Asbest in Ostösterreich: Greenpeace und Umwelttoxikologe warnen vor hoher Asbestfaser-Belastung im Frühling und Sommer

Wien (OTS) – Greenpeace warnt angesichts des trockenen, warmen
Frühlingswetters
vor einer gefährlichen Asbestfaser-Belastung in der Luft in
Ostösterreich. In einem Hintergrundgespräch mit dem renommierten
Umwelttoxikologen Dr. Norbert Weis forderte die
Umweltschutzorganisation erneut Sofortmaßnahmen zum Schutz der
Bevölkerung. Die Luftmessungen der Taskforce zeigten beim Krankenhaus
Oberwart trotz kaltem und nassem Winterwetter durchschnittlich 830
Asbestfasern pro Kubikmeter in der Außenluft. Für Asbestexperten Dr.
Weis sind die Luftmessungen unter diesen Bedingungen nicht allgemein
aussagekräftig. Greenpeace kritisiert die Intransparenz der Taskforce
und fordert die vollständige Veröffentlichung aller Messdaten. Bei
einem Lokalaugenschein stellte Greenpeace fest, dass nach wie vor
große Mengen an asbesthaltigem Feinschotter unmittelbar vor der
Klinik Oberwart liegen.

Umwelttoxikologe Norbert Weis sagt: „In Ostösterreich liegen offen
nahezu reine Asbestbrocken an hoch frequentierten Standorten – sowas
ist mir in meiner gesamten jahrzehntelangen Karriere noch nicht
untergekommen. Diese Steine bergen ganz offensichtlich ein enormes
Risiko für alle, die damit arbeiten, spielen oder daneben wohnen.
Neben der Belastung der Außenluft können freigesetzte Asbestfasern
durch Lüften auch in die Innenraumluft gelangen.” Dr. Norbert Weis
ist Leiter des Bremer Umweltinstituts, ein unabhängiges und
akkreditiertes Analyse- und Forschungsinstitut mit eigenem
Asbestlabor und jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der
Schadstoffuntersuchungen. Der von der Taskforce kommunizierte
Richtwert von 1.000 Fasern pro Kubikmetern ist für Dr. Weis viel zu
hoch angesetzt: „Ich empfehle einen Richtwert von maximal 500
Asbestfasern pro Kubikmeter in der Außenluft. Das entspricht dem
Sanierungszielwert von Asbestbaustellen in Innenräumen.”

Auf Ostösterreich kommt aktuell eine Trockenperiode mit bis zu 15
Grad zu. Stefan Stadler, wissenschaftlicher Experte bei Greenpeace
Österreich warnt: „In der wärmeren Jahreszeit ist mit signifikant
höheren Asbestwerten in der Luft zu rechnen. Dadurch besteht nicht
nur große Gefahr, dass Asbestfasern in der Außenluft eingeatmet
werden, die krebserregenden Fasern können auch in die Innenräume
verschleppt werden.”

Bei einem erneuten Lokalaugenschein stellte Greenpeace fest, dass
weiterhin faustgroße, poröse Asbestbrocken neben und auf dem Gehsteig
vor der Kinderkrippe Oberwart liegen. Ebenso befinden sich am
zugehörigen Parkplatz reine Asbesteinschlüsse im Asphalt. Während der
asbestbelastete Schotter der Krankenhausbaustelle bei der Klinik
Oberwart abgedeckt wurde, liegt weiterhin deutlich sichtbar
asbestbelasteter Feinschotter im Straßenbankett. Direkt am Bankett
parken Autos der Patient:innen und Besucher:innen.

Greenpeace fordert die burgenländische Landesregierung erneut auf,
umgehend im Sinne des Minimierungsgebotes von Umweltgiften mit
Sofortmaßnahmen wie der Entfernung von Asbestmaterial an allen
betroffenen Standorten zu beginnen. „In Deutschland müsste ein
dermaßen asbestbelasteter Schotter längst abgetragen werden. Es ist
für mich unverständlich, wie von offizieller Seite in Österreich
versucht wird, die Gefahr kleinzureden”, sagt Umwelttoxikologe Dr.
Weis.

Bildmaterial: https://act.gp/Fotos-Lokalaugenschein
Unter Angabe der Credits © Greenpeace stehen die Fotos kostenfrei zur
redaktionellen Nutzung zur Verfügung. Fotos werden laufend
aktualisiert.

Übersichtskarte mit Asbestfunden und Laborergebnissen:
https://act.gp/Asbestbelastung-Karte

Greenpeace-Aktionsplan gegen Asbestgefahren: https://act.gp/3O6CnYf