Wien (OTS) – Der mit 10.000 Euro dotierte H.C.-Artmann-Preis der
Stadt Wien geht
an den Dichter Michael Donhauser. Der Preis für herausragende
Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik wird von Kulturstadträtin
Veronica Kaup-Hasler am 15. September 2026 um 18:00 Uhr im Wiener
Kabinetttheater überreicht. Die unabhängige Fachjury begründete ihre
Entscheidung wie folgt:
„Michael Donhauser hat sein schriftstellerisches Werk auf ein
lyrisches Dichten ausgerichtet. Seit seinem Debüt „Der Holunder“, das
1986 erschien, hat er mit beeindruckender und zugleich
kontinuierlicher Schreibarbeit ein umfangreiches Oeuvre von
herausragender literarischer Bedeutung vorgelegt. Im Zentrum steht
dabei das nachhaltige Interesse an der poetischen Form und Sprache.
Mit den Mitteln der Literatur, aber auch mit dem Blick auf ihre
Geschichte gelten seine Anstrengungen immerzu dem Ziel, sinnlichen
Erfahrungen und Wahrnehmungen Gestalt zu geben. Kaum ein Dichter
zeigt uns besser, wie man heute über Landschaft, Natur und Dinge
schreiben kann, kein anderer hat aber auch ein so explizites
Verfahren der Lektüre entwickelt wie er. Sein Werk vereint auf eine
singuläre Weise lyrische Energien wie Rausch, Rhythmus und Melodie,
die uns immer wieder jenes spezifische Potential der Sprache vor
Augen führen, das uns viel zu oft abhandenkommt. Die Literatur von
Michael Donhauser durchbricht so sinnhaft Gewohntes, um uns auf
sinnlich Neues vorzubereiten.“
Zwtl.: Wiens Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-
Hasler:
„Michael Donhauser ist ein Lyriker, der in besonderer Weise an H.
C. Artmann anschließt: Das Werk des vielsprachigen Dichters Donhauser
changiert lautlich zwischen den Sprachen. Seine Lyrik gibt der Stille
ebenso Raum wie der aus dem Vollen schöpfenden Naturbeschreibung.
Donhauser verbindet dabei traditionelle lyrische Formen mit moderner
und expressionistischer Poesie, in der Satzgrenzen aufgehoben und
Assoziationsräume eröffnet werden. Im Zentrum steht sein Vertrauen in
die Kraft des Wortes: Sprache ist für ihn nicht nur Mittel der
Beschreibung, sondern eine eigene Form der Welterfahrung. Diese Liebe
zur Sprache und zum Leben prägt sein gesamtes lyrisches Schaffen.
Nicht zuletzt darin ist er H.C. Artmann, der am heutigen 12. Juni
seinen 105. Geburtstag gefeiert hätte, ein würdiger Nachfolger.“
Zwtl.: Der Preisträger
Michael Donhauser wurde 1956 als österreichischer Staatsbürger in
Vaduz geboren und lebt seit Mitte der 1970er Jahre in Wien als
freischaffender Autor und Übersetzer aus dem Französischen. Sein
Schaffen umfasst Lyrik, lyrische Prosa und Essays. Zuletzt erschien
der Band „Unter dem Nussbaum“, der Lyrik und Prosa aus beinahe vier
Jahrzehnten vereint und 2025 für den Österreichischen Buchpreis
nominiert war.
Sein Werk wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem
Christine-Lavant-Lyrikpreis (1995), Mondseer Lyrikpreis (2001), Ernst
-Jandl-Preis (205), Georg-Trakl-Preis für Lyrik (2009) und dem
Heimrad-Bäcker-Preis (2019).
Zwtl.: Der Preis
Der H.C.-Artmann-Preis wurde 2004 von der Kulturabteilung der
Stadt Wien zu Ehren des im Jahr 2000 verstorbenen Wiener Dichters
H.C. Artmann ins Leben gerufen. Er richtet sich an in Wien lebende
Autor*innen, die herausragende Werke im Bereich der Lyrik verfasst
haben und wird im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben. Mit einer Dotierung
von 10.000 Euro ist der Preis die höchste Auszeichnung der Stadt Wien
im Bereich der Lyrik. Frühere Preisträger*innen waren u.a. Margret
Kreidl (2024), Julian Schutting (2022) und Elfriede Czurda (2014).
Die regelmäßig wechselnde Jury bestand in diesem Jahr aus Andreas
Brandtner, Jürgen Thaler und Annemarie Türk.