Strukturell benachteiligt, systemisch vergessen – Situation der Frauen am Arbeitsmarkt bleibt weiterhin angespannt

Wien (OTS) – Ende April 2026 waren knapp 400.000 Menschen beim AMS
arbeitslos oder
in Schulung gemeldet. Der Anstieg betrifft dabei vor allem Frauen mit
plus 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung ist
alarmierend und bestätigt, was ABZ*AUSTRIA seit Jahren beobachtet und
benennt. „Was wir hier sehen, ist das Ergebnis struktureller
Benachteiligungen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Frauen sind
in konjunkturell anfälligen Branchen überrepräsentiert, tragen einen
Großteil der unbezahlten Care-Arbeit und verfügen häufig über weniger
finanzielle Absicherung, wenn sie ihren Job verlieren. Die Politik
ist jetzt gefordert, rasch und gezielt zu handeln,“ erklärt Manuela
Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA.

Zwtl.: Frauen ab 45+, Je älter, desto härter

Besonders hart trifft es Frauen ab 45 Jahren:
Altersdiskriminierung, die schrittweise Anhebung des
Pensionsantrittsalters und ein Arbeitsmarkt, der jahrzehntelange
Erfahrung zu wenig honoriert, das ist die Realität vieler
Betroffener. „Wer im höheren Alter, insbesondere ab 60, seinen Job
verliert, steht vor einer Mauer. Das ist eine gesellschaftliche und
wirtschaftliche Verschwendung von Potenzial, die wir uns schlicht
nicht leisten können“, sagt Vollmann. Genau hier setzt das Projekt
„ABZ*Aufbruch 45+“ von ABZ*AUSTRIA, das aus den Mitteln des
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz finanziert wird, mit gezielter Beratung,
Weiterqualifizierung und konkreter Begleitung zurück in den
Arbeitsmarkt an.

Zwtl.: ABZ*Aufbruch 45+ – Beratung, die zu den Frauen kommt

Das Projekt unterstützt und begleitet in Wien Frauen ab 45 Jahren
schon frühzeitig, bevor Arbeitslosigkeit entsteht und sich
verfestigt. Die Zielgruppe umfasst Frauen in geringfügiger oder
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, Frauen, die im
Familienbetrieb ohne soziale Absicherung tätig sind, sowie Frauen,
die seit weniger als sechs Monaten beim AMS arbeitslos gemeldet sind.
Beratung gibt es persönlich, telefonisch, per Video oder im
innovativen Format „Beratung im Gehen“. Ergänzend bieten Workshops zu
Finanzen, Gesundheit und digitalen Kompetenzen sowie Community-
Treffpunkte konkrete Unterstützung und stärken den Zusammenhalt unter
den Teilnehmerinnen.

Zwtl.: Was jetzt gebraucht wird

Manuela Vollmann appelliert seit Jahren an Politik und
Wirtschaft, ältere Frauen am Arbeitsmarkt nicht zurückzulassen. Die
von der Bundesregierung geschnürte „Aktion 55+“ mit 50 Millionen Euro
für 2026 ist für sie ein richtiger, aber nicht ausreichender Schritt:
„Wir brauchen zusätzlich ein innovatives Pilotprojekt in
Zusammenarbeit mit Unternehmen, professionell begleitet und
evaluiert. Ziel ist es, Frauen über 45 frühzeitig Perspektiven zu
eröffnen, bevor Arbeitslosigkeit überhaupt entsteht.“ Darüber hinaus
fordert Vollmann flexible Arbeitszeitmodelle, steuerliche Anreize für
Unternehmen die ältere Frauen einstellen, sowie den gezielten Ausbau
von Qualifizierungsprogrammen, denn einzelne Projekte allein können
strukturelle Versäumnisse nicht wettmachen.

Mehr zu dem Projekt ABZ*Aufbruch 45+:
https://www.abzaustria.at/de/projekte-abz-austria/abz-aufbruch-45