Wien (OTS) – Angesichts der Ankündigung des A9-Ausbaus und der
zeitgleich
begonnenen Vorarbeiten für den Lobautunnel fordert Greenpeace
zusammen mit Verkehrswissenschaftler und Ex-ASFINAG-Aufsichtsrat
Harald Frey und Umweltökonomin Sigrid Stagl einen Ausbaustopp für das
österreichische Schnellstraßennetz. Über zwei Milliarden Euro will
die ASFINAG bis 2030 für den Neubau von Schnellstraßen ausgeben. Ein
großer Teil davon fließt in den ersten Abschnitt der Lobau-Autobahn.
Greenpeace und die Wissenschaftler:innen kritisieren diese Pläne als
Irrweg. Sie fordern Verkehrsminister Hanke auf, das Bauprogramm der
ASFINAG auf das Sanieren des bestehenden Straßennetzes zu
beschränken. Statt mehr Straßen zu finanzieren, sollen die Gewinne
der staatlichen ASFINAG genutzt werden, um Österreichs Verkehrssystem
krisensicher und unabhängig von Öl aus Autokratien zu machen.
Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace in
Österreich: „Eines ist klar: Mehr Straßen führen immer zu mehr
Verkehr. Angesichts explodierender Spritpreise sehen wir gerade jetzt
die fatalen Folgen einer kurzsichtigen Politik, die lieber Straßen
baut als den öffentlichen Verkehr zu fördern. Minister Hanke muss
Mobilität krisenfest gestalten und das jetzige Bauprogramm der
ASFINAG entsprechend korrigieren. Viel sinnvoller als immer neue
Autobahnen zu bauen ist es, die Gewinne der ASFINAG für den Ausbau
von leistbaren und klimafreundlichen Öffis zu nutzen.”
Harald Frey, Verkehrswissenschaftler an der TU Wien und
ehemaliger ASFINAG-Aufsichtsrat: „Wir brauchen eine zielgerichtete
Systemfinanzierung im Verkehr, anstelle der derzeitigen
kontraproduktiven Sektorfinanzierung. Einnahmen aus dem hochrangigen
Straßennetz sollten schrittweise auch für andere, krisensichere,
leistbare und klimafreundliche Mobilitätsangebote als
Finanzierungsquelle zur Verfügung stehen. Die gewünschte Verlagerung
von der Straße auf die Schiene muss sich auch in den zukünftigen
Finanzierungsstrukturen abbilden. Es ist kein Naturgesetz, dass immer
neue Autobahnen gebaut werden.“
Sigrid Stagl, Professorin für Umweltökonomie an der
Wirtschaftsuniversität Wien: „Der weitere Ausbau von Autobahnen und
Schnellstraßen verursacht enorme externe Kosten – von Klimaschäden
über Gesundheitsbelastungen bis hin zu steigender Importabhängigkeit
von fossilen Energieträgern. Diese Kosten werden nicht von den
Verursachern getragen, sondern von der Gesellschaft insgesamt. Gerade
in Zeiten eines angespannten Staatshaushalts und drohender
Strafzahlungen wegen verfehlter Klimaziele ist es ökonomisch wie
politisch unverantwortlich, weiterhin Milliarden in neue Autobahnen
und Schnellstraßen zu investieren. Stattdessen sollten öffentliche
Mittel gezielt in zukunftsfähige Mobilität fließen: in den Ausbau und
die Leistbarkeit öffentlicher Verkehrssysteme sowie in eine
Infrastruktur, die Resilienz, Klimaschutz und soziale Teilhabe
stärkt.”
Als finanziell und politisch unabhängige, ausschließlich am
Gemeinwohl orientierte Organisation setzt sich Greenpeace konsequent
für den Schutz der Natur und des Klimas ein – ohne Rücksicht auf
umweltschädliche Wirtschaftsinteressen. Diese Freiheit ermöglicht es
uns, mutig gegen die Umweltzerstörung aufzutreten.