Wien (OTS) – Bei akuten Herzerkrankungen unterscheiden sich Frauen
teilweise von
Männern. Zum Weltfrauentag am 8. März rücken die Johanniter die
Herzgesundheit von Frauen in den Fokus und sensibilisieren für die
tiefgreifenden, oft verkannten Unterschiede zwischen den
Geschlechtern.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden häufig noch als reine
Männerkrankheit betrachtet. Das ist aber bereits seit einigen Jahren
widerlegt: Sie bilden bei Frauen in Österreich mit 35,7% die
häufigste Todesursache – bei Männern sind es dagegen 32,9%. Besonders
alarmierend ist die Prognose nach einem Akut-Ereignis: Frauen tragen
ein um 50% höheres Risiko, innerhalb des ersten Jahres nach einem
Herzinfarkt zu versterben.
Zwtl.: Andere Symptome, spätere Diagnose
Als einer von vielen Gründen für die höhere Sterblichkeitsrate
gilt die Unbekanntheit der eher atypischen Symptome für Herzinfarkte,
die bei Frauen häufiger sind . Nur ein Drittel der Frauen verspürt
die klassischen Brustschmerzen oder ein Engegefühl in der Brust – der
Großteil weist eher unspezifische Symptome auf. Dazu zählen
Kurzatmigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Oberbauch- und auch
Rückenschmerzen, Hals- oder Kieferschmerzen und auch Erschöpfung oder
eine starke Müdigkeit . Genau diese diffusen Beschwerden werden
häufig nicht als Herzinfarkt-Symptome erkannt und dadurch weniger
ernst genommen: Weder von Fachpersonal, den Betroffenen selbst, noch
von ihrem Umfeld.
„Frauen mit akutem Koronarsyndrom zeigen häufig andere, weniger
typische Symptome und kommen im Durchschnitt später ins Krankenhaus
als Männer. Gleichzeitig wissen wir aus Studien, dass sie nach einem
Herzinfarkt ein höheres Risiko für Komplikationen tragen. Eine
geschlechtersensible Diagnostik und Therapie ist daher essenziell “,
erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Jolanta M. Siller-Matula, Kardiologin an
der Medizinischen Universität Wien.
Auch im Notfall zählt jede Minute: „Deshalb kommen Frauen mit
einem Herzinfarkt im Durchschnitt bis zu eine Stunde später in die
Klinik als betroffene Männer. Bei Herz-Kreislauf-Stillständen zählt
jedoch jede einzelne Minute“, erklärt Judith Egger, Stv. Chefärztin
bei den Johannitern Tirol sowie Allgemeinmedizinerin und Notärztin in
Ausbildung.
Zwtl.: Anderer Körper, andere Risikofaktoren
Alle für Herzkreislauferkrankungen bekannten körperlichen
Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte
Blutfette, Diabetes und erhöhter Blutzucker treffen auch auf Frauen
zu – allerdings haben Bluthochdruck und Diabetes einen negativeren
Einfluss auf den weiblichen Krankheitsverlauf. Bestimmte hormonelle
Gegebenheiten, wie Früh- und Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit,
Bluthochdruck und Diabetes in der Schwangerschaft sowie die Zeit
während und nach den Wechseljahren bilden ebenfalls frauenspezifische
und in der Bevölkerung recht unbekannte Risikofaktoren. Frauen sind
zudem deutlich stärker gefährdet, wenn andere weibliche nahe
Verwandte bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Einen ebenfalls
nicht zu unterschätzenden Risikofaktor stellt das Alter dar. Frauen
sind nämlich im Schnitt zehn Jahre älter als Männer, wenn sie eine
akute, lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankung wie einen
Herzinfarkt erleiden, beziehungsweise wenn sie reanimiert werden
müssen.
In Sachen Lebensstil sind Rauchen sowie Passiv-Rauchen,
Bewegungsmangel, eine ungesunde Ernährung und Stress bei beiden
Geschlechtern bekannt – bei Frauen gilt aber zusätzlich die
Kombination aus oralen Verhütungsmitteln und Rauchen als besonders
gefährlich. Hier ist das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen
Schlaganfall zu erleiden, um ganze 25% erhöht.
Mental wirken sich zudem Angst und Depressionen bei Frauen
stärker auf die Herzgesundheit aus. Zu den soziokulturellen
Risikofaktoren zählen ein geringes Einkommen, Armut und soziale
Isolation – von denen Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
Ebenfalls stehen Frauen häufiger unter psychosozialen Mehrbelastungen
durch Familie, Beruf und das Pflegen von Angehörigen – und Stress ist
bekanntlich Gift fürs Herz. „Deshalb legen wir bundesweit bei unseren
Erste-Hilfe-Kursen und der Sanitäter:innenausbildung besonderen Wert
auf die geschlechtsverschiedenen Symptomen und Risikofaktoren “,
betont Judith Egger.
Zwtl.: Johanniter plädieren für Solidarität mit allen Frauen
„Als Rettungsorganisation mit einem hohen Frauenanteil ist es uns
besonders wichtig, alle Frauen darauf aufmerksam zu machen, in dieser
Hinsicht wortwörtlich auf ihr Herz zu hören“, sagt Petra Grell-
Kunzinger, Bundesgeschäftsführerin der Johanniter. „Unser Appell gilt
aber genauso dem sozialen Umfeld von Frauen: Sollten die Frauen in
Ihrem Leben eine familiäre Veranlagung oder mehrere Risikofaktoren
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, achten Sie auf sie, nehmen Sie
ihre Symptome ernst und ergreifen Sie lieber zu früh als zu spät
Erste-Hilfe-Maßnahmen. All das kann im Notfall das Leben von Müttern
und Großmüttern, Schwestern, Töchtern und Tanten, Kolleg:innen und
auch Freund:innen retten.“
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(SERVICE – Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich zählt mit
1.500 Mitarbeitenden, davon die Hälfte Ehrenamtliche, zu den
führenden Rettungs- und Hilfsorganisationen Österreichs. Fördernde
Mitglieder sowie Spender:innen unterstützen die Arbeit der Johanniter
und ermöglichen mit ihren Beiträgen ein breites Spektrum an sozialen
und karitativen Leistungen, etwa Rettungsdienst und Krankentransport,
Wohnungslosenhilfe, Gesundheits- und Hauskrankenpflege,
Palliativpflege, Soziale Dienste, Erste-Hilfe-Ausbildung, Pflege- und
Betreuungsausbildung, Katastrophenhilfe, Forschung und Jugendarbeit:
www.johanniter.at)