Neue EU-Studie zu Vermögenssteuern: Spielraum für mehr Gerechtigkeit und Effizienz

Wien (OTS) – Eine neue EU-Studie im Auftrag der EU-Kommission sieht
„Spielraum für
mehr vermögensbezogene Instrumente für mehr Gerechtigkeit und
Effizienz in der EU“. Angesichts des Umfangs und der Konzentration
von Privatvermögen und Erbschaften bestehen gute Gründe, den Beitrag
vermögensbezogener Steuern zur Finanzierung europäischer
Sozialstaaten zu prüfen und gegebenenfalls zu erhöhen. (1)

So könnten gut ausgestaltete Vermögenssteuern die Ungleichheit
reduzieren und staatliche Einnahmen erhöhen. Empirische Belege deuten
auf begrenzte Auswirkungen auf Sparanreize, Investitionsbereitschaft
oder unternehmerische Initiative hin. Gut konzipierte Steuern können
sogar eine produktivere Vermögensnutzung fördern und das
Arbeitskräfteangebot erhöhen. Negative Effekte auf Investitionen oder
Abwanderung würden hingegen oft überschätzt. Die Debatte sei von
unzureichenden Informationen und falschen Vorstellungen geprägt.

Entscheidend für eine effektive Besteuerung großer Vermögen und
Erbschaften sind laut Studie unter anderem hohe Freibeträge, eine
möglichste breite Bemessungsgrundlage mit klaren Bewertungsregeln und
wenigen Ausnahmen, hochwertige Vermögensregister und ein effektiver
internationaler Informationsaustausch.

Attac: Ein Budget ohne Beitrag der Reichsten ist sozial ungerecht
und wirtschaftlich ineffizient

Attac Österreich sieht mit der Studie die Forderung nach einer
progressiven Vermögensteuer bestätigt. Das Attac-Modell beginnt mit
einem Steuersatz von 1 Prozent bei einem Vermögen ab 5 Millionen Euro
und steigt progressiv auf 10 Prozent ab über 1 Milliarde Euro an.
Auch die Wiedereinführung einer Erbschaft- und Schenkungssteuer ist
für Attac ein Gebot der Stunde. „Ein Budget ohne Beitrag der
Reichsten ist in Zeiten von Kürzungen und steigender
Vermögenskonzentration sozial ungerecht und wirtschaftlich
ineffizient“, erklärt David Walch von Attac Österreich.

Erbschaften hoch konzentriert, Erbschaftsteuer gerechtfertigt

Erbschaften spielen laut Studie aufgrund ihres steigenden Anteils
am Nationaleinkommen eine zunehmende Rolle für die
Vermögenskonzentration. Dies rechtfertige ihre Besteuerung.
Erbschaftsteuern könnten dabei progressiv und ertragreich gestaltet
werden, ohne große reale Verzerrungen hervorzurufen. Voraussetzung
dafür sind geringe Vergünstigungen für Betriebsvermögen sowie
steuerliche Gleichbehandlung von Erbschaften und Schenkungen.

Aktuell heben 17 EU-Staaten Erbschaftsteuern ein. Allerdings
führen umfangreiche Ausnahmen, (un)vorteilhafte Bewertungsregeln und
Vergünstigungen insbesondere für Familienunternehmen dazu, dass ein
großer Teil vererbten Vermögens bei den Reichsten gering oder gar
nicht besteuert wird.

Vermögenskonzentration wächst in Europa schneller als im globalen
Durchschnitt

Laut Studie konzentriert sich der Reichtum in Europa immer
stärker bei einer kleinen Gruppe. Die reichsten 10 Prozent besitzen
rund 60 Prozent des gesamten Vermögens in der EU, während die untere
Hälfte der Bevölkerung mit lediglich 3 bis 4 Prozent auskommen muss.
Besonders alarmierend: Der Anteil des reichsten 1 Prozent wächst in
Europa schneller als im globalen Durchschnitt.

Österreich: 71 Prozent für Vermögenssteuern – doch Steuerpolitik
orientiert sich an wohlhabenden Gruppen

In Österreich liegt die Zustimmung zu Vermögenssteuern laut
Studie konstant bei rund 71 Prozent. In der österreichischen
Medienberichterstattung herrsche jedoch zumeist eine negative Haltung
gegenüber der Vermögensbesteuerung vor. Die Studie hebt hervor, dass
sich die Steuerpolitik in vielen Ländern stärker an den Präferenzen
wohlhabender und gut organisierter Gruppen orientiere.

(1) Europäische Kommission , CASE, Robaszewski, A., Skowronek,
A., Pl̸onka, H. et al., Vermögensbesteuerung, inkl. Nettovermögens-,
Kapital- und Wegzugssteuern. Amt für Veröffentlichungen der
Europäischen Union, Luxemburg, 2026.