Wien (OTS) – Nach dem dramatischen Massensterben von Flussdelfinen im
Amazonas im
Jahr 2023 spitzt sich die Lage weiter zu: Nachdem 2024 erneut tote
Tiere in ausgetrockneten und überhitzten Gewässern gemeldet wurden,
zeigen aktuelle Studien aus 2025 erstmals im Detail, wie extrem sich
Flüsse im Zuge der Klimakrise aufheizen können – mit fatalen Folgen
für ganze Ökosysteme. Demnach erreichten einzelne Seen im Amazonas
Wassertemperaturen von bis zu 41 Grad Celsius. In Kombination mit
anhaltender Dürre und sinkenden Wasserständen entstehen laut
Forschenden sogenannte „thermische Fallen“ – Lebensräume, in denen
Tiere keinen kühleren Rückzugsort mehr finden. Allein in einem
betroffenen Gebiet wurden über 200 tote Flussdelfine dokumentiert,
insgesamt waren es mehrere hundert Tiere. „ Die aktuellen
Entwicklungen zeigen, dass wir es nicht mehr mit einzelnen
Extremereignissen zu tun haben, sondern mit einer neuen, gefährlichen
Normalität. Wenn Flüsse sich so stark aufheizen, verlieren sie ihre
Funktion als Lebensraum – mit dramatischen Folgen für Biodiversität
und letztlich auch für den Menschen“ , sagt Axel Hein, Artenschutz-
Experte beim WWF Österreich.
Der WWF Österreich fordert angesichts der neuen Erkenntnisse
verstärkte internationale Anstrengungen zum Schutz von Flüssen und
Feuchtgebieten. „Wir müssen Flüsse besser schützen, ihre natürliche
Dynamik erhalten und die Klimakrise entschlossen bekämpfen. Was wir
derzeit im Amazonas sehen, ist ein Warnsignal für Fluss-Ökosysteme
weltweit“, sagt Hein.
Seltenste Säugetiere der Welt akut bedroht
Flussdelfine gehören zu den am stärksten bedrohten Säugetieren der
Erde. Gleichzeitig gelten sie als Zeiger-Arten für den guten Zustand
von Süßwasserökosystemen. Ihr Sterben ist also ein deutliches
Warnsignal für tiefgreifende Veränderungen in einem der
artenreichsten Flusslebensräume der Erde. Neben der Klimakrise
verschärfen Faktoren wie Verbauung, Wasserverschmutzung, Schifffahrt
und zunehmender Nutzungsdruck die Situation. Insbesondere die
Fischerei ist eine große Gefahr für die Säugetiere. Der WWF arbeitet
daher mit lokalen Fischer:innen im Amazonas-Gebiet zusammen, um
Fischernetze mit sogenannten “Pingern” auszustatten – das sind kleine
Schallgeräte, dank derer die Delfine die Netze besser erkennen und
ausweichen können. Die Schäden an den Netzen konnten in einem
einjährigen Testzeitraum bereits um 40 Prozent reduziert werden, und
kein Tier verfing sich mehr. Auch die Fischer:innen profitierten:
Ihre Fangmengen verdreifachten sich.
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