St. Pölten (OTS) – Die Primärversorgung in Österreich gewinnt weiter
an Dynamik. Beim
Mitgliedertreffen der Plattform Primärversorgung am 13. Juni 2026 in
St. Pölten betonten Vertreter:innen aus Politik, Sozialversicherung,
Wissenschaft und Praxis die zentrale Rolle der Primärversorgung für
die Zukunft des Gesundheitssystems. Im Mittelpunkt standen sowohl der
weitere Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE) als auch deren
qualitative Weiterentwicklung. Einig waren sich die Teilnehmer:innen,
dass es künftig mehr Primärversorgungseinheiten, starke
Einzelordinationen und eine noch engere Zusammenarbeit der
Gesundheits- und Sozialberufe braucht, um die wohnortnahe Versorgung
der Bevölkerung nachhaltig zu sichern.
Zwtl.: Ausbauziel 2030 in Reichweite
Aktuell gibt es österreichweit 116 Primärversorgungseinheiten.
Die regionalen Strukturpläne Gesundheit sehen bereits 257 Standorte
bis 2030 vor. Das gemeinsame Ziel von Bund, Ländern und
Sozialversicherung sind 300 Primärversorgungseinheiten bis zum Ende
des Jahrzehnts.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann unterstrich die Bedeutung
der Primärversorgung für die Gesundheitsreform: „Die Primärversorgung
bleibt für mich eine klare Priorität. Sie wirkt dort, wo Menschen
Versorgung brauchen – frühzeitig, wohnortnah, verlässlich und im
Team.“ Die Ministerin verwies auf die bisherige Unterstützung durch
Mittel aus dem europäischen Aufbau- und Resilienzplan sowie die
Finanzierung über den Gesundheitsreformfonds: „Die erfolgreich
umgesetzten Projekte haben wichtige Impulse gesetzt und den Ausbau
entscheidend unterstützt. Darauf können wir jetzt aufbauen. Nun gilt
es, diesen Weg konsequent fortzusetzen.“
Auch Jan Pazourek vom Dachverband der Sozialversicherungsträger
zeigte sich optimistisch: „Die 300 Primärversorgungseinheiten bis
2030 sind keine Utopie. Die Dynamik der vergangenen Jahre zeigt, dass
dieses Ziel erreichbar ist.“ Gleichzeitig betonte er, dass
Primärversorgungseinheiten und Einzelordinationen einander ergänzen:
„Wir werden auch künftig starke Einzelordinationen brauchen.
Primärversorgungseinheiten schaffen durch die Zusammenarbeit mehrerer
Gesundheits- und Sozialberufe einen zusätzlichen Mehrwert für
Patientinnen und Patienten.“
Zwtl.: Versorgung dort, wo Menschen sie brauchen
Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich und
Moderator der Diskussion, verwies ebenfalls auf die starke Dynamik
der vergangenen Jahre: „Wir sehen eine unaufhaltsame Entwicklung der
Primärversorgung. Die zentrale Frage ist nun, wie es gelingt, die
Primärversorgung sowohl quantitativ als auch qualitativ
weiterzuentwickeln und damit die Versorgung der Bevölkerung
nachhaltig zu stärken.“
Wie die Primärversorgung in der Praxis funktioniert, schilderte
Angelika Grand-Fous, Gründerin des Primärversorgungszentrums St.
Pölten Süd. Ihr Zentrum bietet an 365 Tagen im Jahr Versorgung an.
„Es geht nicht um Konkurrenz zwischen Einzelordinationen und
Primärversorgungseinheiten. Wenn die Einzelordination geschlossen
hat, sollte eine Primärversorgungseinheit offen haben. Wenn ein Kind
um 18.50 Uhr fiebert, dann sind wir da“, so Grand-Fous. Gerade die
kontinuierliche Betreuung und die enge Zusammenarbeit verschiedener
Berufsgruppen seien wesentliche Stärken der Primärversorgung.
Auch Florian Hengl, Vorsitzender des Landesstellenausschusses der
Österreichischen Gesundheitskasse in Niederösterreich, betonte die
Bedeutung gemeinsamer Lösungen: „Dem Patienten ist letztlich egal,
welche Organisation die Versorgung anbietet. Wichtig ist, dass er
rasch und nach bestem Standard versorgt wird. Nur gemeinsam werden
wir den Gesundheitsstandort Österreich weiterentwickeln können.“
Zwtl.: Ausbildung, Kompetenzen und Teamarbeit stärken
Ein zentrales Thema war die stärkere Zusammenarbeit
unterschiedlicher Gesundheits- und Sozialberufe. Vertreter:innen aus
Wissenschaft und Praxis betonten, dass moderne Primärversorgung nur
durch multiprofessionelle Teams gelingen kann. Diese ermöglichen eine
umfassende Betreuung – medizinisch, pflegerisch, therapeutisch und
psychosozial.
Barbara Wondrasch, Leiterin des Departments Gesundheit an der
University of Applied Sciences St. Pölten, hob die Bedeutung von
Ausbildung und Qualifizierung hervor: „Wenn wir die Primärversorgung
nachhaltig stärken wollen, müssen wir auch die Kompetenzen jener
Menschen weiterentwickeln, die dort arbeiten.“ Gute Zusammenarbeit
entstehe dort, wo Gesundheitsberufe die Arbeit und Kompetenzen der
jeweils anderen Berufsgruppen kennen und verstehen.
Interprofessionelle Ausbildungsangebote seien dafür eine wichtige
Grundlage.
Aus Sicht der Pflege verwies Karin Enzlmüller, diplomierte
Gesundheits- und Krankenpflegerin im PVE Linz-Süd, auf die Potenziale
der Gesundheitsberufe: „Wir müssen nicht immer neue Kompetenzen
schaffen. Wir müssen den Mut haben, jene Kompetenzen zu nutzen, die
Pflegepersonen bereits besitzen und gesetzlich ausüben dürfen.“ Die
Perspektive der jungen Generation brachte Karina Schweiger,
Vertreterin der jungen Allgemein- und Familienmedizin, ein. Sie
betonte die Bedeutung von Ausbildung und Lehrpraxis: „Wenn wir die
Primärversorgung stärken wollen, dann muss die Ausbildung konsequent
mitgedacht werden.“
Zwtl.: Plattform Primärversorgung als Vernetzungsdrehscheibe
Das Mitgliedertreffen der Plattform Primärversorgung brachte rund
200 Interessierte aus Praxis, Wissenschaft, Gesundheitsberufen,
Sozialversicherung und Politik zusammen. Organisiert wurde die
Veranstaltung von der Plattform Primärversorgung der Gesundheit
Österreich GmbH (GÖG) in Kooperation mit dem NÖ Gesundheits- und
Sozialfonds (NÖGUS), der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), dem
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz sowie der University of Applied Sciences St.
Pölten.
Die Plattform Primärversorgung unterstützt den Ausbau und die
Weiterentwicklung der Primärversorgung in Österreich durch
Vernetzung, Information, Qualifizierung und Wissenstransfer. Das
Mitgliedertreffen zeigte einmal mehr: Die Primärversorgung hat sich
als zentrale Säule eines modernen Gesundheitssystems etabliert. Nun
gilt es, die hohe Dynamik der vergangenen Jahre zu nutzen, um den
Ausbau weiter voranzutreiben und gleichzeitig die Zusammenarbeit,
Qualität und Attraktivität der Versorgung weiter zu stärken.
Weiterlesen: https://primaerversorgung.gv.at/