Wien (OTS) – Mitarbeiterinnen der Friedenorganisationen WILPF
(Frauenliga für
Frieden und Freiheit), FriedensforscherInnen und PädagogInnen sind
höchst besorgt über die zunehmende Militarisierung in der
Gesellschaft und in Schulen. Bei der heutigen Fachtagung kritisieren
sie den Ansatz, dass unserer Gesellschaft „kriegstauglich“ und
„wehrfähig“ werden muss. Und sie betonen die Wichtigkeit von
„Friedenstauglichkeit“ für eine Zukunft die nachhaltigen Frieden,
Kooperation statt Konkurrenz, Klimaschutz statt Ausbeutung der Natur,
Gemeinwohl für alle statt Beherrschung durch Superreiche zum Ziel
hat.
Zwtl.: Geistige Landesverteidigung – trojanisches Pferd der
Militarisierung?
„Die in der Verfassung verankerte „Geistige Landesverteidigung“
ist explizit als nichtmilitärisch definiert und erwähnt auch
Friedenspädagogik als ihre Aufgabe“ , so der renommierte
Friedensforscher Werner Wintersteiner. „In klarem Gegensatz zu diesem
Auftrag wird die „Geistige Landesverteidigung“ vom
Bildungsministerium dem Verteidigungsministerium überantwortet und in
der LehrerInnenbildung völlig einseitig durch Offiziere militärisch
umgesetzt. Damit wird die „Geistige Landesverteidigung“ zum
trojanischen Pferd, das die Militarisierung der Bildung in
unauffälliger Weise ermöglicht. Die in den Lehrplänen verankerte
Friedensbildung bleibt auf der Strecke“, warnt Wintersteiner.
FriedensexpertInnen üben bei der Veranstaltung heute gemeinsam
Kritik an dieser Vorgehensweise. Sie weißen darauf hin, dass
Friedenserziehung in den Lehrplänen bereits verankert ist und von
pädagogischen Fachkräften durchgeführt werden muss. Dafür fehlen
jedoch derzeit die finanziellen Mittel. Expertinnen in
Friedensbildung haben kaum Möglichkeiten, in Schulen Ausbildungen zum
Thema Friedenerziehung anzubieten. Auch die LehrerInnenbildung bietet
in dieser Hinsicht viel zu wenig und es fehlt an Ressourcen.
Zwtl.: Wir müssen „friedenstauglich“ statt “kriegstüchtig” werden!
Die Charta der Vereinten Nationen enthält die Verpflichtung für
die 193 Mitgliedstaaten Frieden und Völkerverständigung zu fördern
und alles zu tun um Kriege zu verhindern. Doch wie kann dieses Ziel
erreicht werden, wenn in die militärische Aufrüstung enorm investiert
wird, Friedensbildung und Friedensarbeit jedoch ein Schattendasein
führen? Laut dem schwedischen Forschungsinstitut SIPRI steigen die
Militärausgaben in den letzten Jahren ständig an und betrugen 2025
2.887 Milliarden. Ausgaben für Soziales, Gesundheit, Pflege, Bildung
und Kultur, Frauen/Menschenrechte, Entwicklung und Klimaschutz
steigen jedoch nicht, sondern sinken sogar. Ist unsere Welt durch die
gesteigerten Militärausgaben sicherer geworden? Nein, denn mit der
Militarisierung ist auch die Zahl der bewaffneten Konflikte und
Kriege enorm gestiegen. Höhere Militärbudgets führen nicht zu mehr
Sicherheit, sondern zur Verschärfung von Konflikten und Spannungen,
zum Kampf um Rohstoffe und Ressourcen, zu mehr Klimakatastrophen und
Fluchtbewegungen, wie der aktuelle Bericht des Generalsekretärs der
Vereinten Nationen „Die Sicherheit, die wir brauchen: Umschichtung
der Militärausgaben für eine nachhaltige und friedliche Zukunft
Zwtl.: (Junge) Menschen wollen keinen Krieg – Völkerrecht statt Recht
der Stärkeren
Die überwiegende Zahl von Menschen lehnen Kriege als Mittel der
„Konfliktlösung“ oder „Interessensdurchsetzung“ ab. „Die aktuelle Ö3
Jugendstudie zeigt, dass zwei Drittel der 16 – 25-jährigen eine
Verlängerung des Wehrdienstes ablehnen . Die Zusammenarbeit innerhalb
der europäischen Staaten wird von 89% der Jugendlichen als bedeutend
gewertet, jedoch eine gemeinsame europäische Armee lehnen 62% der
Befragten ab “, so Jugendcoach Regina Blümel.
Damit wählt die junge Generation den Weg der Kooperation, um die
großen Problemlagen beziehungsweise Krisen unserer Zeit erfolgreich
anzugehen. Sie erwartet von der Gesellschaft die Bereitschaft zu
neuen kreativen Denkweisen, um in Europa konstruktive, diplomatische,
zivile und zivilgesellschaftliche Veränderungen, Frieden und die
Stärkung der Demokratie voranzubringen. Es musss das Völkerrecht
herrschen, nicht das Recht der Stärkeren. Jugendliche und Frauen
müssen als ernstzunehmende PartnerInnen verstärkt einbezogen werden.
„An erster Stelle sollten Investitionen in die Verbesserung
schulischer Rahmenbedingungen für SchülerInnen und ihre Lehrpersonen
sowie in schulische Präventionsprogramme – wie die Förderung von
Lebenskompetenzen und den Ausbau sozialer Dienste stehen, um die
persönliche Resilienz der Kinder und Jugendlichen zu stärken“, so
Blümel weiter.
Zwtl.: Forderung nach einen Betha von Suttner Friedensfond von 50
Millionen Euro als ersten Schritt in Richtung aktiver Friedenspolitik
„Wir fordern die Regierung dringend auf, ausreichende Mittel für
die umfassende Umsetzung der Friedensbildung in der Gesellschaft und
Friedenserziehung in Schulen durch PädagogInnen und ExpertInnen der
Friedensarbeit bereitzustellen. Als Start soll ein Bertha von Suttner
Friedensfond mit einem Etat von 50 Millionen Euro bereitgestellt
werden, der auf die wichtige Rolle von Frauen und die Jugend in der
Friedensbildung fokussiert“, so Rosa Logar, Vorsitzende von WILPF,
der ältesten Frauenfriedensorganisation der Welt, gegründet 1915.
„50 Millionen Euro, das ist halb so viel wie ein Eurofighter
kostet, soviel muss uns die Friedensbildung wert sein, nachdem heuer
das Budget des Bundesheers um 369,8 Millionen auf 4,76 Milliarden
Euro aufgestockt wird und bis 2023 der weitere Ausbau des
Militärbudgets auf 16 Milliarden geplant ist, “ so Logar weiter. Eine
aktive Friedenspolitik ist dringend notwendig um die Eskalation von
Gewalt und insbesondere den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern. „
Dafür soll das Friedensbudget in den nächsten Jahren auf 500
Millionen Euro ausgebaut und ein Friedensministerium eingerichtet
werden, denn derzeit gibt es keine Zuständigkeit für Friedenspolitik
“ fordert Rosa Logar.
Zwtl.: Expert*innen stehen für Interviews bereit
Die Fachtagung bei der die dargestellten Themen sowie
Alternativen zur Militarisierung diskutiert werden findet heute Do,
21.Mai 2026 von 17h-19h30 im Kulturzentrum Flucc, Praterstern 5, 1020
Wien statt.
Folgende Expert*innen nehmen daran teil: Regina Blümel (
Jugendcoach), Claudia Brunner (Friedensforscherin Universität
Klagenfurt), Alexandra Fischer (Wiener Kinderfreunde), Oskar Kaufmann
(Schüler BRG9), Josef Mühlbauer (Friedensforscher Uni Graz), Theresa
Pfenig (AHS Lehrerin Salzburg), Irmtraud Voglmayr (Feministische
Medienwissenschaftlerin und Soziologin), Werner Wintersteiner (
Friedensforscher) und weiteren Expert*innen.
Moderation: Rosa Logar (WILPF Austria) und Sophia Weber (Attac).
Die ExpertInnen stehen für weitere Auskünfte und Interviews gerne
zur Verfügung.
Pressekontakt: Rosa Logar E-mail: [email protected] , Tel. + 43
664 311 94 58