Energie-Infrastruktur als Schlüssel für Wachstum und Klimaschutz

Wien (OTS) – Die Energieversorgung befindet sich im Wandel: Strom,
Gas, Raumwärme
und Mobilität wachsen zunehmend zu einem integrierten Energiesystem
zusammen. Damit steigen auch die Anforderungen an die
Energieinfrastruktur. Netzbetreiber übernehmen dabei eine zentrale
Rolle. Für die künftigen Anforderungen brauchen sie jedoch passende
rechtliche Rahmenbedingungen. Darauf verwies der Geschäftsführer der
Wiener Netze, Thomas Angerer, beim Energiepolitischen
Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 23. März
2026. „Die Netze sind Treiber der Energiewende, Rückgrat der
Wirtschaft und überdies noch Wachstumsmotor als Treiber von
Innovationen und Investitionen. Voraussetzung dafür ist aber
langfristige Planungssicherheit.“

Die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, Brigitte Ederer,
mahnte deshalb von den Verantwortlichen für Österreichs Energie- und
Klimapolitik vor allem Verlässlichkeit ein: „Beim Ausbau der
Infrastruktur müssen Entscheidungen über Milliardeninvestitionen
getroffen werden, die Auswirkungen auf Jahrzehnte hinaus haben. Eine
Hü-hott-Politik mit ständigem Richtungswechsel wäre fatal.“

Zwtl.: Hohe Versorgungsqualität

Was es zu erhalten gilt, so Angerer, ist das hohe Niveau an
Zuverlässigkeit, das Österreichs Strom-Infrastruktur auszeichnet.
International sind zwei Kennzahlen für die Stabilität der Versorgung
gebräuchlich: Der Average System Interruption Frequency Index (ASIFI)
gibt (vereinfacht gesagt) die Höhe der Wahrscheinlichkeit eines
Stromausfalls an. Der Average System Interruption Duration Index (
ASIDI) misst die Dauer der durchschnittlichen jährlichen
Nichtverfügbarkeit von Strom pro Haushalt. Beide Indizes liegen in
Österreich weit unter den Werten des übrigen Europa. So müssen Wiener
Stromkund*innen rein statistisch alle vier Jahre einmal mit einer
ungeplanten Unterbrechung der Versorgung rechnen – der europäische
Durchschnittswert liegt bei 15 Monaten. Im Jahr 2025 waren nach den
geprüften Zahlen der E-Control Wiener Strombezieher ganze 18 Minuten
ohne Strom. Angerer: „Das ist die Jahressumme von kleineren, oft nur
Sekunden dauernden Unterbrechungen, wahrscheinlich haben es die
meisten nicht einmal wahrgenommen.“

Zwtl.: Integration der Energiesysteme

Die Energiewende wird die gesamte Struktur des Energiesystems
grundlegend verändern. Strom, erneuerbare Gase sowie Wärme- und
Kältenetze müssen künftig stärker miteinander verknüpft werden.
Angerer nennt ein Beispiel: „Wenn in einem Gebiet das Gasnetz
stillgelegt werden soll, muss als Alternative entweder Fernwärme zur
Verfügung stehen, oder die Haushalte stellen auf Wärmepumpen um,
wodurch der Strombedarf steigt. Der Aus- oder Umbau dieser drei Netze
muss daher abgestimmt geplant werden.“

Die Stilllegung von Teilen des Gasnetzes hängt dabei wesentlich
von den rechtlichen Rahmenbedingungen ab, so Angerer: „Derzeit gilt
für die Netzbetreiber noch eine Anschlussverpflichtung, wir müssen
also auf Wunsch jeden neuen Gaskunden auch versorgen. Es braucht
daher klare politische Vorgaben, wo in Zukunft fossiles Gas durch
einen anderen Energieträger ersetzt werden soll.“

In den Ballungsräumen entstehen dadurch aber auch neue Synergien.
Die Wiener Netze vereinen mehrere leitungsgebundene Energieformen und
arbeiten eng mit anderen Netzbetreibern zusammen, um die
Infrastruktur effizient weiterzuentwickeln. Durch diese Integration
lassen sich Energieflüsse besser steuern und erneuerbare Energien
effizienter nutzen. Gleichzeitig schafft sie die Voraussetzung für
neue technologische Lösungen – etwa in der Sektorenkopplung oder bei
der Integration klimafreundlicher Mobilität.

Zwtl.: Infrastruktur setzt Wachstumsimpulse

Um für die künftigen Aufgaben gewappnet zu sein, planen die
Wiener Netze bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 2,2 Milliarden
Euro, das sind durchschnittlich rund 440 Millionen Euro pro Jahr.
Rund zwei Drittel davon entfallen auf die Aufrüstung des Stromnetzes.

Auch andere Netzbetreiber investieren massiv in ihre
Infrastruktur. Bei den fünf Mitgliedsunternehmen des Forums
Versorgungssicherheit – neben den Wiener Netzen sind das Netz
Burgenland, Netz Niederösterreich, Netz Oberösterreich, und Linz Netz
– summerien sich die Ausbaupläne bis 2030 auf rund 4,7 Milliarden
Euro. Diese Investitionen bilden nicht nur die Grundlage für die
Transformation des Energiesystems, sie wirken auch als
Wachstumsmotor. Angerer zitiert eine Studie der Boston Consulting
Group: „Demnach zeigen Investitionen in die Energie-Infrastruktur
eine besonders hohe indirekte Wachstumswirkung. Gerade in Zeiten
schwacher Konjunktur liegt hier eine große Chance.“

Zwtl.: Klimaneutralität als Ziel

Auch der Weg zur Klimaneutralität sollte laut Angerer als Chance
für wirtschaftliches Wachstum gesehen werden. Die Stadt Wien hat sich
das ehrgeizige Ziel geesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Angerer. „Der Ausbau der Energieinfrastruktur wird dabei zum
zentralen Erfolgsfaktor. Deshalb dürfen wir nicht übersehen, dass wir
vor einem grundlegenden Umbau des bestehenden Systems stehen.“
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel im Bereich der Raumwärme.
Fernwärme wird künftig eine zentrale Rolle spielen, ergänzt durch
Nahwärmelösungen, Geothermie sowie Wärmepumpen. Gleichzeitig wird das
Stromnetz zunehmend zum Rückgrat der Wärmewende. Fossiles Gas wird
nach und nach ersetzt, so Angerer: „Gas befindet sich bereits auf dem
Rückzug. In den letzten Jahren wurden pro Jahr etwa 10.000 Zählpunkte
von Gasbeziehern abgemeldet.“ Teile der bestehenden Gasinfrastruktur
können jedoch künftig für klimaneutrale Gase genutzt werden. Denn für
Gewerbe und Industrie wird Gas weiterhin als Energieträger
unverzichtbar sein.

Das optimale Zusammenspiel der unterschiedlichen
leitungsgebundenen Energieträger erfordert eine langfristigee und
umfassende Energieraumplanung, ist Angerer überzeugt: „Gerade weil
der Ausbau der Infrastruktur teuer ist, müssen wir ihn so effizient
wie möglich gestalten. Wir müssen Doppelgleisigkeiten ebenso
vermeiden wie Stranded Costs, die entstehen können, wenn wir in
Leitungen investieren, die später nicht mehr benötigt werden.“ Dazu
kommt, dass die Rolle von Wasserstoff noch in den Anfängen steckt,
dennoch, so Angerer „braucht der mögliche Aufbau einer
Wasserstoffinfrastruktur frühzeitige strategische Entscheidungen.“

Zwtl.: Planungssicherheit

Für die Netzbetreiber sind klare strategische Entscheidungen von
Seiten der Stadt- und Regionalplanung unerlässlich. Das gilt
besonders für die Gas-Infrastruktur, deren Zukunft durch zwei in
Diskussion befindliche Gesetze neu geregelt werden soll, nämlich das
Gaswirtschaftsgesetz (GWG) und das Erneuerbare-Gase-Gesetz (EGG).
„Die Netzbetreiber sehen sich hier als Partner in der Umsetzung“,
verspricht Angerer, „doch die Grundsatzentscheidungen darüber, welche
Netzteile stillgelegt werden, wo eine alternative Versorgung
aufgebaut werden muss, wo Biomethan zum Einsatz kommt – diese
Vorgaben erwarten wir uns von der Politik. Ein rechtssicherer Rahmen
ist die Voraussetzung, um die nötigen Investitionsentscheidungen
tätigen zu können.“

Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von
fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich,
Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.