Wien (OTS) – Im heutigen Kurier-Interview fordert
Malteser-Care-Geschäftsführer
Helmut Lutz verbindliche Qualitätskriterien in der 24-Stunden-
Betreuung. Für vidaflex, die gewerkschaftliche Initiative für Ein-
Personen-Unternehmen (EPU) und größte freiwillige
Interessenvertretung der Personenbetreuer:innen, ist klar: Diese
Forderung ist richtig – greift aber zu kurz, solange die Perspektive
der Betreuungskräfte fehlt.
„Wir begrüßen, dass die Qualitätsfrage endlich breite
Aufmerksamkeit bekommt. Aber Qualität für pflegebedürftige Menschen
und prekäre Bedingungen für Betreuungskräfte schließen einander aus“,
betont Yvonne Heuber, vidaflex-Generalsekretärin für 24-Stunden-
Betreuung. „Wer jetzt Standards definiert, ohne die Betreuungskräfte
einzubinden, verpasst die Chance auf eine Reform, die in der Praxis
wirklich ankommt.“
Intransparente Verträge, unklare Leistungsbeschreibungen und
hohe, oft nicht nachvollziehbare Agenturgebühren belasten
selbstständige Personenbetreuer:innen seit Jahren. Gleichzeitig wurde
die staatliche Förderung von 800 Euro pro Monat seit zwei Jahrzehnten
nicht valorisiert – obwohl die realen Betreuungskosten heute zwischen
3.000 und 3.500 Euro liegen und die Einkommensgrenze von 2.500 Euro
netto längst an der Realität vorbeigeht.
„Ohne faire Honorare, klare Vertragsbedingungen und angepasste
Förderungen bleibt jede Qualitätsdebatte eine Debatte auf dem Rücken
der Betreuungskräfte“, so Heuber.
vidaflex kritisiert, dass Personenbetreuer:innen in den zentralen
Gremien zur Weiterentwicklung der 24-Stunden-Betreuung nach wie vor
nicht fix vertreten sind. „Über Qualitätsstandards und
Rahmenbedingungen wird meist ohne jene gesprochen, die die Arbeit
tatsächlich leisten“, sagt Heuber. „24-Stunden-Betreuung steht und
fällt mit den Menschen, die sie leisten. Wir reichen der Politik die
Hand – aber eine Reform über die Personenbetreuung kann es nur mit
den Personenbetreuungskräften geben.“
Forderungen von vidaflex im Überblick
Mitsprache sicherstellen:
Verpflichtende Einbindung von Interessenvertretungen der
Betreuungskräfte bei Ausarbeitung, Umsetzung und Kontrolle der
Qualitätskriterien; fixe Sitze in der Pflegeentwicklungskommission
und einschlägigen Fachgremien.
Faire Agenturbedingungen:
Verbindliche Mindeststandards für Vermittlungsagenturen,
inklusive transparenter, zweisprachiger Verträge, nachvollziehbarer
Kosten sowie klarer Regelungen zu Ruhe- und Übergabezeiten,
Vertretung und Beschwerdemöglichkeiten.
Transparenz für Familien:
Ein öffentliches Register geprüfter Agenturen, das Familien die
Auswahl erleichtert und schwarze Schafe sichtbar macht.
Förderungen an die Realität anpassen:
Anhebung und regelmäßige Valorisierung der Förderbeträge sowie
der Einkommensgrenzen, damit Qualität nicht durch verdecktes
Lohndumping erkauft wird.
Kompetenzförderung ermöglichen:
Öffentliche Förderung von Sprachkursen und fachlicher
Weiterbildung, damit höhere Qualitätsanforderungen für
Betreuungskräfte realistisch erfüllbar sind.
Über vidaflex
vidaflex ist die gewerkschaftliche Initiative der Gewerkschaft
vida für Ein-Personen-Unternehmen. Wir vertreten die Interessen von
Selbstständigen – darunter viele Personenbetreuer:innen – und setzen
uns für faire Rahmenbedingungen, transparente Verträge, Zugang zu Aus
– und Weiterbildung sowie gelebte Qualität in der 24-Stunden-
Betreuung ein.