Wien (OTS) – Die Industriellenvereinigung (IV) bekennt sich klar zum
Grundsatz
„gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Neue Regulierungen, die diesem
Ziel dienen sollen, müssen aber praxistauglich,
wirtschaftsverträglich und ohne überschießende Bürokratie umgesetzt
werden. All dies ist nach den bisherigen Arbeitstexten des
Ministeriums zur Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie gerade
nicht gewährleistet, es drohen massive zusätzliche Belastungen für
Unternehmen – mit neuen Bürokratiepflichten, erheblichem
Verwaltungsaufwand und überschießenden Sanktionen für Unternehmen
jeglicher Größe. „Die Lohntransparenz darf nicht zu einer
Lohnbürokratierichtlinie werden. Es braucht praxistaugliche
Regelungen, die unsere etablierten sozialpartnerschaftlichen
Entlohnungssysteme auf Kollektivvertragsebene anerkennen und nicht in
Frage stellen. Für gleichwertige Arbeit müssen selbstverständlich
auch Leistungs- und Marktkriterien sachlich berücksichtigt werden
können. Gold Plating lehnen wir generell ab“, betont IV-
Generalsekretär Christoph Neumayer. Österreich verfügt bereits heute
mit einer Kollektivvertragsabdeckung von rund 98 Prozent über ein
international anerkanntes System transparenter und nachvollziehbarer
Entgeltstrukturen.
Österreich beim bereinigten Gender Pay Gap unter dem EU-
Durchschnitt
Österreich liegt beim bereinigten Gender Pay Gap nach Eurostat
gemeinsam mit Ländern wie Deutschland, Dänemark, den Niederlanden
oder Finnland unter dem EU-Durchschnitt. Niemand bestreitet, dass es
nach wie vor strukturelle Herausforderungen gibt, die der
unbereinigte Gender Pay Gap aufzeigt. Hier braucht es jedoch eine
sachliche Diskussion zu den eigentlichen Ursachen, wie Berufswahl,
Beschäftigung oder auch geeignete Kinderbetreuungsangebote, statt
zusätzlicher Bürokratie und noch mehr Regulierung. Gut gemeint
bedeutet noch lange nicht gut gemacht. Der Blick über die Grenze
zeigt, dass 25 von 27 EU-Mitgliedern die Lohntransparenzrichtlinie
nicht zeitgerecht umsetzen werden, einzelne Staaten wie Schweden
haben sich ausdrücklich für eine Verschiebung und Überarbeitung der
Richtlinie ausgesprochen. „Es braucht jetzt ein klares Stop-the-Clock
und einen Neustart bei der Richtlinie auf europäischer Ebene, bevor
Europas Unternehmen von der nächsten Bürokratielawine überrollt
werden. Und wir brauchen zudem eine wirtschaftsverträgliche Umsetzung
ohne Gold Plating und ohne nationale Alleingänge“, so Neumayer
abschließend.