Internationaler Tag der Familie: Alleinerzieher*innen kämpfen weiter um Anerkennung

Wien (OTS) – Am Internationalen Tag der Familie, der jährlich am 15.
Mai begangen
wird, setzt sich der Verein Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A
für die die volle gesellschaftliche und politische Anerkennung
vielfältiger Familienformen ein. Denn immer noch werden Familien, die
nicht der idealisierten „Kernfamilie“ entsprechen, diskriminiert.
Dabei ist jede 5. Familie eine Ein-Eltern-Familie, 13% der Familien
mit Kindern sind Lebensgemeinschaften, also etwa unverheiratete Paare
oder Patchworkfamilien. Bei Alleinerzieher*innen mit Kindern unter 15
Jahren besteht laut Statistik Austria die Familie zu 89% aus Müttern
und ihren Kindern.

„Familie ist nicht nur dort, wo die biologischen Eltern und ihre
Kinder zusammenleben. In Österreich gibt es eine Vielzahl von
Familienformen abseits der „Kernfamilie“. Allen voran Alleinerzieher*
innen mit ihren Kindern, aber auch Mehr-Generationen-Familien,
kinderlose Paare oder Patchwork-Familien. Alle haben die vollwertige
Anerkennung in unserer Gesellschaft verdient.“ , erinnert Andrea
Czak, Obfrau des Vereins FEM.A.

Zwtl.: Die Armut und Ausgrenzung von Alleinerzieher*innen und ihren
Kindern steigt

Genau deshalb müsse die Politik in Österreich hinschauen, wo
Familien systematisch abgewertet, finanziell ausgehungert und
politisch im Stich gelassen werden. Laut den aktuellen Zahlen der EU-
SILC Befragung ist die Armutsgefährdung von Alleinerzieher*innen im
Vergleich zum Vorjahr von 34 auf 41% gestiegen. Etwa die Hälfte der
Alleinerzieher*innen ist armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 18% der
Alleinerzieher*innen und ihrer Kinder leben in absoluter Armut, das
entspricht fast jeder fünften Ein-Eltern-Familie. Außerdem können
sich 41 % keinen Urlaub leisten und 44% können keine unerwarteten
Ausgaben begleichen.

„In der Praxis bedeutet das für die Mütter dauerhafte
Existenzängste, denn die Zahlen zeigen auch, dass ihre Armut nicht
vorübergehend ist. Vielmehr ist die Armut der Alleinerzieher*innen
etwa durch fehlende gesetzliche Regelungen im Kindesunterhalt und
niedrige Sozialhilfe vorprogrammiert. Während andere über
Familienwerte sinnieren, leben Alleinerzieher*innen von der Hand in
den Mund und müssen jeden Cent umdrehen.“ , berichtet die FEM.A-
Obfrau Andrea Czak.

Zwtl.: Grund für die Armut der Ein-Eltern-Familien ist der fehlende
Kindesunterhalt

In Österreich gibt es kein eigenständiges Unterhaltsgesetz.
Vielmehr besteht das Unterhaltsrecht fast ausschließlich aus
Judikatur, also aus einzelnen Entscheidungen, die als Leitlinien für
weitere Entscheidungen dienen. Statt eines demokratischen
Entscheidungsprozesses zeichnen also einige Höchstrichter*innen für
das geltende Unterhaltsrecht verantwortlich. Wie viel Unterhalt ein
Kind nach der Trennung der Eltern bekommt, ist jeweils eine
Einzelfallentscheidung. Es fehlt die Rechtssicherheit und somit die
finanzielle Absicherung. Für Alleinerzieher*innen und Kinder bedeutet
das oft Unsicherheit, jahrelange Verfahren, in denen kein Unterhalt
fließt, sowie teils hohe Kosten für die anwaltliche Vertretung. Die
Lage der Kinder ist oft dramatisch: Ihr Lebensstandard hängt davon
ab, ob ein unterhaltspflichtiger Elternteil zahlt, ob ein Verfahren
rechtzeitig abgeschlossen wird und ob die Mutter genug Kraft hat,
sich durch ein undurchsichtiges System zu kämpfen. Laut der
Unterhaltsbefragung der Statistik Austria bekommt nur etwa die Hälfte
der Kinder Unterhalt vom Vater. Auch die Höhe des Kindesunterhalts
ist gering: Fließen Zahlungen, so werden nur etwa ein Drittel der
Kinderkosten gedeckt.

Zwtl.: Fehlender Kindesunterhalt ist ein gesellschaftliches Problem

Andrea Czak, Obfrau von FEM.A, macht darauf aufmerksam, dass
fehlende eigenständige Unterhaltsgesetze nicht nur Alleinerzieher*
innen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt:
„Fehlender oder geringer Kindesunterhalt bedeutet in den meisten
Fällen Kinderarmut. Die Folgen der Kinderarmut tragen wir alle. Nicht
zu vergessen ist auch die Signalwirkung an Frauen: Sie wissen, dass
für sie, wenn sie Mütter werden und die Beziehung nicht hält, eine 50
-prozentige Chance besteht, ihr Leben in Armut oder Ausgrenzung zu
verbringen.“

FEM.A weist weiter darauf hin, dass ein armutssicheres
Kindesunterhaltsgesetz auch für das Budget wichtig ist: Einerseits
kosten die Folgen der Kinderarmut dem Staat jährlich mehrere
Milliarden Euro – allein 2025 geschätzt 18,5 Milliarden. Andererseits
drückt die Kinderarmut jetzt schon auf das Budget, denn wenn der
Unterhalt fehlt oder gering ausfällt, springt der Staat durch
finanzielle Beihilfen ein, da das Familieneinkommen geringer ist.
Etwa mit der Sozialhilfe, der Wohnbeihilfe, dem Heizkostenzuschuss
oder auch in der Bildungsförderung wie Schulbeihilfe oder
Studienbeihilfe.

„Durch fehlende Unterhaltsgesetze und eine Judikatur, die die
Geldbörsen der Unterhaltspflichtigen schont, statt das Kindeswohl an
erste Stelle zu stellen, werden die Kosten für unsere Kinder
hauptsächlich auf die alleinerziehenden Mütter und den Staat
abgewälzt. Ich fordere die Regierung auf, die Unterhaltspflichtigen
zur Verantwortung zu ziehen. Denn Familie endet nicht nach der
Trennung, die Verantwortung bleibt.“ , so Andrea Czak, Obfrau des
Vereins FEM.A bestimmt. Und weiter: „Wer eine rückläufige
Geburtenrate beklagt, muss erst dafür sorgen, dass Mütter mit ihren
Kindern auch dann ein würdiges Leben führen können, wenn die
Beziehung in Brüche geht – oft auch aufgrund von Partnergewalt.“

Zwtl.: Alleinerzieher*innen kämpfen mit gesundheitlichen Problemen

Auch die gesundheitliche Lage von Alleinerzieher*innen zeigt, wie
tief die Belastung geht. 9% der Alleinerzieher*innen gaben bei der EU
-SILC Befragung an, in einem schlechten oder sehr schlechten
Gesundheitszustand zu sein. Bei Eltern in Paarbeziehungen sind es 3%.
Mehr als ein Drittel der Alleinerzieher*innen ist chronisch krank, 8%
sind durch eine Behinderung stark beeinträchtigt, doppelt so viele
wie andere Eltern. Ob Armut, Dauerstress und gesundheitliche
Belastung in jedem einzelnen Fall kausal zusammenhängen, lässt sich
aus diesen Zahlen allein nicht ableiten. Eine Sonderauswertung der
Studie „State of Motherhood in Europe 2024“ von Make Mothers Matter,
durchgeführt von Kantar in zwölf Ländern zeigt aber, dass
alleinerziehende Mütter im Vergleich zu Müttern in Paarbeziehungen
deutlich häufiger unter mentalem Druck stehen. Auch ein Blick auf die
Zeitverwendungsstudie zeigt, dass Alleinerzieher*innen im Schnitt
mehr als alle anderen Erwachsenen arbeiten, wenn man Sorgearbeit und
Erwerbsarbeit betrachtet.

Zwtl.: Auch medial werden Alleinerzieher*innen fallweise abgewertet

Nicht nur finanziell, auch medial werden Ein-Eltern-Familien
entwertet. So kommt es immer noch vor, dass sie als „zerbrochene“,
„zerstörte“ oder „kaputte“ Familien betitelt werden. Vereinsobfrau
Andrea Czak zeigt auf: „Familien zerbrechen nicht durch eine Trennung
– sie leben in einer neuen Form weiter. Zerstörerisch wirken auf
Familie vor allem Partnergewalt und Gewalt gegen Kinder.“ Sie betont
weiter: „Der Internationale Tag der Familie darf kein Feiertag für
Familienidylle sein, während fast jede zweite Ein-Eltern-Familie von
Armut oder Ausgrenzung bedroht ist und ein großer Teil auch von
Gewalt. Wir fassen den Tag als Aktionstag für ein gutes Leben für
alle Familienformen auf.“

Zwtl.: FEM.A fordert deshalb zum Internationalen Tag der Familie:

– Ein armutsfestes Unterhaltsgesetz, das Rechtssicherheit bietet,
statt Familien in oft jahrelange Verfahren zwingt

– Einen Rechtsanspruch auf Verfahrenshilfe mit klaren Regeln

– Gezielte und flächendeckende Vorsorgeprogramme zur Förderung der
psychischen und physischen Gesundheit von Alleinerzieher*innen, etwa
Mutter-Kind-Kuren für alle Altersklassen

Zwtl.: Über FEM.A

Der Verein Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A ist in
Österreich einzigartig mit seinem Beratungs- und Serviceangebot rund
um die Themen Finanzwissen, Unterhalt, Obsorge und Kontaktrecht. Es
reicht von kostenlosen Webinaren mit Rechtsanwält*innen und Psycholog
*innen, Entlastungsgesprächen an der kostenlosen FEM.A-Helpline,
Orientierungsgesprächen zu finanziellen Beihilfen bis zu
Informationen auf der Website, in einem regelmäßigen Newsletter sowie
auf diversen sozialen Medien, Vernetzung, Erfahrungsaustausch und
Lobbying.