Bundesjugendvertretung zu Social-Media-Verbot: Ausbau von Medien- und Demokratiebildung greift zu kurz

Wien (OTS) – Die Bundesjugendvertretung (BJV) begrüßt, dass sich die
Regierung
darauf geeinigt hat, ein Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige nur
in Verbindung mit einer Lehrplanreform auf den Weg zu bringen. „Auch
wenn wir das Hauptproblem nicht in der Nutzung von Social Media durch
junge Menschen sehen, sondern im manipulativen Aufbau der
Plattformen, dürfen Kinder und Jugendliche mit Inhalten wie
Kriegsbildern oder Falschinformationen nicht allein gelassen werden,“
betont BJV-Vorsitzender Moritz Mittermann und ergänzt: „In Österreich
dürfen junge Menschen bereits ab 16 wählen und sie informieren sich
in erster Linie über Social Media. Ein Verbot in dieser Altersgruppe
wäre daher an der Realität junger Menschen vorbeigegangen.“

Medienkompetenz jüngerer Kinder muss gestärkt

Auch den geplanten Ausbau der Medien- und Demokratiebildung
begrüßt die BJV grundsätzlich. Dass die Einführung der neuen
Unterrichtsfächer jedoch nur für die AHS-Oberstufe vorgesehen ist,
greift aus BJV-Sicht viel zu kurz. „Für uns ist es nicht
nachvollziehbar, warum die Lehrplanreform nicht dazu genutzt wird,
allen Kindern und Jugendlichen die Kompetenzen mitzugeben, die sie
brauchen, um sich sicher im digitalen Raum bewegen, austauschen und
vernetzen zu können“, kritisiert BJV-Vorsitzender Ahmed Naief.

Seit Jahren zeigen Studien und Befragungen, dass sich junge
Menschen wünschen, dass ihre politische Bildung in den Schulen
ausgebaut wird. Diesem Anliegen sollte die Politik nachkommen – und
zwar in allen Schultypen, sagt Naief: „Wir fordern, Medien- und
Demokratiebildung in allen Schulformen bereits ab der 5. Schulstufe
einzuführen. Kinder und Jugendliche müssen viel früher lernen, mit
dem grenzenlosen Informationsangebot, aber auch mit den
Herausforderungen der digitalen Welt umzugehen. Denn politische
Bildung schafft die Grundlage für aktive und verantwortungsbewusste
Partizipation.“

Strengere Regeln für Plattformen und Meldebuttons umsetzen

Die Ankündigung der Regierung, Plattformen stärker in die Pflicht
zu nehmen, ist auch aus BJV-Sicht dringend notwendig. Das Ziel muss
sein, den digitalen Raum als sicheren Ort für Beteiligung, Austausch
und Informationen zu gestalten. „Man kann nicht alles den
Jugendlichen überlassen. Die Politik muss den Digital Services Act
konsequent umsetzen und Plattformen etwa zu schnellerem Löschen
problematischer Inhalte verpflichten“, so Mittermann.

Zudem fordert die BJV im Rahmen ihrer Kampagne „Drei Millionen“
weitere präventive Maßnahmen, zum Schutz junger Menschen. Dazu zählt
die angekündigte Stärkung von Trusted Flaggern, also unabhängigen
Organisationen, die problematische Inhalte schneller entfernen lassen
können, aber auch die Einführung standardisierter Meldebuttons. „Sie
helfen Kindern und Jugendlichen auch, ihre Rechte, wie das Recht auf
Beteiligung, online sicher wahrzunehmen“, so Naief.