Katastrophenübung in Asbest-Steinbruch: Greenpeace reicht Strafanzeige ein

Eisenstadt/Wien (OTS) – Am 18. Oktober 2025 fand mitten im
asbestbelasteten Steinbruch
Pilgersdorf eine Katastrophenübung statt, bei der 447 Menschen für
den Ernstfall trainierten. Teilnehmende Organisationen waren unter
anderen das Rote Kreuz, Feuerwehren aus dem Burgenland und
Niederösterreich, der Arbeiter-Samariterbund, die
Rettungshundebrigade sowie 27 Schüler:innen aus Niederösterreich. Die
Asbestbelastung im Steinbruch war spätestens seit 2011 amtsbekannt.
Nach der behördlichen Schließung des Steinbruchs Anfang 2026 meldeten
sich mehrere besorgte Teilnehmer:innen bei Greenpeace. Greenpeace hat
nun auf Basis dessen von der Kanzlei Eunomia eine
Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts strafrechtlich relevanter
Tatbestände einbringen lassen. Es wurden Ermittlungen unter anderem
gegen die potentiell Verantwortlichen auf Landes- und Bezirksebene
sowie der Betreiberfirma des Steinbruches beantragt.

Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams bei Greenpeace
Österreich sagt: “Im vergangenen Herbst, nur wenige Monate vor der
behördlichen Schließung, wurde eine Katastrophenübung im Steinbruch
Pilgersdorf durchgeführt. Um Bergungen zu proben, wurden Schülerinnen
und Schüler in hochgradig asbesthaltigem Gestein vergraben oder gar
auf staubige Förderbänder gelegt, wo zuvor Unmengen an
asbestbelasteten Gestein zerkleinert wurden. Die Übung in einem
asbestbelasteten Steinbruch abzuhalten, entbehrt jeglicher
Verantwortung. Die Gesundheit der vielen Einsatzkräfte und
Freiwilligen wurde aufs Spiel gesetzt.”

Bei der Einfahrt zum Steinbruch steht ein Hinweisschild, das eine
Maskenpflicht in gekennzeichneten Bereichen vorgibt. Während der
Übung trug niemand eine Atemschutzmaske. Fotos der
Katastrophenübungen zeigen die Einsatzkräfte und die zu bergenden
Opfer unmittelbar am Förderband unter dem Steinbrecher, wo
normalerweise das Gestein zermahlen wird. Daher sind dort besonders
hohe Asbestfaserkonzentrationen in der Luft zu erwarten. Auch die
Kleidung der Einsatzkräfte ist auf den Fotos stark kontaminiert. So
kann Asbeststaub in Innenräume und Fahrzeuge verschleppt werden.

Als Staub können Asbestfasern besonders leicht eingeatmet werden.
Gelangen Asbestfasern in die Lungen, bleiben sie dort ein Leben lang
und können nach Jahren schwerwiegende Krebserkrankungen wie
Kehlkopfkrebs, Lungenkrebs, Rippen- und Bauchfellkrebs auslösen.

Die Belastung mit Asbest war seit spätestens 2011 amtsbekannt.
Luftmessungen, die im Zuge eines Behördenverfahrens in Auftrag
gegeben wurden, zeigen eine Luftbelastung von teilweise mehr als
100.000 Fasern pro Kubikmeter. Im burgenländischen Amtsblatt wurde
bereits 2014 der Abbau von “(Chrysotil-Lizardit-) Serpentinits”
offiziell verlautbart und genehmigt. Chrysotil ist hoch
krebserregender Weißasbest.

Bildmaterial: https://bit.ly/48CUmNg
Unter Angabe der Credits (im Dateinamen) stehen die Fotos kostenfrei
zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.

Übersichtskarte mit Greenpeace-Asbestfunden und Laborergebnissen:
https://act.gp/Asbestbelastung-Karte

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