ÄKNÖ: Honorardeckel für Wahlärztinnen und -ärzte ist der falsche Weg

Wien (OTS) – Die von Gesundheitsministerin Schuhmann ins Spiel
gebrachte
Begrenzung der Wahlarzthonorare stößt in Niederösterreich auf
deutliche Kritik. Die Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich
(ÄKNÖ) warnt vor populistischen Schnellschüssen, die an den
strukturellen Problemen vorbeigehen . „Wahlärztinnen und Wahlärzte
sind längst systemrelevant“, betont Präsident Dr. Harald Schlögel.
„Viele Menschen sind auf sie angewiesen, weil es in zahlreichen
Regionen schlicht zu wenige Kassenstellen gibt. Wer jetzt bei den
Honoraren ansetzt, bekämpft nicht die Ursache, sondern gefährdet ein
wichtiges Versorgungsstandbein.“

Wahlarztreferent Dr. Christof Remtisch ergänzt: „Gerade in einem
Flächenbundesland wie Niederösterreich sichern Wahlärztinnen und –
ärzte die wohnortnahe medizinische Betreuung und entlasten
gleichzeitig das Kassensystem. Ein staatlich verordneter
Honorardeckel würde die Attraktivität dieser Versorgungsform mindern,
ohne eine einzige zusätzliche Kassenarztstelle zu schaffen.“

Deckelung wie in Deutschland würde das System verteuern
In Deutschlang gibt es eine Obergrenze bei Wahlarzthonoraren, die
beim 2,5-fachen Wert des Kassentarifs liegt. Laut einer heutigen
Aussendung von Andreas Huss, Obmann der ÖGK, wurden 2025
Wahlarzthonorare über 768 Mio. Euro bei der ÖGK eingereicht,
allerdings nur 267 Mio. Euro (80 Prozent des Kassentarifs) an die
Patientinnen und Patienten rückerstattet. „Wenn 80 Prozent des
Kassentarifs 267 Mio. Euro betragen, hätten die Vertragshonorare
dafür 333,75 Mio. Euro ausgemacht. Multipliziert man diesen Betrag
mit der in Deutschland festgesetzten Obergrenze von 2,5, ergibt dies
834,38 Mio. Euro. Damit verrechnen unsere Wahlärztinnen und Wahlärzte
in Österreich bereits jetzt weniger als sie in Deutschland mit einer
Deckelung dürften“, erklärt Schlögel und zeigt damit auf, dass das
offene Wahlarztsystem in Österreich vergleichsweise günstig ist.

Die ÄKNÖ unterstreicht, dass Wahlärztinnen und -ärzte freiberuflich
tätig sind. „Einem freien Beruf staatlich ein Honorar vorzuschreiben,
wäre ein massiver Eingriff“, so Schlögel. „In anderen Branchen wäre
das undenkbar. Niemand käme auf die Idee, einem Restaurant
vorzuschreiben, was ein Menü kosten darf.“ Zudem leisten auch privat
zusatzversicherte Patientinnen und Patienten regulär ihre
Sozialversicherungsbeiträge. Viele von ihnen nehmen Leistungen der
gesetzlichen Krankenversicherung kaum oder gar nicht in Anspruch und
tragen dennoch solidarisch zum System bei.

Der seitens der Politik geäußerte Vorwurf der Intransparenz ist
leicht zu entkräftigen. Auf den Webseiten von Wahlärztinnen und
Wahlärzten werden Honorare in der Regel veröffentlicht und vor einer
Untersuchung klar zu kommuniziert. Darüber hinaus ist auch auf der
Website der ÄKNÖ einen Katalog mit Empfehlungstarifen veröffentlicht.
Transparenz ist der richtige Weg, nicht staatliche Preisvorschriften.

Für die Ärztinnen- und Ärztekammer für NÖ ist klar: Die eigentliche
Aufgabe liegt in der Stärkung des Kassensystems durch mehr
Kassenstellen, attraktive Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.
„Wir brauchen Investitionen in die Versorgung und keine neuen
Regulierungen“, so Remtisch.

Die Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich fordert daher
eine sachliche Diskussion über nachhaltige Strukturreformen statt
einer einseitigen Debatte über Honorarbegrenzungen.