Grüne Wien/Berner: Prestigeprojekt statt nachhaltiger Verbesserungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Wien (OTS) – Zwei Stunden bevor Stadträtin Emmerling heute die neue
„Geschlossene
Unterbringung“, die sie als „Auszeit-WGs“ bezeichnet, vorstellt,
berichtet die Volksanwaltschaft zum wiederholten Mal von massiven
Missständen in den Wohngemeinschaften und Krisenzentren der Stadt.
„Emmerling präsentiert ein weiteres Pflaster für die klaffende Wunder
der Kinder- und Jugendhilfe“, so die Grüne Familiensprecherin Ursula
Berner. Über die Hälfte der WGs und Krisenzentren sind für die dort
untergebrachten Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend sicher. In
manchen Krisenzentren wurde ein massiver Überbelag festgestellt:
Statt 8 wurden 15 Kindern untergebracht, einige mussten sogar auf
Klappbetten oder Sofas im Wohn- oder Besprechungszimmer schlafen.

Im Umgang mit Gewalt und Übergriffen gibt es bei der Kinder- und
Jugendhilfe der Stadt Wien großen Handlungsbedarf: Die
Kinderschutzkonzepte sind nicht ausreichend an die jeweiligen
Einrichtungen angepasst. Nur 11% der Kinder wussten überhaupt von
einem vorhandenen Kinderschutzkonzept. „Die Auszeit-WG ist eine
einzige Marketingmaßnahme. Was heute mit viel Bombast präsentiert
wurde, wird die Probleme der MA 11 nicht lösen. Statt ausreichende
Ressourcen für WGs und Krisenzentren bereitzustellen, zaubert man ein
neues Prestigeprojekt aus dem Hut“, so Berner.

Was Stadträtin Emmerling als „Meilenstein“ bezeichnet, ist eigentlich
ein Rückschritt: Schon seit den 80er Jahren arbeitet die Kinder- und
Jugendhilfe daran, die Freiheitsbeschränkung von Kindern und
Jugendlichen in ihren Einrichtungen abzubauen. Nun werden sie über
die Hintertüre wieder eingeführt. „Wichtiger wäre es jetzt, endlich
in die bestehende Struktur mehr Ressourcen zu stecken – sowohl
personell und finanziell – damit vor Ort präventiv gearbeitet werden
kann. Das heißt konkret, dass jedes Kind die pädagogische und
therapeutische Unterstützung bekommt, die es braucht“, so Berner
abschließend.