Wien (OTS) – Im Vorfeld des 13. Gedenktages zum Einsturz der Rana
Plaza-
Textilfabrik in Bangladesch kritisiert die Menschenrechtsorganisation
Südwind politische Versäumnisse und fordert einen Maßnahmenplan für
eine gerechte Modeindustrie ein. „Auch 13 Jahre nach der Rana Plaza-
Katastrophe setzen Modekonzerne weiterhin bewusst auf
undurchschaubare Lieferketten, in denen Umweltstandards leicht
umgangen und Arbeiter:innen mit Hungerlöhnen abgespeist werden – und
das alles für Kleidung, die kaum getragen auf Deponien im Globalen
Süden landet“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für nachhaltige
Mode. „Die Lösungen liegen schon lange auf dem Tisch. Doch die
Politik bleibt effektive Schritte schuldig.“ Aus diesem Grund startet
Südwind eine neue Petition unter dem Titel „Just Fashion. Für eine
gerechte Modeindustrie“ und fordert von der österreichischen
Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan.
Zwtl.: Überschaubare Fortschritte, anhaltende Probleme
Die strukturellen Verbesserungen seit dem Rana Plaza-Einsturz,
der über 1.100 Menschen das Leben gekostet hat, bleiben bis heute
überschaubar und konzentrieren sich vor allem auf den Bereich
Brandschutz und Gebäudesicherheit. Nach intensivem Lobbying von
Wirtschafts- und Industrieverbänden wurde die EU-
Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) so sehr abgeschwächt, dass nun fast
die gesamte Modebranche davon ausgenommen ist und diese weiterhin
keine Verantwortung für Menschenrechtsvergehen entlang ihrer
Lieferkette übernehmen muss. In Österreich gilt das EU-
Lieferkettengesetz nur für zwei bis drei Unternehmen. Bemerkenswert
ist dies vor allem deshalb, weil der Einsturz der Rana Plaza-
Textilfabrik einen der wichtigsten Auslöser für das weltweite Bemühen
um eine verbindliche Konzernhaftung darstellte.
„Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von
Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast
Fashion wird in der Regel unter menschenunwürdigen und unsicheren
Bedingungen produziert und nicht selten unter Zwang”, sagt Südwind-
Expertin Lena Gruber. „Gerade in Zeiten, in denen Teuerung und
Wirtschaftskrise den Handlungsspielraum von Konsument:innen
einschränken und mit Chemikalien belastete Ultra-Fast-Fashion unseren
Markt überschwemmt, braucht es Rahmenbedingungen für gerechten,
nachhaltigen Konsum – ganz besonders im Hochrisikosektor Mode und
Textilien.“
Zwtl.: Fragmentierte Gesetzeslage, mangelhafte Umsetzung
Für Südwind besteht ein Kernproblem in der fragmentierten
Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung
zur Folge hat. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine
Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden,
zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit
bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken,
bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen
Informationszugang sicherzustellen.
EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast-Fashion
Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green
Transition oder der Digital Service Act – werden in Österreich nicht
konsequent umgesetzt. Auch in Bezug auf die EU-
Zwangsarbeitsverordnung muss Österreich eine wirksame Umsetzung
sicherstellen und Ressourcen bereitstellen. Zusätzlich führen
mangelhafte Kontrollen beim Export von Altkleidung dazu, dass
tonnenweise Textilmüll in Länder des Globalen Südens verschifft wird,
wo dieser auf riesigen, gesundheitsgefährdenden Deponien landet.
„Die negativen Auswirkungen von Fast Fashion betreffen uns alle.
Es braucht endlich den politischen Willen, konkrete Maßnahmen gegen
Fast-Fashion-Modelle zu setzen und den Wandel hin zu einer gerechten
Modeindustrie zu fördern“, so Lena Gruber.
Die Südwind-Forderungen im Detail sowie die Petition für eine
gerechte Modeindustrie findet sich online unter:
suedwind.at/justfashion