vida-Eberhart: Hochglanzbroschüren allein machen noch keinen Qualitätstourismus

Wien, (OTS) – Die aktuelle Sommerpotenzialstudie der Österreich
Werbung zeigt eine
stabile Nachfrage und große Reiselust für Urlaub in Österreich. Für
die Gewerkschaft vida ist klar: Damit aus diesem Potenzial
tatsächlich ein nachhaltiger Boom für den heimischen Tourismus wird,
braucht es jetzt dringend bessere Arbeitsbedingungen und verbindliche
Maßnahmen zur Bindung von Beschäftigten.

Personalmangel oft hausgemacht

„Hochglanzbroschüren und internationale Werbekampagnen nützen
wenig, wenn das Personal fehlt, um den versprochenen
Qualitätstourismus überhaupt sicherzustellen“, betont Eva Eberhart,
Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und KV-Verhandlerin. „Wer
Österreich als Qualitätsdestination positionieren will, muss endlich
auch die Menschen in den Mittelpunkt stellen, die diesen Tourismus
täglich möglich machen.“

Die Branche kämpft seit Jahren mit massiven Personalproblemen.
Viele Beschäftigte kehren dem Tourismus den Rücken – nicht wegen
mangelnder Leidenschaft, sondern wegen schlechter Arbeitsbedingungen,
hoher Belastung und fehlender Perspektiven. „Die Beschäftigten
antworten auf ihre Art – indem sie die Branche verlassen“, so
Eberhart. „Wenn Arbeits- und Freizeit kaum planbar ist, Überstunden
zum Alltag gehören und viele trotz Vollzeit kaum über die Runden
kommen, darf sich niemand über den Personalmangel wundern.“

IHS-Studie bestätigt dringenden Handlungsbedarf

Die Gewerkschaft vida verweist in diesem Zusammenhang auf eine
Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zum Fachkräftebedarf in
Österreich, die 2023 veröffentlicht wurde. Darin wird ausdrücklich
zwischen einem tatsächlichen Fachkräftemangel und Personalmangel
aufgrund unattraktiver Arbeitsbedingungen unterschieden. Konkret hält
die Studie fest, dass Personalmangel dann entsteht, wenn Unternehmen
trotz vorhandener Arbeitskräfte diese nicht an sich binden können,
weil ihre Arbeitsbedingungen zu unattraktiv sind. Zudem nennt die
Studie niedrige Entlohnung, schlechte Arbeitsbedingungen und
ungünstige Arbeitszeiten als zentrale Ursachen für Personalprobleme
in Branchen. Auch ein schlechtes Branchenimage verschärft die
Rekrutierungsschwierigkeiten.

Verbesserungen im Kollektivvertrag als Schlüssel

„Genau deshalb braucht es jetzt endlich verbindliche
Verbesserungen im Kollektivvertrag“, fordert Eberhart. „Bessere
Arbeitszeitregelungen, mehr planbare Freizeit und faire Entlohnung
wären sofort umsetzbare Maßnahmen, um Beschäftigte in der Branche zu
halten.“Tourismusstandort braucht Beschäftigte

Die von der Österreich Werbung präsentierten Potenziale mit
Millionen möglicher Gäste seien erfreulich, sagt Eberhart. Ohne
ausreichend Fachkräfte drohe jedoch ein Qualitätsverlust. „Der
österreichische Tourismus lebt von den Menschen, die frühmorgens
Frühstück vorbereiten, Zimmer reinigen, Gäste betreuen oder bis spät
in die Nacht arbeiten. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss
endlich auch in diese Menschen investieren“, so Eberhart
abschließend.