Hattmannsdorfer: „Die neue Weltwirtschaft zwingt Europa zum Kurswechsel“

Wien (OTS) – Die Weltwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden
Wandel:
Geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren, steigende
Energiepreise und globale Machtverschiebungen verändern
internationale Wertschöpfungsketten grundlegend. Das aktuelle FIW-
Jahresgutachten zeigt dabei klar: Österreichs Außenwirtschaft steht
massiv unter Druck – gleichzeitig entstehen neue Chancen in
Wachstumsmärkten wie Indien, Südostasien oder Lateinamerika.

Im Rahmen der heutigen Präsentation des FIW-Jahresgutachtens
betont Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Notwendigkeit
einer aktiven europäischen Wettbewerbs- und Industriepolitik sowie
einer strategischen Neuausrichtung der Außenwirtschaft.

„Die Studie zeigt klar: Die Weltwirtschaft wird geopolitischer,
härter und strategischer. Während andere Wirtschaftsräume ihre
Industrie absichern, Energiepreise senken und gezielt
Zukunftstechnologien aufbauen, verliert Europa zu oft Zeit mit
Regulierung und Bürokratie. Genau deshalb braucht es jetzt einen
europäischen Wettbewerbsfähigkeitskurs: weniger Klein-Klein, mehr
industrielle Stärke, schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige
Energiepreise und moderne Handelsabkommen mit Wachstumsmärkten wie
Indien, Mercosur oder Südostasien. Europa muss wieder strategisch
handeln – sonst verlieren wir Wohlstand, Industrie und technologische
Souveränität“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

Das FIW-Gutachten zeigt unter anderem, dass die österreichischen
Warenexporte 2025 nominell um 0,5 Prozent zurückgegangen sind,
während die Importe nominell um 4,1 Prozent gestiegen sind. Die
Handelsbilanz verschlechterte sich binnen eines Jahres um 8,8
Milliarden Euro. Gleichzeitig belasten geopolitische Konflikte,
steigende Energiepreise sowie zunehmender Protektionismus
internationale Lieferketten und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit
Europas.

Besonders deutlich wird laut Analyse auch die strategische
Bedeutung neuer Wachstumsmärkte: Indien allein wird bis 2029 ein
zusätzliches Importwachstum von rund 308 Milliarden US-Dollar
verzeichnen. Vor allem Maschinenbau, Industrieanlagen,
Umwelttechnologien und technische Infrastruktur gelten als zentrale
Zukunftssektoren für österreichische Unternehmen.

„Die Ergebnisse der Studie bestätigen unseren
wirtschaftspolitischen Kurs. Österreich muss resilienter und
unabhängiger werden. Deshalb setzen wir mit der Industriestrategie
2035 auf Schlüsseltechnologien, industrielle Skalierung, neue
internationale Partnerschaften und eine stärkere europäische
Souveränität bei Energie, Technologie und Produktion. Klar ist auch:
Energiepreise bleiben ein entscheidender Faktor für unseren Standort.
Deshalb treiben wir den Ausbau heimischer Energieproduktion,
schnellere Genehmigungen und wettbewerbsfähige Industriestrompreise
konsequent voran. Mit dem EABG liegt jetzt die Chance auf dem Tisch,
die Energiewende endlich in die Umsetzung zu bringen – dafür braucht
es jetzt Partner, die Verantwortung übernehmen“ , so Hattmannsdorfer.

„Besonders relevant für die weitere wirtschaftliche Entwicklung
sind derzeit die handelspolitischen Signale aus den USA und die
Entwicklung der fossilen Energieträger. Ein länger anhaltender Nahost
-Konflikt mit der weiteren Blockade der Straße von Hormus würde die
Energiepreise länger hochhalten, zusätzliche Lieferkettenprobleme
auslösen und damit die wirtschaftliche Erholung deutlich dämpfen “,
so Elisabeth Christen, Senior Economist am WIFO.

Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung einer
aktiven Risikominderungsstrategie auf europäischer und nationaler
Ebene. Die jüngsten Energiepreisschocks und die zunehmende
Fragmentierung des Welthandels verdeutlichen, wie wichtig es ist,
strukturelle Abhängigkeiten frühzeitig abzubauen. Der Schwerpunkt
liegt auf der Diversifizierung von Angebots- und Absatzmärkten, der
Vertiefung der Handelsbeziehungen mit regelbasierten Partnern, dem
Ausbau erneuerbarer Energien sowie dem Aufbau widerstandsfähigerer
internationaler Lieferketten.

„Um diese Ziele zu erreichen, muss eine breit angelegte
Industriestrategie aktiv vorangetrieben werden, die kritische
Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Energie und digitalen Technologien
abbaut und gleichzeitig Europas langfristige Wettbewerbsfähigkeit
stärkt“ , so Robert Stehrer, Wissenschaftlicher Direktor des wiiw.

Priv.-Doz. Dr. Klaus Weyerstraß (IHS) verweist insbesondere auf
die Bedeutung von Verlässlichkeit im internationalen Handel: „Mit der
Ankündigung umfassender US-Importzölle ist die handelspolitische
Unsicherheit im vergangenen Jahr auf historische Höchststände
gestiegen. Handelsabkommen reduzieren diese Unsicherheit und geben
den Unternehmen einen stabilen Anker.“

Die Bundesregierung verfolgt daher mit der Industriestrategie
Österreich 2035 das Ziel, Österreich wieder unter die Top-10 der
wettbewerbsfähigsten Industrienationen der Welt zu bringen. Im Fokus
stehen insbesondere Schlüsseltechnologien, industrielle
Transformation, wettbewerbsfähige Energiepreise, Entbürokratisierung
sowie neue internationale Partnerschaften.

Darüber hinaus dient die gemeinsame
Internationalisierungsoffensive go-international des BMWET und der
WKÖ als zentrales Programm zur Unterstützung der
Internationalisierung österreichischer Unternehmen.

Zwtl.: KEY-FACTS zum FIW-Jahresgutachten

– Der „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW)
veröffentlichte am Mittwoch, 19. Mai 2026 sein siebtes
Jahresgutachten zur „Lage der österreichischen Außenwirtschaft“.

– Das Gutachten analysiert die internationalen Rahmenbedingungen,
liefert eine ausführliche Analyse der österreichischen
Außenwirtschaft für das Jahr 2025 und enthält eine Prognose der
österreichischen Außenhandelsentwicklung für die Jahre 2026 und 2027.
Erstmals widmet sich die Studie zudem ausführlich den monetären
Außenwirtschaftsbeziehungen sowie den mittelfristigen Veränderungen
im globalen Handelssystem.

– Im Mittelpunkt der diesjährigen Analyse stehen die wirtschaftlichen
Folgen geopolitischer Spannungen – insbesondere die
protektionistische Handelspolitik der USA, der Nahost-Konflikt und
der daraus resultierende Energiepreisschock.

– Die österreichischen Warenexporte entwickelten sich im Jahr 2025
schwach und gingen nominell um 0,5 Prozent bzw. real um 1,1 Prozent
zurück

– Die Warenimporte entwickelten sich hingegen deutlich dynamischer
und stiegen nominell um 4,1 Prozent bzw. real um 4,8 Prozent.

– Für die Jahre 2026 und 2027 prognostiziert das FIW eine nur
schrittweise Erholung der österreichischen Außenwirtschaft. Im
Hauptszenario dürften die realen Exporte (Waren- und Dienstleistungen
) im Jahr 2026 um 1,5 Prozent und im Jahr 2027 um 2,2 Prozent
wachsen. Die Importe werden mit 1,0 Prozent im Jahr 2026 und 2,0
Prozent im Jahr 2027 ebenfalls nur moderat zulegen.

– Ein deutlich stärkerer und länger anhaltender Energiepreisanstieg
könnte Österreichs Außenhandel erheblich bremsen. In einem
pessimistischen Szenario könnte das Wachstum der realen Exporte im
Jahr 2026 lediglich 0,3 Prozent und im Jahr 2027 nur 1,1 Prozent
betragen. Die Importe könnten im Jahr 2026 sogar leicht zurückgehen,
bevor sie im Jahr 2027 wieder moderat zulegen. Gleichzeitig würde
sich die Handelsbilanz unter dem Druck höherer Energiepreise deutlich
stärker verschlechtern.

– Das internationale Umfeld bleibt herausfordernd. Die Weltwirtschaft
wuchs im Jahr 2025 real um 3,4 Prozent, für 2026 und 2027 wird jedoch
mit einer leichten Abschwächung auf 3,1 Prozent beziehungsweise 3,2
Prozent gerechnet. Während die US-Wirtschaft vergleichsweise
dynamisch wächst, bleiben die Europäische Union und insbesondere
Deutschland als wichtigste Absatzmärkte Österreichs deutlich zurück.
Für den Welthandel wird nach einem kräftigen Anstieg im Jahr 2025
ebenfalls eine Abschwächung erwartet.

– Für Österreich zeigt sich im Jahr 2025 beim real-effektiven
Wechselkurs auf Basis der Lohnstückkosten eine etwas geringere
Aufwertung als im Durchschnitt des Euro-Raums. Diese leichte
Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit relativiert sich
jedoch angesichts der starken inflationsbedingten realen Aufwertung
in den Jahren davor.

– Der Rückgang der Inflation im Euro-Raum hat es der Europäischen
Zentralbank im vergangenen Jahr ermöglicht, die Leitzinsen um
insgesamt einen Prozentpunkt auf 2,0 Prozent (Einlagensatz) zu
senken. Der Energiepreisschock im Gefolge des Kriegs im Nahen Osten
hat jedoch die Inflation wieder deutlich steigen lassen. Die
geldpolitische Lockerung hat in Österreich zu einem Rückgang der
Zinsen auf Unternehmens- und Immobilienkredite geführt.

– Globale Unsicherheit ist ein zentraler Einflussfaktor für
internationale Finanzmärkte und kann die Anfälligkeit von
Volkswirtschaften gegenüber externen Schocks erheblich erhöhen.

– Das FIW-Jahresgutachten steht Ihnen unter
https://www.fiw.ac.at/publications/fiw-jahresgutachten-2026-die-
oesterreichische-aussenwirtschaft/ zum Download zur Verfügung.

Der Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW) bietet
eine Forschungsplattform, Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten
Themen sowie den Zugang zu volkswirtschaftlichen Datenbanken. Das
Kompetenzzentrum FIW ist ein Kooperationsprojekt der
Wirtschaftsuniversität Wien mit der Universität Wien, der Johannes-
Kepler-Universität Linz, der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck,
des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und des
Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche und des
Instituts für Höhere Studien (IHS).

Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Frauen,
Wissenschaft und Forschung (BMFWF) sowie des Bundesministeriums für
Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) finanziert.

Das Jahresgutachten wurde aus Mitteln des BMWET gefördert. Alle
Rechte vorbehalten. Jeder Teil des Inhalts dieses Gutachtens kann
unter Bezugnahme auf die Quelle zitiert werden. Für die Inhalte sind
die Autorinnen und Autoren verantwortlich.

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