Wien (OTS) – Wie Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam Lebensräume
erhalten,
Artenvielfalt stärken und hochwertige Lebensmittel hervorbringen
können, zeigen 15 Projekte aus ganz Österreich. Sie wurden im Rahmen
der Ausschreibung WIN #landwirtschaft mit insgesamt 500.000 Euro von
Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung
ausgezeichnet. Die prämierten Vorhaben reichen von revitalisierten
Almen, Bergmähdern und Moorlandschaften bis hin zu Streuobstwiesen,
Trockenrasen und extensiv beweideten Flächen.
Im Zentrum stehen engagierte Bäuerinnen und Bauern, Gemeinden,
Vereine sowie Schutzgebietsmanagements, die gemeinsam rund 200 Hektar
wertvoller Lebensräume renaturieren oder ökologisch aufwerten. Mit
ihrem Einsatz leisten die Landwirtinnen und Landwirte einen wichtigen
Beitrag zum Schutz wertvoller Naturflächen in Ramsar-Gebieten,
Biosphärenparks, Europaschutzgebieten sowie Natur- und Nationalparks.
Es entstehen Rückzugsräume für bedrohte Arten wie den Großen
Feuerfalter, den Großen Brachvogel, das Ziesel, die Smaragdeidechse
oder die Große Kuhschelle.
„ Diese Projekte zeigen, dass Naturschutz und Landwirtschaft
gemeinsam gedacht werden müssen. Wenn Bäuerinnen und Bauern
artenreiche Flächen pflegen, beweiden und weiterentwickeln, entstehen
Lebensräume, hochwertige Lebensmittel und Zukunftsperspektiven für
den ländlichen Raum “, sagt Maria Patek, Vorständin von Blühendes
Österreich und Bundesministerin a.D.
Auch aus Sicht des Vogelschutzes leisten die Projekte einen
wichtigen Beitrag zum Erhalt gefährdeter Arten. Gábor Wichmann,
Geschäftsführer von BirdLife Österreich und Vorstand von Blühendes
Österreich, betont: „ Viele der seltensten Vogelarten Österreichs
sind direkt auf extensiv bewirtschaftete Flächen angewiesen. Ob
Blauracke, Großer Brachvogel oder Zwergohreule: Sie brauchen offene
Weiden und strukturreiche Wiesen. Die ausgezeichneten Projekte
zeigen, wie genau jene Lebensräume renaturiert werden können, die für
das Überleben dieser Arten entscheidend sind. ”
Wie innovative Almwirtschaft und Naturschutz konkret
zusammenspielen können, zeigt das Projekt des Vereins ALPINUS auf der
Wildalm in Neukirchen am Großvenediger. Almbewirtschafterin und
Projektleiterin Claudia Kreiml sieht darin einen wichtigen Impuls für
die Zukunft alpiner Kulturlandschaften: „ Durch die gezielte
extensive Beweidung revitalisieren wir verbuschte Almflächen und
schaffen Lebensräume für seltene Pflanzen und Tierarten. Gleichzeitig
entstehen hochwertige Milchprodukte direkt auf der Alm. Mit unserem
Ansatz möchten wir zeigen, wie innovative Almwirtschaft auch auf
anderen brachliegenden Almen umgesetzt werden kann. “
Zwtl.: Die 15 prämierten Projekte im Überblick
Bergwiesn, Kulturlandschaftserhaltungsverein Steyrtal,
Oberösterreich
Im Naturschutzgebiet Planwiesen in Grünburg werden mehr als vier
Hektar verbuschter ehemaliger Wiesen und Weiden wiederhergestellt.
Durch extensive Beweidung mit Barockeseln, Krainer Steinschafen und
Burenziegen werden wertvolle FFH-Lebensraumtypen und seltene Arten
wie die Sumpfgladiole langfristig gesichert. Blühendes Österreich
unterstützt das Projekt mit 31.000 Euro.
Landschaftspflegeverein Thermenlinie Wienerwald Wiener Becken,
Niederösterreich
Im Natura-2000-Gebiet Wienerwald-Thermenregion werden mehr als neun
Hektar verwaldete ehemalige Hutweiden als Trockenrasen-Weideflächen
wiederhergestellt und mit über 13 Hektar bestehenden Trockenrasen
vernetzt. Die extensive Beweidung mit Schafen, Ziegen und Eseln
stärkt einen europaweit bedeutenden Biodiversitätshotspot und hilft
Arten wie der Großen Kuhschelle, dem Dalmatinischen Lotwurz und der
Österreichischen Heideschnecke. Das Projekt wird mit 64.500 Euro von
Blühendes Österreich unterstützt.
Schutzgebietsbetreuung Stubaier Alpen Wipptal, Tirol
Im Tiroler Wipptal werden Bergmähder, Lärchenwiesen und Almen auf
insgesamt rund zehn Hektar händisch revitalisiert und deren Erhalt
langfristig gesichert. Das Projekt setzt auf händische,
bodenschonende Schwend-Arbeiten und die Wiederherstellung
historischer Waale, um Wasserhaushalt und Standortvielfalt zu
sichern. Das Projekt wird mit 10.000 Euro von Blühendes Österreich
unterstützt.
Kristina Lexova, Niederösterreich
Am Gipfelberg in Hof am Leithagebirge wird ein acht Hektar großer
Halbtrockenrasen durch traditionelle Hutweide mit Schafen, Ziegen und
Eseln erhalten. Ergänzend sorgen gezielte Entbuschungsmaßnahmen sowie
Aktivitäten in Naturvermittlung und Bewusstseinsbildung für den
langfristigen Erhalt des wertvollen Biodiversitätshotspots mit
seltenen Arten wie Große Kuhschelle, Hirschkäfer, Östliche
Smaragdeidechse und Wiener Nachtpfauenauge. Das Projekt wird mit
46.000 Euro von Blühendes Österreich unterstützt.
Anton Unger, Niederösterreich
In den Pischelsdorfer Fischawiesen wird eine ehemalige 19 Hektar
große Grünbrache mit Mutterkühen und Kalbinnen beweidet. Es entsteht
ein strukturreiches Mosaik aus höherer und niedriger Vegetation, das
insbesondere für Brutvogelarten wie den Großen Brachvogel, den
Kiebitz, die Wiesenschafstelze und das Rebhuhn förderlich ist. Das
Gebiet ist Teil des Europaschutzgebiets „Feuchte Ebene-Leithaauen”.
Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit 20.400 Euro.
Gemeinde Leitzersdorf, Niederösterreich
Im Europaschutzgebiet Waschberg wird eine historische Gemeindeweide
durch Beweidung mit Eseln und Schafen revitalisiert. Die
naturschutzgerechte Beweidung stabilisiert auf sieben Hektar
wertvolle Halbtrockenrasen mit zahlreichen gefährdeten Arten wie
Große Küchenschelle, Adriatische Riemenzunge und Schlingnatter.
Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit 38.600 Euro.
Agrargemeinschaft Alpe Gaden Madona, Vorarlberg
In der Kernzone des Biosphärenparks Großes Walsertal wird die Gada
Alp naturschutzorientiert revitalisiert. In Kooperation mit dem
Biosphärenpark Walsertal und der Schutzgebietsbetreuung des Landes
Vorarlberg werden 16 Hektar Almfläche rekultiviert. Die
Agrargemeinschaft stärkt Lebensräume für das Birkhuhn und alpine
Zwergstrauchheiden. Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit
48.000 Euro.
Streuobsterhaltung Mostviertel, Niederösterreich
Im Mostviertel werden 100 bis 200 alte Birnenveteranenbäume
fachgerecht durch den Verein Streuobsterhaltung Mostviertel
geschnitten und zukunftsfit gemacht. Die Rettung alter Birnbäume und
ihrer Sorten-DNA ist essenziell zur Wahrung der Sorten- und
Produktvielfalt für die Region Mostviertel. Das Projekt wird mit
25.000 Euro von Blühendes Österreich unterstützt.
Dieter Jungvogel, Tirol
Auf der Wemeteigenalm in den Kitzbüheler Alpen werden zehn Hektar
Almfläche revitalisiert. Durch Erschließung, Wasserversorgung,
Beweidung mit Yaks und Ziegen sowie naturschutzfachliche Begleitung
wird eine von Verwaldung bedrohte Almfläche wieder nutzbar gemacht.
Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit 35.000 Euro.
Andreas Müllauer, Salzburg
Auf der Hainzalm in Leogang wird eine bisher intensiv beweidete
Fläche von acht Hektar auf extensive Almbewirtschaftung umgestellt.
Kühe und Tauernschecken-Ziegen sorgen künftig für eine
naturschutzorientierte Pflege der Alm. Blühendes Österreich
unterstützt das Projekt mit 15.000 Euro.
Verein lebendige Erde im Vulkanland, Steiermark
Im Europaschutzgebiet Südoststeirisches Hügelland werden zehn Hektar
Ackerflächen in extensive Weideflächen umgewandelt. Die Beweidung mit
Zwergzebus stärkt die Insektenbiomasse und verbessert Lebensräume für
verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Besonders hervorzuheben ist die
Blauracke, die im Gebiet ihr einziges Brutvorkommen Österreichs hat.
Darüber hinaus profitieren weitere Vogelarten wie Kiebitz,
Rotkopfwürger und Wachtel. Das Projekt wird mit 51.000 Euro von
Blühendes Österreich unterstützt.
Anita Arneitz, Kärnten
In Schiefling am Wörthersee wird eine degradierte Niedermoorfläche
von knapp einem Hektar renaturiert. Mosaikartiges Schwenden,
Auflichten von Moorwaldbereichen, Freistellen von Kleingewässern und
eine Probefläche für Streumahd schaffen neue Lebensräume für
Libellen, Amphibien und den Baumpieper. Das Projekt wird mit 19.800
Euro von Blühendes Österreich unterstützt.
Verein Wieseninitiative, Burgenland
In Deutsch Kaltenbrunn wird eine Intensivobstkultur aus den 1960er-
Jahren in eine Streuobstwiese mit artenreichem Unterwuchs umgewandelt
und eine angrenzende alte Streuobstwiese revitalisiert. Damit werden
Lebensräume für Arten wie die stark gefährdete Zwergohreule
geschaffen. Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit 19.900
Euro.
Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, Burgenland
Im Nationalpark werden Pannonische Salzseen, Salzsteppen, Salzwiesen
und subpannonische Steppen-Trockenrasen durch Beweidung mit
Graurindern und Wasserbüffeln gepflegt. Neue Ausrüstung – ein
Viehanhänger und Weidepanels – verbessert die Koordination der
Beweidung auf großen Flächen und stärkt den Erhalt hochrangiger
Schutzgüter. Blühendes Österreich unterstützt das Projekt mit 43.800
Euro.
Verein ALPINUS, Salzburg
Auf der Wildalm im Nationalpark Hohe Tauern wird eine gelenkte
Beweidung mit Kühen, Ziegen, Schafen und Pferden auf 85 Hektar
aufgebaut. Von der extensiven Almbewirtschaftung profitieren
zahlreiche Arten wie die Alpenhummel, der Goldene Scheckenfalter, die
Mehlprimel oder verschiedene Orchideenarten. Die brachliegenden Almen
werden neu belebt und hochwertige Milchprodukte erzeugt. Blühendes
Österreich unterstützt das Projekt mit 30.000 Euro.
Zwtl.: WIN #landwirtschaft im Überblick
WIN #landwirtschaft ist ein Gemeinschaftsprojekt von den BirdLife
Österreich, Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung
und Impact Hub Vienna.
Zusammen wird eine mehrjährige österreichweite
Vernetzungsplattform aufgebaut, die Menschen aus Landwirtschaft und
Naturschutz verbindet.
Das Projekt WIN #landwirtschaft wird im Rahmen des Biodiversitäts
-Calls 77-02 der Ländlichen Entwicklung umgesetzt. Im Fokus steht die
Entwicklung und Förderung innovativer Kooperationen für den Schutz
artenreicher Lebensräume in der Landwirtschaft.
Das Vorhaben wird mit 622.828 Euro gefördert. Zusätzlich stellt
die Pfandspendeninitiative „Dein Pfand fürs Land“ eine Million Euro
bereit, ermöglicht durch Leergutspenden von Kundinnen und Kunden in
BILLA- und BILLA PLUS-Filialen in ganz Österreich. Das
Gesamtprojektvolumen beträgt rund 1,6 Millionen Euro. Die
Projektlaufzeit ist von 2025 bis 2028.
Dieses Projekt wird mit Unterstützung von Bund, Ländern und
Europäischer Union umgesetzt.