Wien (OTS) – Die Analyse des FORWIT zeigt: Österreichs Hochschulen
verfügen über
große Stärken, stehen aber zugleich vor tiefgreifenden
Herausforderungen, die für ihre künftige Leistungsfähigkeit
entscheidend sind.
Grundsätzlich spiegelt die Analyse ein System wider, das durch
seine strukturell, finanziell und steuerungsseitig stark
unterschiedliche Organisation versäult ist. Das schwächt nach
Einschätzung des FORWIT die Durchlässigkeit, hemmt die strategische
Profilbildung und erschwert die Weiterentwicklung der einzelnen
Einrichtungen.
Zwtl.: Lehre, Forschung, Wissenstransfer: Schwächen und Stärken der
Kernaufgaben
In der Lehre zeigt die Analyse durchwachsene Ergebnisse: Zwar
bereitet die Hochschulausbildung insgesamt gut auf den Arbeitsmarkt
vor, jedoch sind soziale Selektivität und Abbruchquoten hoch, in
manchen Fächern an öffentlichen Universitäten sogar über 30 Prozent.
In der Forschung zeigen sich einzelne Spitzenleistungen in der
Grundlagenforschung, gleichzeitig bleibt Österreich insgesamt aber
hinter führenden Vergleichsländern zurück. Der Transfer von Wissen in
wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung gilt zudem als ein
Bereich mit besonderem Verbesserungsbedarf.
„Wie viele andere Systeme der Gesellschaft steht auch unser
Hochschulsystem an einem Wendepunkt. Wenn wir fähig sein wollen, die
Chancen von 2040 zu nutzen, müssen wir jetzt die Rahmenbedingungen so
gestalten, dass unsere Hochschulen Qualität, Offenheit und ihr
Potenzial dynamischer und wirksamer entfalten können“, sagt FORWIT-
Vorsitzender Thomas Henzinger.
Auch aus Sicht der stellvertretenden Vorsitzenden Theresia Vogel
braucht es entschlossene Reformen. „Wir sehen deutlich, dass es nicht
um punktuelle Nachjustierungen geht, sondern um eine strategische
Weiterentwicklung des gesamten Systems. Zukunftsfähige
Studienbedingungen, attraktive wissenschaftliche Karrieren und eine
stärkere Ausrichtung auf Wirkung sind dafür zentrale Hebel“, so
Vogel.
Zwtl.: Denkanstöße für die Arbeitsgruppen
Den eingesetzten Arbeitsgruppen, die ein wesentlicher Bestandteil
in der Erarbeitung der künftigen Strategie für Österreichs
Hochschulsystem sind, gibt der FORWIT auf Basis seiner Erkenntnisse
eine Reihe von Denkanstößen mit. Dazu zählen etwa eine Harmonisierung
von Studienrecht und Studienplatzbewirtschaftung oder die gesetzliche
Verankerung von Teilzeitstudium und Lifelong-Learning-Elementen. Aber
auch neue wissenschaftliche Karrierepfade, Reform der
Leistungsbewertung, profilbasierte und ergebnisorientierte
Finanzierung sowie einfachere Steuerungs- und
Entscheidungsstrukturen.
Zwtl.: Internationales Sounding Board bestätigt strukturellen
Entwicklungsbedarf
„Die Leitfrage lautet: Welche Hochschulen braucht Österreich im
Jahr 2040? Die Antwort darauf muss in einer mutigen Reformagenda
liegen, die Exzellenz, Zugänglichkeit und gesellschaftliche Relevanz
zusammen denkt und nicht bestehende Strukturen unreflektiert
fortschreibt“, hält Henzinger fest.
Diesen Befund teilt auch das international besetzte Sounding
Board . In einem Brief an Bundesministerin Holzleitner legen die vier
ausgewiesenen Experten und Expertinnen ihre Perspektive und
Vorschläge für eine wirksame und zukunftsorientierte Entwicklung des
Hochschulsystems dar – darunter Überlegungen zur hohen Anzahl und
fehlender Profilierung der Hochschulen und zu den Rahmenbedingungen
für Studium, Lehre und Forschung.
Mit der Analyse unterstützt der FORWIT die Erarbeitung der
Hochschulstrategie 2040. Entscheidend ist, dass die identifizierten
Herausforderungen als Chance für eine zukunftsorientierte
Weiterentwicklung verstanden werden.