Wien/Linz (OTS) – Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat
gemeinsam mit der
Arbeiterkammer Oberösterreich erneut bienenfreundlich ausgewiesene
Pflanzen auf Pestizide getestet . Die positive Nachricht vorweg: Auf
insgesamt sieben Pflanzen wurde kein einziges Pestizid nachgewiesen.
Im Vergleich zum Test aus dem Jahr 2022 eine positive Entwicklung.
Besonders hervorzuheben sind somit die Zwergweichsel und die
Färberkamille vom Gärtnerei – Institut Hartheim des REWISA Netzwerks,
ein Enzian-Ehrenpreis von Baldur Garten, ein Echter Ziest von
Pflanzkompass, eine Schlüsselblume von Praskac, eine Nelke von Hofer
sowie der Moos-Steinbrech von Bellaflora – sie alle waren bei der
Probenahme komplett pestizidfrei.
“Die allgemeine Entwicklung stimmt positiv. Es darf jedoch nicht
sein, dass Pflanzen die dezidiert als bienenfreundlich ausgewiesen
sind, immer noch zur Todesfalle für unsere wichtigsten Bestäuber
werden können. Bienentoxische Pestizide haben hier grundsätzlich
keinen Platz. Entsprechende Rückstände bleiben daher auch bei
rückläufigen Zahlen nicht akzeptabel.”, kritisiert Karolina
Hötzeneder, Teamleiterin Biodiversität und Chemikalien, bei GLOBAL
2000.
Verbesserungsbedarf besteht offensichtlich: Auf 23 Pflanzen
wurden in Summe 41 verschiedene Pestizide festgestellt. Von den 41
Pestiziden gelten neun als hoch bienengiftig. Auf neun Proben (30%)
waren Pestizide nachweisbar, die besonders für Bienen als hochgiftig
gelten – vier von diesen Proben enthielten außerdem mehr als ein
bienengiftiges Pestizid.
Zwtl.: Pestizide durch die Hintertür
Problematisch ist auch der Fund von mehreren Pestiziden, die
keine EU-Zulassung besitzen. Noch immer wurden auf drei Pflanzen
derartige Pestizide nachgewiesen. Auf einer Probe sogar deren vier.
“Europäische Herstellerfirmen verkaufen in Europa nicht mehr
zugelassene Pestizide weiterhin in Drittländer. Dort sind Mensch und
Umwelt den gefährlichen Stoffen ausgesetzt, um danach die fertigen
Pflanzen zurück in die Europäische Union zu importieren. Die
Europäische Kommission muss diesem problematischen Doppelstandard
endlich ein Ende setzen”, analysiert Hötzeneder die aktuelle
Situation.
Zwtl.: Preis wenig aufschlussreich
Offensichtlich keine Rückschlüsse auf den Pestizid-Einsatz gibt
indes der Verkaufspreis. Untersucht wurden Pflanzen in
unterschiedlichen Preiskategorien (ca. 3 Ꞓ bis 30 Ꞓ), verglichen
wurden diese explizit beim Lavendel und Blaukissen.
“Konsument:innen müssen sich auf Informationen aus dem Handel
verlassen können. Wenn Pflanzen als bestäuberfreundlich
gekennzeichnet sind, darf kein bienentoxischer Cocktail darauf zu
finden sein”, resümiert Hötzenender die diesjährigen Testergebnisse.
Zwtl.: Gesetzliche Regelungen fehlen
Aufgrund fehlender gesetzlicher Rahmenbedingungen hat GLOBAL 2000
Pestizid-Richtlinien für Zierpflanzen erarbeitet. In Kooperation mit
Firmen wie bellaflora, Blumen B&B und Hornbach werden regelmäßig
Stichproben zur verbesserten Qualitätskontrolle genommen und auf
Pestizidrückstände untersucht.
Im Rahmen dieses Programms wurden in den letzten Jahren mehr als
1000 Blumen auf Pestizidrückstände analysiert und aktiv an
Reduktionsmaßnahmen gearbeitet. Da alleine in Österreich pro Jahr
rund 16 Millionen Frühblüher und 28 Millionen Beet- und
Balkonpflanzen verkauft werden, ist der Markt aber sehr groß und
divers. Es braucht deshalb neben Eigeninitiativen von Unternehmen
auch dringend mehr Kontrolle durch die öffentliche Hand.
Zwtl.: Weiterführende Infos
– Vollständiger Testbericht
– Reaktionen der Unternehmen
– Der Vergleichstest von 2022
– Ökotox-Index