Wien/Bogotá (OTS) – Ostern ohne Schokolade? Undenkbar. Doch die hohe
Nachfrage nach Kakao
-Produkten hat bittere Folgen für die Umwelt: Als einer der
meistgehandelten Agrarrohstoffe der Welt zählt Kakao zu den größten
Treibern von Entwaldung und gefährdet damit die weltweite
Artenvielfalt. Gleichzeitig erschwert die Klimakrise mit Hitze und
Extremwetter den Anbau, verknappt das Angebot und treibt Preise in
die Höhe. Die Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature
) fordert deshalb mehr Nachhaltigkeit und entwaldungsfreie
Lieferketten in der Schokoladen-Industrie: „ Schokolade darf kein
Waldkiller sein: Wir müssen sicherstellen, dass Kakao ohne Zerstörung
artenreicher Lebensräume und unter fairen Bedingungen angebaut wird.
Nur dann sind Schoko-Hasen wirklich ein Genuss – für Mensch, Natur
und Klima “, sagt Dominik Heizmann vom WWF Österreich. Als wichtigste
und effizienteste Maßnahme fordert der WWF eine starke EU-
Entwaldungsverordnung – anstatt weiterer Aufweichungen und
Verschiebungen. „Unser Konsum in Europa hat gravierende Auswirkungen
auf Natur und Menschen in anderen Ländern. Die Politik muss endlich
Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass keine
Regenwaldabholzung in unseren Regalen landet“, sagt Heizmann. Darüber
hinaus fordert der WWF höhere Standards und transparente
Zertifizierungen für den Anbau von Kakao. „Nur wenn Konsument:innen
wissen, wie ihre Produkte produziert werden, können sie auch
nachhaltige Entscheidungen treffen“, sagt Heizmann vom WWF.
Klimakrise sorgt für Schokoladen-Krise
Österreich liegt beim Schokoladenkonsum mit jährlich rund acht
Kilogramm pro Kopf im europäischen Spitzenfeld. Die österreichischen
Kakao-Importe stammen hauptsächlich aus Westafrika, wo Kakao unter
zerstörerischen Bedingungen in Monokulturen angebaut wird. Doch
gerade in Reinkultur können die schattenliebenden Kakaopflanzen den
Auswirkungen der Erderhitzung nicht trotzen: „Die Klimakrise sorgt
für eine regelrechte Schokoladen-Krise. Denn Extremwetterereignisse
wie länger anhaltende Dürreperioden, Starkregen oder Überflutungen
führen zu geringeren Erträgen und schlechterer Qualität oder sogar
vollständig zerstörten Ernten. Das treibt wiederum den Kakaopreis
stark nach oben“, sagt Heizmann vom WWF. Der Kakao-Anbau müsse daher
dringend nachhaltiger gestaltet werden.
WWF fördert nachhaltige Anbaumethoden in Afrika und Südamerika
Um Regenwälder mit besonders hoher Biodiversität zu schützen, setzt
sich der WWF vor allem im Amazonasgebiet und im Kongobecken für
natürliche Anbaumethoden von Kakao ein. Beispielsweise unterstützt
der WWF in Kolumbien Kleinbäuer:innen, die Kakao in vielfältigen
Agroforstsystemen anbauen. Diese tragen dazu bei, dass ehemals
entwaldete Flächen wiederhergestellt werden und der Lebensraum von
Tieren wie dem Jaguar geschützt wird. Als Einkommensquelle bietet der
nachhaltige Kakaoanbau den Menschen auch eine Alternative zu
illegalen Aktivitäten wie Abholzung und Koka-Anbau. „Wer zum Schutz
der Regenwälder und seiner Bewohner beitragen möchte, sollte
Schokolade mit Herkunftskennzeichnung sowie mit Siegeln für soziale
und ökologische Standards kaufen – und kann damit gerade zu Ostern
ein Zeichen für Fairness setzen“, sagt Dominik Heizmann vom WWF
Österreich.
Eine Orientierung bietet die Chocolate Scorecard , die von NGOs wie
dem WWF und Partnern aus der Wissenschaft erstellt wird. Sie bewertet
jedes Jahr Schokoladenhersteller, Kakaohändler und Supermärkte nach
sozialen und ökologischen Kriterien.
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