Studie „Journalismusförderung in Österreich“ fertiggestellt

Wien (OTS) – „Die Studie Journalismusförderung in Österreich liefert
erstmals eine
umfassende wissenschaftliche Grundlage für die Reform der
Medienförderung. Mein Ziel ist es, das Fördersystem grundlegend neu
auszurichten: weg von der Förderung bestehender Strukturen hin zu
einer gezielten Unterstützung von qualitätsvollem Journalismus und
Innovation“, erklärte Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler
bei der heutigen Präsentation der Studie „Journalismusförderung in
Österreich“ gemeinsam mit Studienautor Andy Kaltenbrunner.

Die Weiterentwicklung der Medienförderung mit Fokus auf
Qualitätsjournalismus, Treffsicherheit, Zukunftssicherheit und
Medienvielfalt wurde bereits im Regierungsprogramm vereinbart. Zudem
hat der Rechnungshof 2025 empfohlen, die bestehenden Förderstrukturen
zu harmonisieren, Qualitätskriterien zu implementieren und die
Förderung für neue Marktteilnehmer:innen zu öffnen.

Die Analyse bestätigt außerdem einen traurigen Trend, der sich
durch die unzähligen Kündigungen von Journalist:innen abgezeichnet
hat : Der Medienstandort Österreich befindet sich in einer
strukturellen Krise. Sinkende Werbeerlöse, der Rückgang
journalistischer Beschäftigung und die zunehmende Konkurrenz durch
globale Plattformen gefährden die wirtschaftliche Basis des
Journalismus. Gleichzeitig hat das bestehende Fördersystem bisher
kaum zur Stärkung von Qualität und Vielfalt beigetragen und vielfach
bestehende Marktstrukturen stabilisiert

„Ich werde auch im Medienbereich für Ordnung und Überblick
sorgen. Wir brauchen ein System, das nicht mehr vergangene Strukturen
absichert, sondern die Zukunft des Journalismus gestaltet. Es geht
darum, Qualität und Innovation zu fördern“, betonte Babler.

Journalismus im Mittelpunkt – mehr Chancen für Vielfalt und neue
Akteur:innen

Alle journalistischen Medien – unabhängig davon, ob sie im Print,
Online, Rundfunk oder in neuen digitalen Formaten erscheinen – können
gleichermaßen profitieren. Ein zentrales Ziel der Reform ist es, die
Medienvielfalt nachhaltig zu stärken und neue Akteurinnen und Akteure
in den Markt zu bringen.

Die neue Förderarchitektur soll insbesondere kleinere, digitale
und gemeinwohlorientierte Medienprojekte stärken. Durch die
Kombination aus automatischer Basisförderung und gezielten
Innovationsprogrammen werden neue Akteurinnen und Akteure erstmals
realistische Wachstums- und Entwicklungsperspektiven erhalten.

Damit wird ein strukturelles Problem des bisherigen Systems
korrigiert, das vor allem bestehende Marktstrukturen stabilisiert
hat.

Automatische Basisförderung schafft mehr Freiheit für
journalistisches Arbeiten

Die Förderung soll deutlich vereinfacht werden. Statt komplexer
Einzelanträge und der Trennung nach Mediengattung entsteht ein System
mit klaren, nachvollziehbaren Regeln und automatischen Anreizen.
Medien, die Journalist:innen beschäftigen und redaktionelle
Leistungen erbringen, erhalten automatisch Fördermittel.

Dabei wird auch die digitale Vermarktung in den Fokus genommen.
Ein weiterer zentraler Automatismus ist die Förderung von
Digitalabos. Medien erhalten einen prozentuellen Zuschlag auf ihre
Erlöse aus digitalen Abonnements. Damit wird erstmals gezielt jener
Journalismus gestärkt, der sich auf den digitalen Markt konzentriert
und eine direkte Beziehung zum Publikum aufbaut.

Der Effekt: weniger administrativer Aufwand, mehr
Planungssicherheit, stärkere Anreize für den Aufbau journalistischer
Strukturen und Investitionen in die Zukunft. So entsteht ein
Fördersystem, das nicht kurzfristig absichert, sondern nachhaltige
Entwicklung ermöglicht.

„Wer Journalismus macht, bekommt Unterstützung – einfach,
transparent und ohne unnötige Bürokratie. Das gibt den Redaktionen
wieder mehr Freiheit für ihre eigentliche Arbeit und belohnt
Investitionen in die Zukunft“, so Babler.

Zukunftsfit durch Innovation und Kooperation

Neben der Basisförderung setzt das neue System gezielt auf
Zukunftsinvestitionen. Ein wesentlicher Teil der Mittel soll in
innovative Projekte und journalistische Neugründungen sowie in
Kooperationen zwischen Medien und ihren Partnern fließen. Auch
thematische Schwerpunkte zum Beispiel im Bereich KI oder
Lokaljournalismus sollen gesetzt werden. Dadurch kann die neue
Medienförderung nicht nur stabilisierend, sondern aktiv transformativ
und zukunftsgerichtet wirken. Diese Förderungen sollen in einem
Wettbewerbsverfahren vergeben werden. „Wir investieren gezielt in die
Zukunft des Journalismus – in Innovation, in Kooperation und in neue
Ideen. Nur so bleibt der Medienstandort Österreich langfristig
stark“, betont der Medienminister.

Unabhängige Förderkommission als zentrales Entscheidungsorgan

Ein zentrales Element der Reform ist die Einrichtung einer neuen,
dauerhaft bestehenden Journalismusförderkommission. Diese besteht aus
unabhängigen, politikfernen Expert:innen und entscheidet eigenständig
über die Vergabe der Fördermittel. Ihre Entscheidungen müssen
begründet, dokumentiert und evaluiert werden.

Die Kommission übernimmt folgende zentrale Aufgaben: Prüfung der
Förderwürdigkeit anhand klar definierter Kriterien; Entscheidung über
die Vergabe und Höhe der Fördermittel; Entwicklung von
Förderschwerpunkten und Richtlinien; transparente Begründung und
Dokumentation aller Entscheidungen

Die Kommission wird durch einen vorgelagerten Senat bestellt,
dessen Zusammensetzung ebenfalls strengen Unabhängigkeitsregeln
unterliegt. Ziel ist eine klare institutionelle Trennung zwischen
Politik und Förderentscheidung.

Legitimation durch Verfahren – die Qualitätsprüfung

Journalistische Qualität ist nicht objektiv messbar. Deshalb
erfolgt die Bewertung über ein transparentes, regelgebundenes
Verfahren. Das bedeutet klare Kriterien, strukturierte Prüfprozesse,
dokumentierte Entscheidungen und laufende Evaluierung.

Im Zentrum der Reform steht die Einführung verbindlicher
Qualitätskriterien als Fördervoraussetzung. Zu den zentralen
Qualitätskriterien zählen: Unabhängigkeit, ethische Richtlinien,
redaktionelle Strukturen und journalistischer Hauptzweck. Um die
Kriterien messbar zu machen, wurde ein detailliertes
Indikatorensystem entworfen.

Babler betont: „Wir beurteilen keine Inhalte, sondern schaffen
nachvollziehbare Verfahren zur Beurteilung von Qualität. Über die
Vergabe entscheidet eine unabhängige Kommission. Das garantiert
Fairness und verhindert Einflussnahme.“

Stärkung von Medienkompetenz und qualitätssichernden Strukturen

In der Studie werden auch jene Bereiche berücksichtigt, die für
die demokratische Öffentlichkeit eine besondere Rolle spielen.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung von
Medienkompetenz. In einer zunehmend digitalen und von Desinformation
geprägten Medienumgebung ist die Fähigkeit, Informationen
einzuordnen, Quellen zu bewerten und journalistische Inhalte kritisch
zu nutzen, eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe.

Ergänzend werden auch zukünftig Maßnahmen zur Qualitätssicherung
im Journalismus unterstützt – etwa Einrichtungen der
Selbstregulierung, Presseräte und Presseclubs, die zur Sicherung
professioneller Standards und zur Weiterentwicklung journalistischer
Praxis beitragen. Auch die Publizistikförderung sowie nicht
kommerzielle Medienangebote bleiben integraler Bestandteil des
Systems.

Schrittweise Umsetzung bis 2028

Die Umsetzung erfolgt schrittweise, um bestehende Strukturen
geordnet in das neue System zu überführen und Brüche zu vermeiden.
Zwischenzeitliche Verbesserungen im bestehenden System, wie die
Zeitungszustellungsförderung oder die Stärkung von Medienkompetenz
von Jugendlichen werden nicht bis zum Start aufgeschoben.

Aus heutiger Sicht ist vorgesehen, dass die neue
Journalismusförderkommission Anfang 2028 ihre Arbeit aufnehmen kann.

Link zur Studie:

https://www.bmwkms.gv.at/studie-journalismusfoerderung.html