MILIZVERBAND ÖSTERREICH warnt: „Milizsystem vor Kipppunkt!“

Wien (OTS) – Der Milizverband Österreich (MVÖ) fordert eine
unverzügliche
parlamentarische Umsetzung des Modells „Österreich PLUS 8+2“ und
warnt vor einem personellen Kipppunkt des Milizsystems. Die
Frustration unter Milizoffizieren und -unteroffizieren nimmt stetig
zu, das Vertrauen in die Politik sinkt.

„Ein ernsthaft betriebenes Wehrsystem mit personell voll
aufgefüllten und eingeübten Verbänden zu erleben, ist der beste und
grundlegende Anreiz, mehr leisten zu wollen, als es die Norm
verlangt“, betont MVÖ-Präsident Armin Richter. „Genau das erleben
Milizsoldaten seit 20 Jahren nicht – und genau deshalb drängt die
Zeit.“

Mehr als 60 Prozent bzw. deutlich über 30.000 Soldaten des
mobilgemachten Bundesheeres haben aus dem Milizstand zu kommen. Dabei
fehlen aber bereits jetzt Tausende Milizoffiziere und -unteroffiziere
als Rückgrat des Milizsystems. Sie sind die Führungskräfte auf allen
Ebenen, erleben aber seit zwei Jahrzehnten Übungen mit massiven
Abstrichen: nie in voller Personalstärke, nie im realistischen
Gefechtsverband. „Nach mehreren solchen Übungen entscheiden sich
frustrierte Milizkader, ihren Dienst nicht mehr freiwillig zu
verlängern“, warnt Richter. „Zunehmend viele haben nur noch wenige
Miliz-Übungstage offen und stehen vor der Entscheidung, für weitere
Übungstage zu unterschreiben. Sie beobachten die politische Debatte
sehr aufmerksam. Genau hier droht nun der personelle Kipppunkt für
das Milizsystem als Ganzes!“

Milizsoldaten können das Modell 8 + 2 rasch und praktisch
umsetzen – aber nur, wenn ihnen die Politik jetzt ein
vertrauensstiftendes Signal sendet. „Einmal verlorenes
Führungspersonal ist nicht in wenigen Jahren, sondern nur mehr über
Jahrzehnte ersetzbar. Die Zeit drängt daher auch aus strukturellen
Gründen: Bis zur angestrebten Verteidigungsfähigkeit 2032 stehen
vielen Milizformationen nur noch drei gemeinsame Verbandsübungen zur
Verfügung – somit zählt jeder verlorene Tag, der eine
Systemumstellung mit 1.1.2027 verzögert!“

Genau hier liegt das zentrale Problem des Status quo: Seit Jahren
muss der Grundwehrdienst nach nur sechs Monaten faktisch mit der
Basisausbildung des Einzelnen enden. Verbände üben daher nicht mehr
in voller Struktur, Bataillone und Brigaden sind nicht geschlossen
einsatzbereit. Was in Friedenszeiten nicht trainiert wird, muss aber
im Ernstfall nach der Mobilisierung unter Zeitdruck nachgeholt
werden. „Das ist militärisch riskant, politisch untragbar und
verantwortungsethisch nicht vertretbar“, so Richter, denn: „Was wir
heute nicht üben, lässt uns ein Aggressor in der ‚Stunde Null‘
vielleicht gar nicht nachholen. Ausgebildete Milizoffiziere und –
unteroffiziere wissen heute ganz genau, was das dann bedeutet.“

„‚8 + 2‘ ist daher kein Selbstzweck. Es ist die Unterkante
dessen, was notwendig ist, um in wenigen Tagen mobilisieren zu
können, wenn die Bevölkerung das Bundesheer wirklich dringend
braucht!“, betont Richter.

„Es ist somit der nötige und umgehend zu beschließende
Minimalschritt, um das Bundesheer personell wieder so einsatzfähig zu
machen, wie es das Regierungsprogramm vorsieht. Er dient gemeinsam
mit der Verlängerung des Zivildienstes auf mindestens 12 Monate der
Stärkung Österreichs zur Umfassenden Landesverteidigung – so, wie es
sich die Bevölkerung von der Politik erwarten darf“, so Richter.