München (OTS) – München (ots)
– Ein internationales Forschungsteam analysierte Aschereste aus
Räuchergefäßen in Pompeji und gewann neue Erkenntnisse über die
Opfergaben, die römische Familien für ihre Hausgötter verbrannten.
– Das Team fand erstmals einen archäologischen Beweis für das
Verbrennen von exotischen Harzen und Wein in häuslichen Ritualen in
Pompeji.
– Das Räucherharz stammte wahrscheinlich aus tropischen Regenwäldern
in Indien oder Afrika: Ein Beleg für die weitreichenden
Handelsnetzwerke der Bewohner Pompejis.
Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf den Hausaltären
der Bewohner erhalten. Ein internationales Forschungsteam hat
erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefäßen
aus Pompeji verbrannt wurde – und Überraschendes entdeckt: Neben
heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe
aus Afrika oder Asien. Das zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen
Handelsnetzes war.
79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische
Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die
Katastrophe für die damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die
heutige Archäologie, dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen. So
hatte sich unter anderem auch die Asche in den Räuchergefäßen
erhalten, mit denen die Römer ihren Göttern Rauchopfer darbrachten.
Die Asche aus zwei solchen Opferschalen aus Pompeji und einer
nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe modernster
Laborverfahren analysiert.
Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien
„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen
Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der
Universität Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen
Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf
weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“ Besonders
bemerkenswert: In einem Gefäß wurden Reste eines exotischen
Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus tropischen Regionen
Afrikas oder Asiens stammt. „Molekulare Analysen deuten auch auf ein
Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt Maxime Rageot
von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in
der Studie durchführte. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in
Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in
Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist,
archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“,
so Rageot. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und
mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag
der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe
Philipp W. Stockhammer, in dessen ERC-Forschungsgruppe die Studie
initiiert wurde.
Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2’000 Jahren
Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue
Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat
und dabei auch eine große Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste,
Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die
Bedeutung dieser Art von Studien: „Ohne Pompeji wäre unser Wissen
über die römische Welt weniger reich“, sagt der Direktor des Parks,
Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten
und Erkenntnissen, den nur eine nur eine zeitgemäße Archäologie
angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären
Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über
das Leben in der antiken Stadt entdecken.“
Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt
am Vesuv – sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren
sich sogar im Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen.
Publikation:
Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot &
Philipp W. Stockhammer, „Ashes from Pompeii: incense burners, residue
analyses and domestic cult practices“, in: Antiquity. A Review of
World Archaeology , Volume 100, No. 411, June 2026,
https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10320