Wien (OTS) – „Die Versorgung alkoholkranker Menschen in Wien hat sich
seit
Jahresbeginn massiv verschlechtert”, kritisiert Barbara Huemer,
Gesundheitssprecherin der Grünen Wien. Grund ist der Ausstieg der
Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mit Ende 2025 aus dem gemeinsam
mit der Stadt Wien und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK)
finanzierten Pilotprojekt „Alkohol. Leben können”, das über zehn
Jahre hinweg als Vorzeigemodell galt. Dadurch stehen nun deutlich
weniger Mittel für das Programm zur Verfügung.
Konkret bedeutet das: Wiener Patient:innen erhalten derzeit nur
noch eine einmonatige stationäre Behandlung – zuvor waren es zwei bis
drei Monate. „Wir erleben hier eine Zweiklassenmedizin im Bereich des
stationären Alkoholentzugs mit Reha-Möglichkeit: Während für
Niederösterreicher:innen weiterhin acht bis zwölf Wochen finanziert
werden, sind es für Wiener:innen nur noch vier. Das ist medizinisch
falsch und sozial ungerecht”, so Huemer.
Besonders unverständlich ist für Huemer, dass wertvolle Zeit
ungenutzt blieb. Bereits 2023 hatte die PVA ihren Ausstieg
angekündigt. „Warum in dieser Zeit kein tragfähiges Nachfolgemodell
verhandelt wurde, ist völlig unklar. Eine mögliche bundesweite Lösung
im Jahr 2027 kommt jedenfalls viel zu spät und ist Ausdruck
politischen Versagens auf allen Ebenen – auf Kosten suchtkranker
Menschen”, kritisiert Huemer.
Die Gesundheitssprecherin fordert daher rasches Handeln: „Der
aktuelle Zustand ist unverantwortlich. Die Stadt Wien – insbesondere
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker –, die ÖGK und die PVA müssen
umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine
qualitätsvolle stationäre Therapie für alkoholkranke Menschen
sicherstellen.” Die Grünen werden dazu einen entsprechenden Antrag in
der heutigen Sitzung des Wiener Gemeinderats einbringen.
Die Folgen dieser Entwicklung treffen nicht nur die
Patient:innen, sondern auch das Anton Proksch Institut in Liesing –
eine der größten Suchtkliniken Europas. In den vergangenen Jahren
wurde dort umfassend investiert, modernisiert und das Therapieangebot
ausgebaut. Nun führen Kreditkosten und Kürzungen zu einem massiven
finanziellen Druck. Bereits mehr als 30 Mitarbeiter:innen wurden
gekündigt, weitere Fachkräfte verlassen aufgrund der unsicheren
Perspektiven die Einrichtung. Bis zu 400 Therapieplätze könnten
dadurch verloren gehen.
In einem offenen Brief hat sich die Belegschaft kürzlich an
Öffentlichkeit und Politik gewandt und vor den drastischen Folgen
gewarnt. Sie fordert Unterstützung, um den Personalabbau zu stoppen
und die Qualität der Alkoholsuchttherapie zu sichern.
Huemer abschließend: „Alkoholsucht ist keine Randerscheinung,
sondern eine chronische Erkrankung, die viele Menschen in Wien
betrifft. Kürzungen in diesem Bereich sind medizinisch
unverantwortlich und sozialpolitisch rückschrittlich.” Die Grünen
Wien fordern daher eine rasche, nachhaltige Lösung zur Sicherstellung
der bestmöglichen stationären Versorgung sowie eine langfristige
Finanzierung des Anton Proksch Instituts.