Energiespeicher und bestens transportier- und
lagerfähig“ , betonte EWO-Vorstandsvorsitzende Kommerzialrätin
Bettina Mayer-Toifl in ihren Eröffnungsworten. „Ohne flüssige Brenn-
und Kraftstoffe wird es daher nicht gehen – sei es in der Raumwärme,
der Landwirtschaft, im Schwerverkehr, bei Feuerwehr, Rettung,
Polizei, Bundesheer oder zum Betrieb von Notstromaggregaten im
Krisenfall; und sowieso im Flug- und Schiffsverkehr!“
EWO tritt nachdrücklich für flüssige Energie ein – in allen
Anwendungsbereichen und im Sinne der gesamten Wertschöpfungskette vom
Produzenten über den Energiehändler bis hin zum Verbraucher. Von der
Politik forderte Mayer-Toifl Rechts- und Planungssicherheit, damit
sich die freien Marktkräfte entfalten und klimafreundliche flüssige
Brenn- und Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen auf breiter Ebene
etablieren können.
Zwtl.: Mobilität braucht mehrere Lösungen
Prof. Karl Rose, Aufsichtsratsvorsitzender der Energie Steiermark
AG und Lehrender an der Karl-Franzens-Universität, sprach sich für
einen technologieoffenen Zugang zur Dekarbonisierung des Verkehrs
aus. „Neben Elektromobilität sind nachhaltige Flüssigkraftstoffe und
grüner Wasserstoff unverzichtbar“, erläutert er und begründete dies
unter anderem mit der erneuerbaren Stromproduktion und dem
notwendigen Ausbau der Stromnetze, die der Verbreitung elektrisch
betriebener Fahrzeuge hinterherhinken. Als vielversprechende Optionen
nannte er Kraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen oder aus Algen, die
nahezu CO₂-neutral hergestellt werden können.
Zwtl.: Erneuerbare Flüssigenergie für Verkehr und Wärme
Wie ein globaler Energiekonzern den Weg zum Netto-Null-
Unternehmen bei den Treibhausgas-Emissionen bis 2050 beschreitet,
skizzierte Shell-Austria-Geschäftsführer Rainer Klöpfer. „Dabei sehen
wir es als unsere Verantwortung, Energie für Mobilität, Industrie und
Wärmeversorgung zuverlässig und bezahlbar bereitzustellen und
zugleich konsequent an einer emissionsarmen Zukunft zu arbeiten.“
Bereits heute produziert Shell Biokraftstoffe für Fahrzeuge,
Sustainable Aviation Fuels (SAF) für die Luftfahrt sowie erneuerbares
Heizöl für den deutschen Markt (Shell Renewable Heating Oil).
Letzteres kann über den Lebenszyklus hinweg eine signifikante
Reduktion der CO₂-Emissionen gegenüber fossilem Heizöl ermöglichen –
abhängig von eingesetzten Rohstoffen und Produktionsprozessen.
Zwtl.: Handlungsbedarf bei gesetzlichen Rahmenbedingungen
Als ausgewiesener Experte für regulatorische Fragen im Bereich
erneuerbarer Energien ordnete Dr. Anian Gruber, Counsel bei BINDER
GRÖSSWANG Rechtsanwälte GmbH, die Rechtslage rund um flüssige
erneuerbare Energieträger (Biokraftstoffe, E-Fuels, RFNBOs) ein und
erläuterte die Bestimmungen der RED III, die auf EU-Ebene bis 2030
einen verbindlichen Anteil erneuerbarer Energien von 42,5 % vorsieht.
Für Österreich identifizierte er klaren Anpassungsbedarf: Zur
Umsetzung der RED III im Bereich flüssiger erneuerbarer Energien sind
Novellierungen einschlägiger Vorschriften erforderlich, etwa der
Kraftstoffverordnung (KVO). Für die vollständige Implementierung
plädiert Dr. Gruber für eine praktikable Ausgestaltung ohne Gold
Plating, um Unternehmen verlässliche Rechtssicherheit zu geben.
Zwtl.: Energiebedarf wird weiter steigen
Dass sich der Energieverbrauch in Zukunft deutlich reduzieren
könnte, hält Prof. Uwe Grebe für eine Illusion. „Szenarien der
Internationalen Energieagentur sehen sogar einen Anstieg um rund 20
Prozent bis zum Jahr 2050, unter anderem weil ärmere Staaten bei
Wohlstand und Bildung aufholen. Die Energieträger zu de-fossilisieren
ist die wichtigste Aufgabe“, erläuterte der Vorstand des Instituts
für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik an der Technischen
Universität Wien.
Sonnen- und Windenergie sei im Überfluss vorhanden. „Das Problem
ist nicht die Verfügbarkeit, sondern die Ernte, Speicherung und
Verteilung.“ Dafür wiederum würde sich die Umwandlung in flüssige und
gasförmige Energieträger anbieten. Gerade flüssige Kraftstoffe
brauche es dort, wo dezentral hoher Energiebedarf anfällt, etwa im
Fall von Baumaschinen. Während die EU über weite Strecken einen All-
Electric-Ansatz verfolgt, gehe China technologieoffener mit den
Herausforderungen der Energiewende um: „Dort wurde von Experten und
der Industrie gemeinsam eine industrieweite Roadmap erstellt, die
Zielsetzungen für jede Technologie und jeden Energieträger
formuliert.“
Zwtl.: Österreichische Kreislaufwirtschaft als Erfolgsmodell
Ewald-Marco Münzer, Geschäftsführer der Münzer Bioindustrie GmbH,
ist Experte für die Verarbeitung gebrauchter Speisefette und
Altspeiseöle zu Biodiesel und Biomethan. Sein Unternehmen habe
dadurch bereits zur Einsparung von rund 30 Millionen Tonnen CO₂ im
österreichischen Verkehrssektor in den letzten 2 Jahrzehnten
beigetragen.
Sein Credo: „Ergänzen statt ersetzen.“ Durch steigende Beimengung
erneuerbarer Anteile werden flüssige Kraftstoffe fossilen Ursprungs
klimafreundlicher. Für Münzer ist daher die Anhebung der
Biodieselbeimischung von B7 (Kraftstoff mit sieben Prozent Biodiesel)
auf B10 der nächste logische Schritt, um die Versorgungssicherheit zu
stärken und den Verkehrssektor schneller zu dekarbonisieren. Dafür
braucht es jetzt laut Münzer eine rasche und mutige politische
Entscheidung. „Ich könnte mir auch Dreier-Blends aus B10, HVO und
fossilem Anteil vorstellen.“
Dass die Nutzung abfallbasierter Rohstoffe derzeit gedeckelt ist,
ist für ihn nicht nachvollziehbar: „Wir könnten wesentlich mehr
erneuerbare Flüssigenergie produzieren, wenn diese Regelung fallen
würde.“ Auch brauche es eine harmonisierte Prüfpraxis für
Zertifizierungen von erneuerbaren Brenn- und Kraftstoffen auf
europäischer Ebene.
Zwtl.: Flüssige Energieträger als Teil der Lösung
In seinem Fazit resümierte EWO-Geschäftsführer Martin Reichard:
„Die Energiewende wird nur mit einem technologieoffenen Ansatz
gelingen. Erneuerbare flüssige Energieträger leisten dabei einen
wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Ressourcenschonung und
einer leistbaren Energieversorgung.“
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