Wien (OTS) – Am 17. Februar 2026 fand im Festsaal des
Bundesministeriums für
Inneres (BMI) der Tag der Kriminalitätsopfer statt. Die Veranstaltung
wurde vom BMI gemeinsam mit dem WEISSEN RING ausgerichtet. Das
diesjährige Thema lautete: Zwischen Schlagzeile und Schutz –
Kriminalitätsopfer in den Medien. Ziel des Symposiums war die
Diskussion des Status quo der Berichterstattung anhand positiver und
negativer Beispiele sowie die Entwicklung von
Verbesserungsmöglichkeiten.
Nach der Begrüßung durch Lyane Sautner, JKU Linz,
Präsidiumsmitglied WEISSER RING, folgten Statements von Innenminister
Gerhard Karner, Justizministerin Anna Sporrer und Sozialministerin
Korinna Schumann sowie eine Videobotschaft von Vizekanzler Andreas
Babler.
„Die Polizei nimmt ihre Verantwortung in der
Öffentlichkeitsarbeit – vor allem auch gegenüber den Opfern –
konsequent wahr“, sagte Innenminister Gerhard Karner. „Das Ziel dabei
ist klar: verlässliche und gesicherte Informationen für die Menschen
und Schutz den Interessen der Opfer.“
Justizministerin Anna Sporrer sagte: „Der heutige Tag der
Kriminalitätsopfer rückt den Opferschutz in den Fokus. Er erinnert
uns daran, dass wir die Rechte von Opfern sowohl vor Gericht als auch
in der öffentlichen Wahrnehmung stärken müssen. Wir dürfen nicht
zulassen, dass Victim Blaming in den Schlagzeilen Betroffene zu
Objekten der öffentlichen Neugier macht. Ich danke dem WEISSEN RING
und allen, die sich tagtäglich für die Rechte von Kriminalitätsopfern
einsetzen – sie sind die starke Stimme für jene, die in unserer
Gesellschaft oft nicht gehört werden.“
„Kein Geld der Welt kann das Leid lindern oder den Schmerz
nehmen. Dennoch ist es Aufgabe des Sozialstaates, diese Menschen in
schweren Stunden nicht alleine zu lassen, sondern ihnen unterstützend
zur Seite zu stehen“, sagte Sozialministerin Korinna Schumann.
„Politische Verantwortung geht weit über die Strafverfolgung hinaus.
Das Verbrechensopfergesetz ist ein wirksames Instrument, das Opfer
von Verbrechen und ihre Hinterbliebenen unterstützt – etwa mit
Schmerzengeld, dem Ersatz von Bestattungskosten und dem Zugang zu
psychotherapeutischen Behandlungen.“
Zwtl: Impulsvorträge
Aus rechtlicher Perspektive beleuchtete Maria Windhager die
gesetzlichen Rahmenbedingungen, das Spannungsfeld zwischen
Informationsfreiheit und Opferschutz, die Grenzen zulässiger
Berichterstattung sowie die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten für
Betroffene.
Markus Lamb, Pressesprecher der Landespolizeidirektion
Steiermark, erläuterte wie stark Berichterstattung das Erleben von
Kriminalitätsopfern und deren Angehörigen beeinflussen kann –
insbesondere dann, wenn Betroffene identifizierbar werden oder
Berichte sehr früh nach einem Ereignis erscheinen. Gleichzeitig wurde
betont, dass sensible Berichterstattung auch positive Wirkung
entfalten kann, etwa durch Information über Unterstützungsangebote
für Betroffene.
In der Öffentlichkeitsarbeit des BMI und der Polizei hat der
Schutz betroffener Personen oberste Priorität: Jede Veröffentlichung
unterliegt einer sorgfältigen Einzelfallprüfung, bei der die Wirkung
auf die Öffentlichkeit sowie die Interessen und die Privatsphäre von
Opfern und Angehörigen berücksichtigt werden.
Claudia Mikosz, Geschäftsführung WEISSER RING, und Nadine
Stehrlein, Teamleitung Opferhilfe WEISSER RING, gaben Einblicke in
ihre Erfahrungen mit Verbrechensopfern im Kontext medialer
Aufmerksamkeit, beleuchten deren Folgen und formulieren Empfehlungen
für Medien und Betroffene.
Zwtl.: Paneldiskussion
Im Rahmen einer prominent besetzten Paneldiskussion sprach
Caroline Kerschbaumer mit führenden Vertreterinnen und Vertretern des
österreichischen Journalismus über zentrale Herausforderungen der
Medienbranche. An der Diskussion nahmen Ingrid Brodnig (Journalistin,
Autorin und Social-Media-Expertin), Christoph Budin (Kronen Zeitung),
Florian Klenk (Falter) sowie Anna Thalhammer (Profil) teil. Die
Geschäftsführung des Österreichischen Presserats war durch Alexander
Warzilek vertreten.
Die Diskussion widmete sich unter anderem der Frage, wie eine
verantwortungsvolle Berichterstattung gelingen kann, die sowohl dem
öffentlichen Interesse als auch den Bedürfnissen von Betroffenen
gerecht wird. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, dass es
wichtig ist, sensible Inhalte in einen erklärenden Kontext
einzubetten und gut zu überlegen, wie sehr jeweils ins Detail
gegangen werden sollte. Klar wurde auch, dass es für Journalistinnen
und Journalisten eine Herausforderung darstellen kann, in
möglicherweise überfordernden und bisher nicht erlebten Situationen –
wie dem Amokattentat in Graz – den richtigen Ton und die richtige Art
der Berichterstattung zu finden. Zentral für eine sensible
Berichterstattung wären dementsprechend Selbstreflexion, das
Hinterfragen, ob Artikel oder Details tatsächlich im öffentlichen
Interesse sind und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.
Das Symposium wurde live auf der Facebook-Seite des
Innenministeriums übertragen und kann online nachgesehen werden.