Zugang bleibt ungerecht: ÖH sieht in FORWIT-Analyse Beleg für soziale Schieflagen im Hochschulsystem

Wien (OTS) – Für die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH)
weist der
Bericht des FORWIT (Forum für Wissenschaft & Innovation) auf
bestehende Herausforderungen im Hochschulsystem hin. Der Zugang zu
Studien ist formal offen, in der Praxis jedoch durch
Zugangsbeschränkungen, begrenzte Ressourcen und soziale
Rahmenbedingungen beeinflusst. Laut ÖH kann dies dazu führen, dass
sich Studierende auf andere Studienrichtungen ausweichen. Dies kann
wiederum Auswirkungen auf die Auslastung von Lehrveranstaltungen, die
Betreuungsverhältnisse sowie die Planbarkeit des Studiums haben. „
Das Problem ist die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen und
nicht, dass es zu viele Studierenden gibt. Zugangsbeschränkungen
lösen diese Schieflage nicht, sondern verschieben die Verantwortung
und verfestigen Ungleichheit. Bildungsgerechtigkeit bedeutet offene
Zugänge und ausreichend finanzierte, gute Studienbedingungen für alle
“, so Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz.

Die ÖH weist außerdem darauf hin, dass Bildungschancen in
Österreich weiterhin stark von der sozialen Herkunft beeinflusst
werden. Neben dem Schulsystem spielen dabei auch finanzielle
Rahmenbedingungen und fehlende Informationen eine Rolle. Der FORWIT-
Bericht nennt unter anderem den Ausbau von Fachhochschulen,
alternative Zugangswege und eine stärkere Leistungsorientierung bei
der Studienförderung als mögliche Ansätze. Die ÖH sieht darin
einzelne sinnvolle Ideen, betont jedoch, dass diese nicht isoliert
betrachtet werden sollten. „ Es ist wichtig, Barrieren abzubauen und
mehr Wege ins Studium zu öffnen. Ein stärker leistungsorientiertes
System greift zu kurz, wenn strukturelle Ungleichheiten nicht
ausgeglichen werden. Wir brauchen mehr Unterstützung für Studierende,
nicht mehr Druck “, so Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.

Auch strukturelle Veränderungen wie klarere Karrierewege, neue
Organisationsformen und eine stärkere Ausrichtung der Hochschulen
werden in der Analyse angesprochen. Die ÖH sieht darin teilweise
sinnvolle Ansätze, weist jedoch darauf hin, dass eine zu starke
Fokussierung auf Wettbewerb und wirtschaftliche Verwertbarkeit
problematisch sein kann. „ Planbare Karrierewege in der Wissenschaft
sind wichtig, denn Prekarität betrifft nicht nur berufstätige
Studierende, sondern auch akademisches Personal. Hochschulpolitik
darf sich nicht nur an Verwertbarkeit orientieren. Bildung ist mehr
als Arbeitsmarktanpassung “, betont Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz.

Viele Beschäftigte an Hochschulen arbeiten mit befristeten
Verträgen, unsicheren Perspektiven und unter hohem Druck. Aus Sicht
der ÖH sind stabile Arbeitsbedingungen eine wichtige Voraussetzung
für gute Lehre.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass in Österreich weniger
Studierende ihr Studium abschließen und mehr abbrechen als in
vergleichbaren Ländern. Laut FORWIT liegt das auch an den
Rahmenbedingungen, zum Beispiel daran, wie Studien organisiert sind
oder wie gut Studierende betreut werden.

Die FORWIT-Analyse sieht die ÖH als wichtige Grundlage für
weitere Reformen. Entscheidend sei nun die konkrete Umsetzung durch
die Politik, damit alle Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen
oder Bildungsweg faire Chancen im Studium haben.