Graz, Tulln (OTS) – Gebrauchte Windeln gelten bislang als einer der
schwierigsten
Abfallströme überhaupt. Mit dem Projekt Diapers Recycler aus dem FFG
Programm „Expedition Zukunft“ zeigt das Austrian Centre of Industrial
Biotechnology (acib), wie biotechnologische Innovation,
Kreislaufwirtschaft und resiliente Prozessgestaltung zusammenwirken
können, um selbst hochkontaminierte Hygieneabfälle nachhaltig zu
verwerten.
Im Zentrum des Projekts steht ein modulares, dezentral
einsetzbares System (vorerst im Labormaßstab), das insbesondere bei
Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kinderbetreuungseinrichtungen
Interesse weckt. Statt Windelabfälle aufwendig zu transportieren und
thermisch zu entsorgen, ermöglicht der entwickelte Prozess eine
Aufbereitung direkt am Entstehungsort – ressourcenschonend,
materialerhaltend und mit deutlich reduzierten Umweltbelastungen.
Zwtl.: Biotechnologie als Schlüssel für robuste Kreislaufprozesse
Kerninnovation des Systems ist ein enzymbasierter
Reinigungsprozess, der organische Verunreinigungen wie Fäkalien und
Urin effektiv entfernt, ohne die Struktur der enthaltenen Materialien
zu zerstören. Die eingesetzten Enzyme werden dabei nicht industriell
zugekauft, sondern durch Fermentation von Obst- und Gemüseresten
gewonnen. Zum Einsatz kommen Mikroorganismen wie Bacillus subtilis
und Saccharomyces cerevisiae , die Enzymgemische mit breitem
Wirkspektrum produzieren.
„Gerade in der Kreislaufwirtschaft brauchen wir Prozesse, die
nicht nur effizient, sondern auch robust, flexibel und
ressourcenschonend sind“, erklärt acib’s Forscherin Sara Vecchiato.
„Unser Projekt „Diapers Recycler“ zeigt, wie biotechnologische
Systeme auch unter herausfordernden Bedingungen stabil funktionieren
und neue Wertschöpfung ermöglichen.“
Zwtl.: Wertstoffe erhalten, Ressourcen schonen
Im Labormaßstab wurde gezeigt, dass nach der enzymatischen
Reinigung drei zentrale Materialströme erfolgreich zurückgewonnen
werden können:
– Superabsorber (SAP) , der seine Absorptionsfähigkeit über mehrere
Wiederverwendungszyklen hinweg beibehält,
– Kunststoffe wie PET, PP und PE, die für Recycling oder
Weiterverarbeitung aufbereitet werden,
– sowie eine organische Fraktion , die entweder zu fermentierbaren
Zuckern für biotechnologische Anwendungen oder zu Biogas umgesetzt
wird.
Damit verbindet das Projekt Materialrecycling, Bioökonomie und
Energiegewinnung in einem integrierten Kreislaufansatz.
Zwtl.: acib als Treiber für Kreislaufwirtschaft und Resilienz
Mit dem Projekt „Diapers Recycler“ unterstreicht acib seine Rolle
als zentraler Innovationspartner für nachhaltige Industrie- und
Abfallprozesse. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf technologischer
Machbarkeit, sondern auf resilienten, skalierbaren und
anpassungsfähigen Prozesskonzepten, die auf unterschiedliche
Rahmenbedingungen übertragbar sind.
„Kreislaufwirtschaft ist kein einzelner Prozessschritt, sondern
ein Systemthema“, so acib. „Unsere Stärke liegt darin,
biotechnologische Lösungen so zu entwickeln, dass sie auch
langfristig tragfähig sind – ökologisch, technisch und
wirtschaftlich.“
Zwtl.: Internationale Anerkennung auf globaler Bühne
Die Innovationskraft des Projekts wurde auch international
gewürdigt: „Diapers Recycler“ wurde unter die National Winners des
2025 Net-Zero Industries Award aufgenommen, die im Rahmen der UN-
Klimakonferenz COP30 vorgestellt wurden. In der Kategorie „Female
Innovators“ konnte Projektleiterin Dr. Sara Vecchiato den National
Award für Österreich gewinnen, welcher im Rahmen einer feierlichen
Zeremonie während des International Vienna Energy and Climate Forum (
IVECF) am 10. April 2026 in der Wiener Hofburg übergeben wird.
Die Auszeichnung unterstreicht nicht nur den technologischen
Innovationsgrad des Projekts, sondern auch die Bedeutung
biotechnologischer Ansätze für eine resiliente, kreislauforientierte
Industrie. Für acib bestätigt der Erfolg die strategische Ausrichtung
auf robuste, nachhaltige Prozesse, die auch unter herausfordernden
Rahmenbedingungen funktionieren und einen messbaren Beitrag zur
industriellen Transformation leisten.