Initiative Denkmalschutz: Wiener Altstadtschutz mit zweierlei Maß? Die Unlogik von Schutzzonenwidmungen der Stadt Wien!

Wien (OTS) – Morgen, Dienstag, 5. Mai, tagt der Gemeinderatsausschuss
für
Stadtentwicklung. Auf der Tagesordnung steht die geplante Umwidmung
eines großen Teilbereichs der Klinik Ottakring (ehemals
Wilheminenspital; Plan Nr. 8377). In diesem Gremium wird der
rechtsgültige Gemeinderatsbeschluss zur Umwidmung vorbereitet.

Klinik Ottakring: Ohne Schutzzonenwidmung ist die Stadt Wien der
interessierten Öffentlichkeit eine Erklärung schuldig!

Obwohl die beiden Pavillons Nr. 53 und Nr. 63 sowohl im
städtebaulichen Verfahren als auch im Umweltbericht als erhaltenswert
eingestuft wurden, wird auf eine Schutzzonenausweisung verzichtet (
beide Pavillons sind vom öffentlichen Raum (Montleartstraße) gut
sichtbar, seit 2018 ist auch eine Schutzzonenwidmung von
Einzelgebäuden möglich). Wie wird Wiens Politik Hauseigentümern in
Hinkunft erklären, dass deren Haus als Schutzzone gewidmet wird, wenn
die Stadt Wien für sich selbst (WiGev – Wiener Gesundheitsverbund)
weniger strenge Maßstäbe setzt und der WiGev seine Erhaltungsabsicht
quasi jederzeit widerrufen kann? Ein verheerendes Signal an alle
privaten Eigentümer! Wo bleibt das so wichtige Rollenvorbild?

“Kulturelles Erbe“: Umweltbericht mehr als mangelhaft!

Im Umweltbericht sind zwar die beiden Pavillons 53 und 63 sowie
die beiden denkmalgeschützten Pavillons 47 und 64 (bei denen ebenso
auf eine Schutzzone unerklärlicherweise verzichtet wird) im Kapitel
“Sachwerte, kulturelles Erbe” angeführt, doch unterbleibt jegliche
Erklärung, wieso andere historische Bauten offenbar nicht zum
kulturellen Erbe zählen. Nicht nur der große, 1928-32 erbaute
Pavillon 26 mit vielen weiteren kleineren historischen Pavillons soll
dem Spitalsneubau zum Opfer fallen, sondern auch die 1935/36 erbaute
Spitalskirche hl. Kamillus von Lellis. Deren Wandbild “Christus als
Weltenrichter” steht sogar (weiterhin) unter Denkmalschutz(!), was im
Kapitel “Kulturelles Erbe” glatt verschwiegen wird. Auch die
denkmalgeschützte Madonnenfigur vor der (der Zerstörung
preisgegebenen) Kirche wird im Umweltbericht weggelassen, während
andere Objekte (eine Karl-Landsteiner-Gedenktafel und ein
Kaiserdenkmal) sehr wohl erwähnt werden. Vermutlich kein Zufall!