„Zukunft des Geschmacks in Gefahr“ – Europas Küchenchef:innen kritisieren EU-Saatgutgesetz

Straßburg, Wien, Schiltern (OTS) – 122 Küchenchef:innen und
Gastronom:innen aus 19 europäischen Ländern
warnen heute in einem offenen Brief an das EU-Parlament und die
Landwirtschaftsminister:innen, dass Europa in eine Zukunft mit
weniger Vielfalt, weniger Geschmack und mit einem weniger
widerstandsfähigen Ernährungssystemen zu schlittern droht. „Unsere
Küchen sind auf vielfältige, hochwertige und geschmackvolle Zutaten
angewiesen. Diese entstehen aus einer reichen Vielfalt an Saatgut.
Diese Vielfalt ist nicht nur für unsere Küche essenziell, sondern
auch für kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit und die Zukunft unserer
Ernährung“ , schreiben die Köch:innen. In einer Woche, am 15. Juni
2026, gehen die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht
zwischen EU-Parlament, Kommission und den
Landwirtschaftsminister:innen der Europäischen Union zu Ende.

„Moderne Kulturpflanzen werden häufig auf hohe Erträge und lange
Haltbarkeit gezüchtet – meist auf Kosten von Geschmack und Nährwert“
, beklagen die Köch:innen aus ganz Europa, darunter Sternekoch Paul
Ivić vom Wiener „TIAN“, die Schweizer Naturköchin und Bio-Bäuerin
Rebecca Clopath, Sternekoch Thomas Imbusch vom Hamburger Restaurant
„100/200”, Haubenkoch Peter Fankhauser vom Tiroler „Guat’z Essen“,
Jacob Holmström von „Restaurang Fyr” aus Schweden oder Paul Kolarik
von der Wiener „Luftburg” , dem größten Bio-Restaurant der Welt.

„Mit dem neuen EU-Saatgutrecht droht wertvoller Geschmack von
unseren Speisekarten zu verschwinden. Unser Ernährungssystem könnte
zu einer Ein-Rezept-Küche werden“ , warnt Paul Grabenberger,
Saatgutrechts-Experte von ARCHE NOAH, der österreichischen
Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.

Die Köch:innen fordern

– das Recht der Landwirt:innen, ihr eigenes Saatgut anzubauen,
auszutauschen und zu verkaufen;

– Unterstützung für kleine und lokale Saatguterzeuger:innen;

– Weitgehende Freiheiten statt bürokratischer Schikanen für
Organisationen und Netzwerke, die traditionelle und regionale Sorten
erhalten und weiterentwickeln.

Das Rezept für den Erhalt der Artenvielfalt: ein modernes EU-
Saatgutrecht

Aus Sicht der unterzeichnenden Top-Köch:innen und –
Gastronom:innen entscheiden die aktuellen Verhandlungen in Brüssel,
welche Sorten überleben werden, was Landwirt:innen anbauen dürfen und
was in Zukunft auf unseren Tellern landet. „Jede verlorene Sorte
bedeutet einen verlorenen Geschmack, eine verlorene Tradition und ein
verlorenes Stück unserer Zukunft“ , erklären die Köch:innen in ihrem
gemeinsamen Appell.

Paul Ivić, CEO und Küchenchef des vegetarischen Sternerestaurants
TIAN in Wien sagt: „Ein starkes Europa lebt von Unabhängigkeit. Wir
schützen Saatgut nicht, weil es um Samen geht. Wir schützen es, weil
Vielfalt Freiheit schafft und unabhängige Bäuerinnen und Bauern
Ernährungssicherheit für uns alle sichern. Wo Macht und Vielfalt in
den Händen weniger konzentriert werden, geraten Demokratie und
Ernährungssicherheit gleichermaßen in Gefahr.“ Und Paul Kolarik von
der Wiener Luftburg ergänzt: „Die Zukunft der Wiener Küche
entscheidet sich nicht nur in Restaurants, sondern bereits auf den
Feldern und vor allem in der Verfügbarkeit von vielfältigem Saatgut.”

„Der offene Brief zeigt, dass das neue Saatgutrecht alle
europäischen Bürger:innen betrifft“, sagt Paul Grabenberger von ARCHE
NOAH. „Die Botschaft von Europas Küchenchef:innen ist ein klarer
Aufruf an die EU-Politik, Saatgutvielfalt zu schützen und damit
Ernährungssicherheit und kulinarische Vielfalt für kommende
Generationen zu sichern.“

Zum offenen Brief: www.arche-noah.at/media/chefsletter.pdf

Die Liste der Unterzeichner:innen: www.arche-
noah.at/media/2026_signs_chefs_letter.pdf