Wien (OTS) – Die erneute Forderung der Wirtschaftskammer nach einer
Senkung der
Lohnnebenkosten stößt beim Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB)
auf scharfe Kritik. „Wer hier kürzt, greift direkt in die soziale
Absicherung der Beschäftigten ein“, warnt ÖGB Bundesgeschäftsführerin
Helene Schuberth.
„Das Jobargument hält keiner Prüfung stand“
Die Chefökonomin weist das WKO-Argument zurück, wonach niedrigere
Lohnnebenkosten automatisch Arbeitsplätze sichern würden: „Es gibt
keine Garantie, dass Unternehmen die Einsparungen tatsächlich in Jobs
investieren. Sicher ist nur: Weniger Geld im Sozialsystem bedeutet
weniger Sicherheit für Arbeitnehmer:innen.“
Weniger Beiträge = weniger Leistungen
Die sogenannten Lohnnebenkosten seien keine Belastung ohne Gegenwert.
„Sie finanzieren Pensionen, Gesundheitsversorgung,
Arbeitslosenversicherung und Familienleistungen. Wer hier kürzt,
kürzt direkt bei den Menschen“, so Schuberth. Die Beschäftigten haben
davon keinen Cent mehr im Börserl.
Profite für wenige statt Entlastung für alle
Besonders kritisch sieht der ÖGB die Verteilungswirkung: Von einer
Senkung würden vor allem große Konzerne profitieren, während
Beschäftigte leer ausgehen. „Wenn der budgetäre Spielraum eng ist,
muss die Einnahmenseite des Staates durch eine faire Besteuerung von
Millionenvermögen, Erbschaften und krisenbedingten Übergewinnen
repariert werden“, fordert Schuberth.
Sozialstaat als Standortvorteil
Ein starker Sozialstaat sei kein Kostenproblem, sondern ein
Standortvorteil. „Österreich braucht keine Debatte über Kürzungen,
sondern über Gerechtigkeit und soziale Sicherheit“, sagt die
Gewerkschafterin abschließend.