Rom/Wien (OTS) – Mit Blick auf die Proteste gegen Israels Teilnahme
am Eurovision
Contest (ESC) ruft der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl zu
Besonnenheit auf. „Musik ist eine Sprache, die die ganze Welt
versteht und über religiöse Grenzen hinweg verbindet“, sagte Grünwidl
im Interview mit Kathpress am Montagabend in Rom. „Ich hoffe, dass
der Eurovision Song Contest auch in diesem Sinn völkerverbindend
ist“, so der neue Wiener Erzbischof, der nach einer Privataudienz bei
Papst Leo XIV. am Montag derzeit mehrere Antrittsbesuche im Zentrum
der Weltkirche absolviert.
Zur Frage eines Ausschlusses Israels von dem Musikwettbewerb,
dessen 70. Ausgabe am Wochenende in Wien ausgetragen wird, wollte
sich Grünwidl nicht äußern. Man müsse das „nüchtern und differenziert
betrachten“.
„Entschieden gegen Antisemitismus“
Eindeutig sei die katholische Kirche in der Frage, wie mit
wachsender Judenfeindlichkeit umzugehen ist, so Grünwidl;
Antisemitismus sei „ganz entschieden entgegenzutreten“. In Österreich
gebe es Platz für jüdisches Leben – „und dafür sind wir sehr
dankbar“.
Weiter verwies der Erzbischof auf den Rat der Religionen in Wien,
in dem alle großen Religionsgemeinschaften vertreten sind. Er sei
persönlich auch in gutem Kontakt mit dem Oberrabbiner, mit dem
Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinschaft.
Für den ESC stellten alle Religionsgemeinschaften Österreichs
gemeinsam ein spirituelles Angebot bereit, sagte Grünwidl. Man sei
vertreten in einem Zelt, wo Menschen „mit Vertretern der
verschiedenen Religionen ins Gespräch kommen und Fragen stellen
können“. Da werde es vielleicht auch um Israel, den Konflikt im
Gazastreifen und überhaupt die Stellung Israels gehen. „Dann haben
wir Gelegenheit, die Haltung der Kirche deutlich zu machen“, so der
Erzbischof.
„Für ESC-Musik ein bisschen zu alt“
Grünwidl (63), der neben Theologie auch Orgel studiert hat und
Klavier spielt, bezeichnete sich als Fan klassischer Musik, etwa von
Bach, Schubert, Beethoven oder Mozart. „Da fühle ich mich zu Hause –
und das ist Musik, die mir Kraft gibt und die ich gut verstehen
kann“, sagte er. „Für die Musik, die beim ESC aufgeführt wird, bin
ich schon ein bisschen aus dem Alter heraus.“ Das sei freilich keine
Abwertung, „sondern einfach mein persönlicher Musikgeschmack“.
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