Attac-Bericht: Wie Bankenlobbys die Schulen kapern

Wien (OTS) – Ein neuer Attac-Bericht zeigt anhand konkreter
Beispiele, wie Banken
und Finanzdienstleister unter dem Schlagwort „Finanzbildung“ immer
stärker in die schulische Sphäre drängen. Sie produzieren vermehrt
Unterrichtsmaterialien und bieten außerschulische Angebote an – mit
einseitigen Inhalten und klaren Geschäftsinteressen.

Finanzindustrie dominiert „Finanzbildung“

Im Rahmen der staatlichen Finanzbildungsstrategie erreichen
Banken und Finanzlobbys mehr Menschen als öffentliche und
gemeinnützige Anbieter. Einzelne Großbanken sind dabei die zentralen
Player. Auch in Schulen zeigt sich der Einfluss:
Unterrichtsmaterialien mit Logos von Banken und Werbung für
Finanzprodukte zur frühen Kund*innenbindung sind längst Realität –
selbst bei Volksschulkindern.

Einflussnahme auf den Lehrplan – Lobbying für eigenes Schulfach

Gleichzeitig reden profitorientierte Akteure und ihre Lobbys das
Niveau der schulischen Wirtschaftsbildung schlecht. Sie nehmen
bereits Einfluss auf den Lehrplan und lobbyieren für ein eigenes
Unterrichtsfach Wirtschaft, dessen Inhalte sie mitprägen wollen. Auch
im Bereich Wirtschaftspädagogik auf universitärer Ebene steigt der
Einfluss der Bankenlobbys. Dabei widersprechen die Fakten ihrer
fortwährenden Kritik: Im internationalen Vergleich schneiden
Österreichs Schüler*innen bei Finanzwissen überdurchschnittlich gut
ab.

Gesellschaftliche Probleme werden auf die individuelle Ebene
verschoben

Kinder und Jugendliche brauchen zweifelsohne Wissen über Geld und
Wirtschaft, das an den alltäglichen Fragen, Erfahrungen und
Lebensrealitäten anknüpft. Attac kritisiert jedoch, dass die
dominante Finanzbildungs-Agenda der Banken gesellschaftliche Probleme
individualisiert: Überschuldung, Alters- oder Frauenarmut werden vor
allem als Folge falscher persönlicher Entscheidungen dargestellt –
statt als Ergebnis politischer und wirtschaftlicher
Rahmenbedingungen.

Attac: Klare Grenzen für profitorientierte Akteure

Attac fordert ein Verbot von profitorientierten Bildungsangeboten
in Schulen. Gewinnorientierte Akteure sollten zudem keinen Einfluss
auf Bildungsinhalte nehmen. „Die Politik muss den wachsenden Einfluss
der Banken und ihrer Lobbys auf unsere Schulbildung stoppen. Eine
umfassende Wirtschaftsbildung muss die Fähigkeit vermitteln,
wirtschaftliches Handeln in soziale, politische und ökologische
Kontexte einzubetten und Wirtschaft wie Gesellschaft demokratisch
mitzugestalten“, erklärt der Autor des Berichts, Mario Taschwer von
Attac Österreich.

Download: Finanzbildung in Österreich: Wie Bankenlobbys die Schulen
kapern – Attac Insight 02/2026