Wien (OTS) – Der Fachverband Bergbau-Stahl in der Wirtschaftskammer
Österreich (
WKÖ) begrüßt die Zustimmung des Europäischen Parlaments zu der neuen
EU-Handelsmaßnahme für Stahl.
Damit wird das derzeitige System von Schutzmaßnahmen, auch
Safeguards genannt, durch eine völlig neue, eigenständige EU-
Verordnung ersetzt. Auch die darin enthaltenen Maßnahmen sollen die
europäische Stahlindustrie vor den negativen Folgen eines weltweiten
Stahlüberschusses schützen. „Das neue, deutlich verschärfte
Schutzregime ist ein wichtiger Schritt, um den wachsenden
Herausforderungen für den Sektor zu begegnen. Dazu zählen
Stahlimporte auf Rekordniveau, steigende globale Überkapazitäten und
zunehmender internationaler Protektionismus“, sagt Fachverbandsobmann
Andreas Henckel-Donnersmarck.
Details zum neuen EU-Schutzregime:
Die EU-Verordnung, die laut dem WKÖ-Fachverband Bergbau-Stahl mit
den Regeln der Welthandelsorganisation vollständig vereinbar ist,
beinhaltet eine Senkung der zollfreien Einfuhrmengen auf 18,3
Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Das entspricht einer Reduktion um 47
Prozent gegenüber den Stahlquoten von 2024. Auf Einfuhren, die über
die Quote hinausgehen, sowie auf Stahlwaren, die nicht unter die
Quote fallen, wird künftig ein Zollsatz von 50 Prozent anstelle der
derzeitigen 25 Prozent erhoben. Zudem wurde eine bessere
Rückverfolgbarkeit von Stahlerzeugnissen sowie eine frühzeitige
Überprüfung der Zahl der von der Verordnung erfassten Produkte
beschlossen.
Fachverbandsgeschäftsführer Roman Stiftner erachtet es als
„erfreulich, dass die strategische Bedeutung der europäischen
Stahlindustrie vom EU-Parlament anerkannt wurde und eine große
Mehrheit der Abgeordneten für die Maßnahme gestimmt hat“.
Henkel-Donnersmarck/Stiftner: „EU bleibt einer der offensten
Stahlmärkte der Welt“
„Wir begrüßen die starke Unterstützung des EU-Parlaments für die
neue Handelsmaßnahme im Stahlsektor. In einer Zeit zunehmender
geopolitischer Unsicherheit und Marktverzerrungen ist dies ein
wichtiges Signal, dass die EU bereit ist, ihre industrielle Basis,
Sicherheit und Autonomie zu verteidigen“, so Stiftner. Er fügt hinzu:
„Trotz der seit 2018 in Kraft befindlichen EU-Stahlschutzmaßnahmen,
die Importe aufgrund globaler Überkapazitäten abfedern sollen und
offiziell am 30. Juni 2026 auslaufen, bleibt die EU weiterhin einer
der offensten Stahlmärkte der Welt. So können jährlich etwa 18
Millionen Tonnen Stahl zollfrei eingeführt werden.“
Der WKÖ-Fachverband Bergbau-Stahl betont, dass der Schutz der
europäischen Stahlproduktion und die Sicherung der europäischen
Stahlnachfrage Hand in Hand gehen müssen. Daher fordert die
österreichische Bergbau- und Stahlbranche, diesen strategischen
Ansatz auch auf nachgelagerte stahlhaltige Produkte auszuweiten, um
die gesamte europäische industrielle Wertschöpfungskette zu stärken.
Fachverbandsobmann Henkel-Donnersmarck und Geschäftsführer Stiftner
plädieren zudem für weitere Maßnahmen zur Unterstützung des
europäischen Stahlsektors: „Insbesondere wichtig wären Maßnahmen
gegen zu hohe Energiepreise, eine wirksame Kompensation der
indirekten, über die Strompreise weitergegebenen CO₂-Kosten bis zum
Jahr 2030, die Umsetzung eines wirksamen CO₂-Grenzausgleichssystems
sowie Maßnahmen gegen die globalen Überkapazitäten im Stahlbereich.“
(PWK235/JHR)