PRVA Roundtable beleuchtet „Spannungsfeld Ausschreibungen“

Wien (OTS) – Der Public Relations Verband Austria (PRVA) lud am 25.
Februar 2026
zum Roundtable „Spannungsfeld Ausschreibungen“ ein, um die komplexen
Beziehungen zwischen Pitch-Verfahren und öffentlichen Ausschreibungen
zu diskutieren. Unter der Moderation von PRVA-Präsidentin Ingrid Gogl
beleuchteten Expert:innen aus Agenturen, öffentlicher Verwaltung und
Unternehmen die Herausforderungen für alle Beteiligten und
erarbeiteten Lösungsansätze für mehr Fairness, Qualität und
Rechtssicherheit.

Zwtl.: Herausforderungen für Agenturen und Auftraggeber im Fokus

Die Diskussion machte deutlich, dass sowohl Agenturen als auch
Auftraggeber mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert sind.

Zwtl.: Für Agenturen ergeben sich primär folgende Problemfelder:

– Mangelndes Feedback bei privaten Pitches: Während öffentliche
Verfahren nachvollziehbare und offenzulegende Entscheidungskriterien
vorsehen, fehlt bei privaten Pitches oftmals ein strukturiertes
Feedback, was ein wichtiges Lernpotenzial ungenutzt lässt.

– Hohe Einstiegshürden: Stark spezifizierte Referenz- oder
Schlüsselpersonal-Anforderungen in Ausschreibungen können
qualifizierte, insbesondere junge Agenturen systematisch
benachteiligen und wirken mitunter wie eine faktische Vorselektion.

– Bewertung der „Chemistry“: Während Sympathie und Teamdynamik im
privaten Pitch eine Rolle spielen dürfen, ist die objektive Bewertung
von „Chemistry“ in öffentlichen Verfahren rechtlich problematisch.

– Dumpingpreise: Es gibt Fälle wirtschaftlich kaum darstellbarer
Angebote, was den fairen Wettbewerb gefährdet. Hier ist eine
vertiefte Preisprüfung bei auffälligen Abweichungen rechtlich
verpflichtend.

– Symbolische Abstandshonorare: Abstandshonorare sind oft
symbolischer Natur und decken den tatsächlichen Aufwand nicht. Sie
sind zwar ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung, jedoch kein
primärer Grund für die Teilnahme an einem Pitch.

Zwtl.: Für Auftraggeber stellen sich insbesondere folgende
Herausforderungen:

– Balance zwischen Kosteneffizienz und Leistungsqualität: Die
unterschiedlichen Zielsetzungen von Einkauf (Kosteneffizienz) und
Fachbereich (Leistungsqualität) führen naturgemäß zu Spannungen.

– Rechtliche Verpflichtungen: Transparenz, Gleichbehandlung und die
rechtliche Anfechtbarkeit von Entscheidungen sind Kernelemente des
Vergaberechts und erfordern unter anderem auch detailliert begründete
Zuschlagsentscheidungen.

– Objektivierung subjektiver Kriterien: Die objektive Bewertung von
„Chemistry“ oder anderen subjektiven Kriterien innerhalb eines
Punktesystems bleibt eine Herausforderung.

Zwtl.: Wege zu besseren Prozessen und Ergebnissen

Ein erfreulicher Befund ist die Verbesserung des Preis-Qualitäts-
Verhältnisses, bei dem der Preisanteil in der Bewertung oft nur noch
30-40 Prozent ausmacht.

Der Roundtable betonte zudem die Notwendigkeit einer engen
Abstimmung zwischen Einkauf, Jurist:innen und
Kommunikationsverantwortlichen. Eine konstruktive Zusammenarbeit
führt zu klareren Kriterien, durchdachteren Prozessen und besseren
Ergebnissen für beide Seiten.

Die Panelist:innen formulierten klare Wünsche für die Zukunft:
Konsequente Fairness und Gleichbehandlung, niedrigere
Einstiegshürden, mehr Transparenz und qualitätsvolles Feedback,
vereinfachte Prozesse sowie mehr gegenseitiger Respekt und
Wertschätzung.

Fazit: Der PRVA-Roundtable zeigte, dass die Spannungsfelder in
Pitch und öffentlicher Ausschreibung keine Gegensätze von „richtig“
oder „falsch“ sind, sondern Ausdruck unterschiedlicher Systemlogiken.
Entscheidend ist die Qualität des Verfahrens: klare Kriterien,
nachvollziehbare Entscheidungen, faire Behandlung der Anbieter:innen
und eine ausgewogene Balance zwischen Preis und Leistung.

Der PRVA wird diesen wichtigen Dialog aktiv weiterführen, um
gemeinsame Standards zu fördern und die Branche voranzubringen.

Zwtl.: Über den PRVA (Public Relations Verband Austria)

Der Public Relations Verband Austria ist der Verband für
Kommunikationsexpert:innen mit einem ganzheitlichen Verständnis für
professionelle und strategische Kommunikation in Österreich. Als
freiwillige Interessenvertretung und zentrale Vernetzungsplattform
für seine rund 800 Mitglieder unterstreicht der PRVA die
gesellschaftspolitische Relevanz und Verantwortung professioneller
Public Relations. Seit 1975 engagiert sich der PRVA für Aus- und
Weiterbildung von PR-Treibenden, die Etablierung von Qualitäts-
Standards sowie für Bewusstseinsbildung und ethische Richtlinien in
der Branche.

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