100. Geburtstag Ingeborg Bachmann, 50. Bachmannpreis: Umfangreicher ORF-Programmschwerpunkt zum Doppeljubiläum (OTS Teil 2)

Wien (OTS) – Ö1 widmet Ingeborg Bachmann anlässlich des
Doppeljubiläums von 19.
bis 29. Juli 25 Sendungen – vom „Ö1 Hörspiel“ über eine „Radiokolleg“
-Reihe oder „Tonspuren“ bis zu „Im Gespräch“. Das Programm im Detail
ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/bachmann .

Zum Auftakt liest Michou Friesz im „Ö1 Essay“ (11.05 Uhr) am
Freitag, den 19. Juni aus Ingeborg Bachmanns „Die Wahrheit ist dem
Menschen zumutbar. Essays, Reden, Kleinere Schriften“.

Im „Ö1 Hörspiel“ (14.00 Uhr) am Samstag, den 20. Juni steht ein
Stück Radiogeschichte aus dem Jahr 1952 auf dem Programm: Ingeborg
Bachmanns erstes Hörspiel „Ein Geschäft mit Träumen“, basierend auf
einer kurz davor entstandenen Erzählung. Nach Abschluss ihres
Studiums arbeitete die junge Schriftstellerin im Script-Department
des von den USA kontrollierten Nachkriegssenders „Rot-Weiß-Rot“ in
Wien. Und dort wurde auch der Genre-Erstling der damals 26-Jährigen
produziert. Unter der Regie von Walter Davy wirkten u. a. Wolf Neuber
(Laurenz), Traute Servi (Anna), Eric Frey (Herr Mandl), Ulrich Bettac
(Der Generaldirektor) und Erich Schenk (Der Verkäufer der Träume)
mit.

Am Sonntag, den 21. Juni liest Dörte Lyssewski in „Du holde
Kunst“ (8.15 Uhr) Auszüge aus Bachmanns Frankfurter Vorlesungen, die
sie im Wintersemester 1959/60 als erste Dozentin der neugegründeten
Gastdozentur für Poetik an der Universität Frankfurt am Main gehalten
hat. Die Bachmann-Gedichte dazwischen spricht Joseph Lorenz. Ab 10.05
Uhr begibt sich „Ambiente“ auf die Spuren von Bachmann in Rom.
„Ingeborg Bachmann und ihr Erbe“ ist Thema von „Ex libris“ (16.00 Uhr
) mit den Bachmannpreisträgerinnen Nava Ebrahimi und Maja Haderlap
sowie dem Bachmannpreisträger Ferdinand Schmalz, Bachmannjurorin
Daniela Strigl und Bachmannjuror Klaus Nüchtern. In „Zeit-Ton“ (20.58
Uhr) ist der Mitschnitt einer Uraufführung nach der Bachmann-
Erzählung „Die Karawane und die Auferstehung“ zu hören: „Frühling.
Leeres Land.“ von Wolfgang Sauseng, bei Imago Dei 2026 aus der Taufe
gehoben vom Chorus sine nomine, dem Mobilis Saxophonquartett und
einem Gesangs-Quintett.

Zwtl.: „Die Qualen der Freiheit“

„Ich grenz noch an ein Wort und ein andres Land“ lautet der Titel
der von Literaturkritiker und Übersetzer Cornelius Hell gestalteten
„Gedanken für den Tag“ von Montag, den 22. bis Samstag, den 27. Juni
jeweils ab 6.57 Uhr in Ö1. Das „Radiokolleg“ „Ingeborg Bachmann – Die
Qualen der Freiheit“ von Montag, den 22. bis Donnerstag, den 25. Juni
jeweils ab 9.05 Uhr würdigt Leben und Werk der Schriftstellerin im
Lichte aktueller Forschungsergebnisse und Publikationen. Die vier
Teile thematisieren „Die Kärntner Jahre“ (22.6.), „Aufbruch und
Ankommen“ (23.6.), „Liebe – Bruch – Abgrund“ (24.6.) und „Die
italienischen Jahre“ (25.6.).

In der „Blauen Stunde“ am Montag, den 22. Juni ab 21.00 Uhr
spricht Regisseurin und Drehbuchautorin Beate Thalberg über das
ORF/3sat-Projekt „Die Nacht der Verlorenen“ – die szenische Umsetzung
des Bachmann-Gedichts – mit den Stimmen von Thea Ehre, Lilith Häßle
und Harald Schrott.

Am Dienstag, den 23. Juni bringen die „Tonspuren“ (16.05 Uhr) das
Feature „Die Verbrennung“ um Berichte, Erinnerungen und Mutmaßungen
zum Tod von Ingeborg Bachmann in Rom. 2014 veröffentlichte die
Lyrikerin und Bachmann-Vertraute Christine Koschel ein Protokoll der
Wochen zwischen Bachmanns schwerem Brandunfall am 25. September und
ihrem Ableben am 17. Oktober 1973. Das Stück folgt den Erinnerungen
Koschels, ergänzt und relativiert durch Kommentare aus anderen
Quellen. Ausschnitte von Tonbandaufzeichnungen Bachmanns, aufgenommen
im letzten Sommer ihres Lebens für einen TV-Film, wechseln mit
Passagen aus ihrem Werk. Die Schriftstellerin spricht über ihr Leben
in Rom, über das Schreiben und die Musik, über Faschismus und die
Beziehungen von Männern und Frauen. Zitiert wird aus ihren
Traumaufzeichnungen, Briefen an Ärzte, aus ihren literarischen
Texten. Die Stimmen, begleitet von einer subjektiven, beobachtenden
Erzählerin auf dem Weg durch Rom, verweben sich zu einem Bild der
Dichterin an der Schwelle des Todes.

In den „Passagen“ (21.00 Uhr) am Mittwoch, den 24. Juni ist die
Aufzeichnung einer „Literarischen Soirée“ aus dem ORF RadioKulturhaus
zu hören. Zu sehen ist sie bereits in der Vorwoche im „kulturMONTAG“
(15. Juni, 23.15 Uhr, ORF 2.) Als Gäste von Günter Kaindlstorfer
debattieren Thoralf Czichon (YouTube-Kritiker), Karin Fleischanderl (
Herausgeberin „Kolik – Zeitschrift für Literatur“) und Johanna Öttl (
Alte Schmiede, Wien) u. a. über die Neuerscheinungen „Zwei Menschen
sind in mir“ von Andrea Stoll und „Dieses unruhige Ich – Ingeborg
Bachmann“ von Dieter Burdorf.

Zwtl.: „Der gute Gott von Manhattan“

Am Donnerstag, den 25. Juni liest Anna Rieser in den
„Radiogeschichten“ (11.05 Uhr) aus Bachmanns Roman „Malina“, ab 19.30
Uhr ist im „Ö1 Konzert“ eine Aufnahme aus dem ORF RadioKulturhaus zu
hören: Im Rahmen der Reihe „Orgel im Fokus“ hat Gerti Drassl im Mai
Texte von Ingeborg Bachmann gelesen, Valeria Lanner war an der Orgel
zu hören.

In „Im Gespräch“ (16.05 Uhr) am Freitag, den 26. Juni spricht
Julia Zarbach mit Heinz Bachmann, Bruder und Nachlass-Verwalter von
Ingeborg Bachmann, über Erinnerungen, Verantwortung und die bleibende
Bedeutung des Werks seiner Schwester.

Eine Neuproduktion von Bachmanns letztem, 1957 entstandenen
Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ steht im „Ö1 Hörspiel“ am
Samstag, den 27. Juni ab 14.00 Uhr auf dem Programm. Was geschieht,
wenn zwei Menschen einander radikal lieben – jenseits aller Regeln,
jenseits aller Vernunft? Und wer oder was sorgt dafür, dass genau das
nicht geschehen darf? Bachmann stellt in „Der gute Gott von
Manhattan“ genau diese Frage. Die neue Bearbeitung und Inszenierung
von Elisabeth Weilenmann holt den preisgekrönten Text akustisch in
die Gegenwart – durch die Adaptierung der Modulation und die
Neugestaltung der akustischen Dimension in Zusammenarbeit mit der
Komponistin Anna Bauer. Aber auch inhaltlich erscheint Bachmanns Text
hochaktuell, stellt er doch die Frage: Wieviel Intensität verträgt
eine Gesellschaft? Welche Formen von Nähe sind erlaubt und welche
werden sanktioniert? Und warum sind es zumeist die Frauen, die den
höchsten Preis zahlen? In der diesjährigen ORF/DLR-Produktion wirken
u. a. Marie-Luise Stockinger, Max Simonischek, Markus Hering, Roland
Koch, Alina Fritsch, Markus Meyer, Katja Kolm, Maria Happel und Nils
Arztmann mit.

„Ex libris“ (16.05 Uhr) sendet am Sonntag, den 28. Juni vom
Bachmannpreis in Klagenfurt, der diesjährige Siegertext ist am
Montag, den 29. Juni ab 11.05 Uhr in den „Radiogeschichten“ zu hören.
Das Programm im Detail ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/bachmann
.