Wien (OTS) – Im 1. Quartal 2026 wurden in Österreich insgesamt 2.160
Privatkonkurse verzeichnet. Damit ist die Zahl der Privatinsolvenzen
im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent leicht
zurückgegangen. Trotz dieses moderaten Rückgangs zeigt sich, dass die
finanzielle Situation vieler privater Haushalte weiterhin angespannt
bleibt. So lauten die zentralen Ergebnisse der aktuellen Analyse des
Informationsdienstleisters CRIF.
Belastung für Haushalte bleibt hoch – weitere Zunahme im
Jahresverlauf erwartet
„Die aktuellen Zahlen dürfen nicht als nachhaltige Entspannung
interpretiert werden. Vielmehr sehen wir, dass zahlreiche Haushalte
weiterhin unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Auch wenn die
Inflation zuletzt etwas nachgelassen hat, wirken die hohen Preise –
insbesondere für Energie und Lebensmittel – nach wie vor stark
belastend“, erklärt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF
Österreich. Viele Menschen sehen sich gezwungen, ihre finanziellen
Reserven aufzubrauchen, um laufende Kosten wie Miete, Kredite oder
alltägliche Ausgaben decken zu können. Gleichzeitig bleibt das
Einkommenswachstum in vielen Bereichen begrenzt. Für das Gesamtjahr
2026 rechnet CRIF daher mit einem Anstieg auf bis zu 9.000
Privatkonkurse, nach 8.761 Fällen im Jahr 2025. Zudem ist zu
erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Unsicherheiten erst
zeitverzögert in den Insolvenzstatistiken niederschlagen werden.
Höchste Werte in Wien – deutliche Unterschiede zwischen den
Bundesländern
Ein Blick auf die regionale Verteilung der Privatkonkurse zeigt
deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Erwartungsgemäß
weist Wien mit 798 Privatkonkursen im 1. Quartal 2026 den mit Abstand
höchsten Wert auf. Dahinter folgen Oberösterreich mit 325 Fällen
sowie Niederösterreich mit 290 Insolvenzen. Diese Bundesländer zählen
zu den bevölkerungsreichsten Regionen Österreichs, was sich auch in
den absoluten Fallzahlen widerspiegelt. Im Mittelfeld liegen die
Steiermark mit 215 Fällen, Tirol mit 154 sowie Kärnten mit 138 und
Vorarlberg mit 132 Privatkonkursen. Vergleichsweise niedrige
Fallzahlen zeigen sich in Salzburg (81 Fälle) und dem Burgenland mit
27 Privatkonkursen. (Österreich-Schnitt: 240). Die Entwicklung
verlief regional unterschiedlich: Der stärkste Rückgang an
Privatinsolvenzen ist im Bundesland Salzburg mit -20,6 % zu
verzeichnen. Gefolgt von Tirol (-19,8 %), Burgenland (-18,2%) und
Vorarlberg (-17,9 %). In den anderen Bundesländern sind die Zahlen
leicht bis mittelmäßig rückläufig (-1,1 % in Wien bis -9,4% in
Niederösterreich). Relativ zur Einwohnerzahl liegt Wien mit 39,1
Privatkonkursen je 100.000 Einwohner ebenfalls deutlich vor den
anderen Bundesländern. Dahinter folgen Vorarlberg mit 32,0 und
Kärnten mit 24,2 Fällen je 100.000 Einwohner.
Altersgruppen im Überblick
Die stärkste betroffene Altersgruppe war im 1. Quartal 2026 die
Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 610 Fällen. Danach folgen die 30-
bis 39-Jährigen mit 527 Fällen sowie die 50- bis 59-Jährigen mit 441
Fällen. Bei den über 60-Jährigen wurden 381 Privatkonkurse
verzeichnet, die wenigsten Fälle (201) gibt es bei den 18- bis 29-
Jährigen.
Die Gründe für Privatinsolvenzen sind nach wie vor vielschichtig
und oft das Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren.
Arbeitslosigkeit stellt, aufgrund der hohen Arbeitslosenzahlen, einen
der Hauptgründe für Privatkonkurse dar. Darüber hinaus spielen
persönliche Lebensereignisse eine wesentliche Rolle. Krankheiten,
Scheidungen oder andere einschneidende Veränderungen der
Lebenssituation können die finanzielle Stabilität erheblich
beeinträchtigen und finanzielle Verpflichtungen schnell untragbar
machen.
Auffällig sind auch Unterschiede zwischen den Altersgruppen:
Jüngere Menschen verfügen häufig über geringere finanzielle
Rücklagen. Ältere Personen sehen sich zunehmend mit strukturellen
Belastungen, wie etwa steigende Miet- und Energiekosten oder Partner-
Verlust, konfrontiert.
Regulatorische Änderungen als zusätzlicher Einflussfaktor
Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Entwicklung der
Privatkonkurse ist die aktuelle gesetzliche Regelung zur
Entschuldung. Derzeit besteht für Verbraucher:innen die Möglichkeit,
sich im Rahmen eines dreijährigen Tilgungsplans zu entschulden. Diese
Regelung läuft jedoch Mitte Juli 2026 aus.
Sollte danach wieder eine längere Entschuldungsdauer von fünf
Jahren gelten, ist kurzfristig mit einem spürbaren Anstieg der
Privatkonkurse zu rechnen. Viele Betroffene könnten versuchen, noch
vor Inkrafttreten der neuen Regelung einen Antrag zu stellen, um von
den aktuell günstigeren Bedingungen zu profitieren. Dieser mögliche
Vorzieheffekt könnte die Insolvenzstatistik im weiteren Jahresverlauf
zusätzlich beeinflussen.
Finanzielle Belastung bleibt strukturelles Thema
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass die finanzielle
Belastung vieler Haushalte in Österreich kein kurzfristiges Phänomen
ist, sondern zunehmend strukturelle Züge annimmt. Die Kombination aus
hohen Lebenshaltungskosten, unsicheren wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen und individuellen Risikofaktoren wirkt sich negativ
auf die finanzielle Situation vieler Menschen aus.
Der leichte Rückgang der Privatkonkurse im ersten Quartal 2026
ist daher weniger als nachhaltige Entwicklung zu werten, sondern
vielmehr als kurzfristige Momentaufnahme. Die Entwicklung
wirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen im weiteren
Jahresverlauf lassen Auswirkungen auf die Verschuldungssituation
privater Haushalte vermuten.