Wien (OTS) – Anlässlich des World Fish Migration Day am 23. Mai weist
Kleinwasserkraft Österreich auf das ungenutzte Potenzial bestehender
Querbauwerke hin: Durch die Ausweisung von Beschleunigungsgebieten
könnte die Durchgängigkeit an rund 800 Standorten hergestellt und
zusätzliche erneuerbare Energie für mehr als 160.000 Haushalte
erzeugt werden.
Am 23. Mai macht der World Fish Migration Day weltweit auf die
Bedeutung durchgängiger Flüsse aufmerksam. Fische wandern aus
verschiedensten Gründen: zur Fortpflanzung, für die Nahrungssuche
oder zum Schutz vor widrigen Bedingungen wie Temperaturschwankungen.
Ausreichende Wanderstrecken in heimischen Gewässern sind daher für
viele Fischarten wichtig.
Moderne Kleinwasserkraft ermöglicht Fischdurchgängigkeit
Laut Nationalem Gewässerbewirtschaftungsplan 2021 (NGP) gibt es
in Österreich mehr als 28.000 nicht passierbare Querbauwerke. Der
Großteil davon (85%) entfällt auf Hochwasserschutzbauten.
Neue Kleinwasserkraftanlagen am Stand der Technik im
Fischlebensraum verfügen über Fischwanderhilfen, die für eine
gefahrlose Passage von Wasserlebewesen sorgen. Die ausreichende
Dotation stellt sicher, dass Fische dann wandern können, wenn sie
müssen oder wollen.
Die Durchgängigkeit ist allerdings nicht an allen Standorten
erforderlich: In Gewässerabschnitten, in denen keine Wanderfischarten
vorkommen, fehlt eine fachliche Notwendigkeit für entsprechende
Maßnahmen: „Die Kleinwasserkraft-Branche ist sich ihrer Verantwortung
zur Wahrung des guten gewässerökologischen Zustands bewusst.
Forderungen nach unverhältnismäßigen oder sogar sinnlosen Maßnahmen
gefährden allerdings die Existenz vieler Kleinwasserkraftwerke und
schaden so der Energiewende und damit auch der Ökologie!“, erinnert
Dr. Paul Ablinger, Geschäftsführer von Kleinwasserkraft Österreich.
Während sowohl bei Neubauten als auch bei Revitalisierungen und
Modernisierungen auf die Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen zur
Erhaltung bzw. Verbesserung des Gewässerzustands und zum Schutz von
Fischen geachtet wird, ist die individuelle Standortbeurteilung
essenziell, um Ausbau und Fortbestand der Kleinwasserkraft in
Österreich nicht unnötig zu erschweren.
Durchgängigkeit und Energiegewinnung gemeinsam denken
Aktuell wird das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG)
verhandelt. Dadurch sollten eigentlich auch Beschleunigungsgebiete
ausgewiesen werden – Gebiete, in denen Verfahren deutlich verkürzt
ablaufen sollen.
Bereits vor Monaten hat Kleinwasserkraft Österreich einen
Vorschlag erarbeitet, der diese Beschleunigungszonen bei bislang
nicht durchgängigen Querbauwerken verortet: „Im Zuge des Zubaus eines
Kleinwasserkraftwerks bei diesen Bauwerken könnte dort, wo es
notwendig ist, die Durchgängigkeit wiederhergestellt und so ein
ökologischer Mehrwert geschaffen werden“, so Ablinger.
Insgesamt könnten rund 800 Standorte energetisch genutzt und
ökologisch aufgewertet werden. Das Potenzial liegt bei rund 550
Gigawattstunden Strom pro Jahr – genug für mehr als 160.000
Haushalte.
Im Zuge der EU-Wasserrahmenrichtlinie müssen bis 2027 Gewässer
ohnehin durchgängig gemacht werden – in Österreich sind dafür meist
Gemeinden zuständig. Durch den Bau von Kleinwasserkraftwerken durch
private Betreiber*innen würde somit auch das Budget von betroffenen
Gemeinden geschont werden.
Geschehen ist bis jetzt allerdings nichts. „Problematisch ist vor
allem, dass eigentlich der Bund die Kompetenz hätte, derartige
Gebiete für die Wasserkraft auszuweisen, davon jedoch keinen Gebrauch
macht. Hier wird die Energiewende blockiert, statt sie zu
beschleunigen!“, kritisiert Ablinger.
EABG und Beschleunigungsgebiete dürfen nicht weiter verzögert
werden
Der Beschluss eines starken EABG und die Ausweisung von
Beschleunigungsgebieten ist nicht nur aus energiepolitischen Gründen
sinnvoll, sondern auch aus ökologischen:
„Die Nutzung bestehender Querbauwerke könnte erneuerbare
Stromproduktion und ökologische Verbesserungen sinnvoll verbinden –
ganz im Sinne des World Fish Migration Day!“, so Ablinger
abschließend.