Wien (OTS) – Der Fachverband des Lebensmittelhandels in der
Wirtschaftskammer
Österreich kritisiert das beschlossene Anti-Shrinkflation-Gesetz
scharf. Was als Maßnahme für mehr Transparenz verkauft wird, bedeutet
in der Praxis vor allem eines: zusätzliche Bürokratie, neue
Dokumentationspflichten und mehr Verwaltungsaufwand für den
Lebensmittelhandel – ohne erkennbaren Mehrwert für die Konsumentinnen
und Konsumenten.
„Diese Regelung ist in erster Linie eines: viel Wind und vor
allem viel Bürokratie um nichts“, erklärt Christof Kastner, Obmann-
Stellvertreter des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer
Österreich. „Nach einer ersten Erhebung in unseren Mitgliedsbetrieben
zeigt sich bereits jetzt: Pro Filiale sind jeweils nur einige wenige
Produkte tatsächlich von der neuen Kennzeichnungspflicht betroffen.
Der enorme organisatorische Aufwand steht damit in keinem
vernünftigen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen.“
Besonders problematisch ist aus Sicht des Handels, dass jene
Unternehmen mit zusätzlichen Pflichten belastet werden, die die
Produktänderungen nicht verursachen. Wenn Hersteller Füllmengen
verändern, wird dennoch der Handel verpflichtet, die Kennzeichnung am
Regal vorzunehmen sowie die Umsetzung und die laufende Kontrolle
sicherzustellen. Kommt es dabei zu Fehlern oder Unvollständigkeiten,
trägt ausschließlich der Lebensmittelhandel das Risiko von Sanktionen
und Strafen, während der eigentliche Verursacher außen vor bleibt.
„Der Lebensmittelhandel wird damit einmal mehr zum Adressaten
politischer Symbolmaßnahmen gemacht, obwohl er nicht der Verursacher
ist. Das ist weder sachgerecht noch fair“, so Kastner. Er betont,
dass die Branche seit jeher für klare Preisauszeichnung, Transparenz
und nachvollziehbare Verbraucherinformation steht. Schon heute
ermöglicht die Grundpreisauszeichnung einen direkten Vergleich von
Produkten und Packungsgrößen. Zusätzliche Hinweisschilder, neue
Prüfprozesse und weitere Kontrollmechanismen schaffen daher keine
neue Qualität der Information, sondern vor allem mehr Belastung für
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen.
„Aus Sicht der Branche braucht es vielmehr einen klaren
politischen Fokus auf die zentralen strukturellen Herausforderungen.
Die Bundesregierung ist gefordert, wirksame Entlastungen durch
niedrigere Kosten, einfachere Verfahren und eine nachhaltige Stärkung
des Wirtschaftsstandorts zu ermöglichen. Das schafft die Grundlage
für eine spürbare und dauerhafte Entlastung der Konsumentinnen und
Konsumenten“, so Kastner abschließend. (PWK069/TK)