Hamburg (OTS) – Pünktlichkeitsquoten zählen zu den meistbeworbenen
Kennzahlen in der
Logistikbranche. Während einige Anbieter mit Quoten von 98 Prozent
oder höher werben, offenbaren interne Audits großer europäischer
Verlader ein deutlich anderes Bild: Tatsächliche Pünktlichkeitsraten
liegen oft bei unter 90 Prozent – selbst unter Berücksichtigung eines
Kulanzfensters von drei Stunden. Die Diskrepanz zwischen Marketing
und operativer Realität wirft die Frage auf, wie belastbar diese
Kennzahlen überhaupt sind.
„Wenn mir jemand eine extrem hohe Pünktlichkeitsquote
präsentiert, frage ich zuerst: Wie messt ihr das?“, sagt Timm Trede,
CEO des Hamburger Express-Logistikers zipmend . Die Methoden zur
Manipulation sind vielfältig: Manche Anbieter definieren eine
„Lieferung am Dienstag“ als 24-Stunden-Fenster, andere werten
Abweichungen von drei bis vier Stunden noch als pünktlich. Express-
Dienstleister wie zipmend, die mit konkreten Zeitfenstern arbeiten,
stehen vor einer ungleich schwierigeren Messlatte.
Hinzu kommt die selektive Bereinigung der Daten. Verspätungen
durch Staus oder Grenzkontrollen werden oft als „höhere Gewalt“ aus
der Statistik exkludiert. Ein europäischer Konsumgüterhersteller
stellte 2023 fest: Die beworbenen Quoten seiner Dienstleister lagen
bei über 95 Prozent, die tatsächlich gemessene Performance jedoch nur
bei 86 Prozent.
Die Pünktlichkeit hängt stark vom Segment ab. Im Express-Bereich
erreichen spezialisierte Anbieter 95 bis 97 Prozent, im Standard-FTL-
Segment 88 bis 92 Prozent und im Stückgutverkehr lediglich 82 bis 85
Prozent. „Wenn ein Anbieter mit Quoten über 97 Prozent wirbt, aber
die Messmethodik nicht transparent offenlegt, ist das ein klares
Warnsignal“, warnt Trede. Ohne nachvollziehbare Dokumentation seien
solche Werte nicht belastbar.
„Seriöse Anbieter analysieren die Ursachen von Verspätungen
systematisch“, erklärt Trede. Bei zipmend werden Verzögerungen
differenziert erfasst und nach Ursachen kategorisiert, um den Service
kontinuierlich zu verbessern. „Wir schauen wohl genauer hin als
herkömmliche Dienstleister – wissen dafür aber auch, an welchen
Stellschrauben wir drehen müssen, um Verspätungen gar nicht erst
entstehen zu lassen“, so Trede.